Dakar Moto

Heinz Kinigadner (KTM): «Ich denke, wir gewinnen»

Von - 12.01.2016 11:48

Von Heinz Kinigadners vier Dakar-Favoriten sind nur noch zwei übrig, mit Paulo Goncalves fährt eine für Honda. Deshalb rechnet der Tiroler mit einem KTM-Gesantsieg. Es wäre der 15. in Serie.

261 Weltmeistertitel hat KTM bereits gewonnen. Und jetzt kämpfen die Mattighofener um den 15. Rallye-Dakar-Sieg hintereinander. Nach der achten Etappe vom Montag liegt der australische Red Bull-KTM-Werksfahrer Toby Price 2:05 min vor der portugiesischen Honda-Hoffnung Paulo Goncalves, der 2015 Zweiter hinter Marc Coma war.

Heinz Kinigadner beobachtet für KTM und Red Bull die letzte Dakar-Woche in Bolivien und Argentinien.

Mit einem traurigen Auge hat der Tiroler den Crash und die Verletzung des Salzburgers Matthias Walkner zur Kenntnis genommen, der bis Samstag beste Chancen auf einen Top-3-Platz hatte.

Heinz, fällt es Matthias Walkner als ehemaligem Motocross-Weltmeister immer noch ein bisschen schwer, bei so einem Langstrecken-Wettbewerb bei gewissen Verhältnissen das Tempo richtig zu dosieren? Das ist ja ein Problem, das schon einige prominente Vorgänger bei der Dakar hatten?

Müsste man meinen, ja, besonders wenn ich mich an meine Dakar-Auftritte zurückerinnere. Da hat die Angewöhnung viel länger gedauert als zwei Jahre... Sie hat eigentlich überhaupt nie aufgehört.
Aber der Walkner hat uns alle überrascht, wie kontrolliert er gefahren ist. Der hat jetzt in den eineinhalb Jahren, in denen er Rallye fährt, einen Abgang gehabt, das war in Katar, als er bei einem unübersichtlichen Querweg einen Schlag bekam; er ist bei diesem Sturz aber unverletzt geblieben. Jetzt hat es ihn hier am Samstag zum ersten Mal erwischt – mit einem Oberschenkelbruch.
Für mich war der Walkner hier ein Phänomen, weil er Speed-mässig alles so kontrolliert gefahren ist. Er hat auch sehr viel trainiert.
Ich glaube nicht, dass seine Motocross-Vergangenheit etwas mit dem Sturz zu tun hatte. Das war einfach... Naja. Solche Unfälle passieren. Mich haben ein paar Journalisten gefragt: Muss man mit solchen Unfällen rechnen?
Wenn man auf diesem Niveau 9000 km durch die Wüste gast, dann musst du damit rechnen, dass du irgendwann einmal einen Stein, ein Loch oder eine Kurve übersiehst.

Du warst seinerzeit nicht der einzige ehemalige Cross-Weltmeister, der bei der Dakar gescheitert ist. Gaston Rahier hat zwar dominiert, aber auch André Malherbe und Georges Jobé haben sich nicht durchgesetzt.

Ja, Malherbe, Jobé, auch Harry Everts hat es gebeutelt.

Du bist bei der Dalar nie angekommen?

Ich bin die Dakar sieben Mal gefahren und nie ins Ziel gekommen.
Ich habe die meiste Zeit die Nummer 14 gehabt. Dieses Jahr hat sie Walkner bekommen. Ich habe ihm gleich gesagt: Diese Startnummer ist bei mir nie ins Ziel gekommen.
Nächstes Jahr nehmen wir eine andere Startnummer.

Wie sieht deine Vorhersage aus: Wer gewinnt die Dakar? Honda oder KTM?

Ich gehe schon davon aus, dass wir gewinnen. Aber die Prognosen sind schwierig. Ich bin ja kein Hellseher. Ausserdem sind Price und Goncalves sehr auf Augenhöhe unterwegs. Auch unser Antoine Meo und der Einheimische Kevin Benavides auf der Honda, der hier ein Motorradgeschäft hat und hier die nationale Meisterschaft bestreitet, der kennt hier jeden Weg. Er hat zwar fast 26 Minuten Rückstand. Aber er kann Goncalves helfen, das ist ein Vorteil für den Portugiesen, weil ihm Benavides relativ genau sagt, wo es langgeht.
Aber Goncalves ist tempomässig unter Druck. So wie Meo und Price fahren, würde es mich nicht wundern, wenn er noch einmal ein, zwei so kleine Fehler macht. Und selbst bei einem kleinen Fehler kann dir der Gasgriff brechen, dann fährst du nimmer weiter.
Ich gehe davon aus, dass wir den Gesamtsieg schaffen werden.
Aber bei 2:05 min Vorsprung ist alles offen. Wir starten bei der neunten Etappe fast wieder bei Null.
Mich hat Abstand das ein bisschen gewundert, denn in diesem Jahr wird erstmals mit 3-Minuten-Abständen gestartet. Du musst bei drei Minuten gleich einmal neun Minuten aufholen, wenn du drei Plätze hinter einem Gegner liegst. Bisher 2016 gab es 2-Minuten-Abstände, also musste man in so einem Fall nur sechs Minuten aufholen.
Da es bisher bei der Dakar in diesem Jahr bisher nur Vollgas dahin gegangen ist, hat es schon keiner geschafft, wenigstens drei Minuten wettzumachen. Aber jetzt ändert sich die Streckenführung. Wenn es jetzt in die Dünen reingeht, wenn dann navigiert werden muss, dann der Vordermann die Arschkarte gezogen, er wird eingeholt. Dadurch kann es in den nächsten drei Tagen zu grossen Verschiebungen kommen, weil es passieren kann, dass einer sechs oder sieben Minuten aufholt. Das wird jetzt spannend.
Meine Prognose vor dem Start waren eigentlich die zwei Honda-Fahrer Barreda und Goncalves, dazu der Walkner und der Price. Das waren meine Favoriten für den Gesamtsieg. Jetzt haben sich mit Barreda und Walkner schon zwei Favoriten verabschiedet, also bleiben noch Goncalves und Price übrig.
Wenn kein Defekt oder Sturz passiert, gewinnt einer von den zwei.

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Dakar-Spitzenreiter Toby Price (Red Bull KTM) auf der achten Etappe am Montag © Red Bull Dakar-Spitzenreiter Toby Price (Red Bull KTM) auf der achten Etappe am Montag Heinz Kinigadner im Gespräch mit Leader Toby Price © Kini Heinz Kinigadner im Gespräch mit Leader Toby Price
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