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DMSB: Seltsame Methoden, Willkür und Machtfülle

Von - 08.03.2017 13:05

Hans-Joachim Stuck ist Präsident des deutschen Motorsportbunds DMSB, gleichzeitig übt er eine Funktion im VW-Konzern aus. Die Kritik am DMSB wächst. Von «mafiösen Strukturen» ist die Rede.

In den letzten Tagen hat SPEEDWEEK.com im Zusammenhang mit dem Motorradsport einige Ungereimtheiten und seltsame Geschäftsgebaren des Deutschen Motor Sport Bunds (DMSB) aufgedeckt und angeprangert. Der DMSB ist der einzige deutsche Motorsportverband, der von FIA und FIM anerkannt ist und hat es sich in Faulbett dieses Monopols gemütlich gemacht – samt einträglichen Geschäften, die aber vermehrt auf Widerstand bei den Aktiven stossen.

Da geht es um merkwürdige Barzahlungen, um illegale Rechnungen für A-Lizenzen im Zweiradbereich für WM-Fahrer, die laut FIM-Reglement Art. 1.10.1 für die Fahrer ohne Zusatzkosten ausgestellt werden müssen.

Der DMSB verrechnet aber ungerührt für Asse wie Bradl, Folger, Cortese & Co. zum Beispiel 299 Euro inklusive einer Pflichtversicherung, obwohl kein WM-Fahrer jemals von seiner A-Lizenz Gebrauch macht, also braucht er auch keine Versicherung.

Inzwischen haben sich bei SPEEDWEEK.com zahlreiche Betroffene aus der Automobilbranche gemeldet, bei denen sich viel Ärger, Kummer und Wut aufgestaut hat. «Was da im Motorradbereich zu lesen war, das ist nur die Spitze des Eisbergs», ließ ein Betroffener durchblicken, der im VW-Konzern beschäftigt ist und anonym bleiben will, weil er Angst vor der Macht von DMSB-Präsident Hans-Joachim Stuck hat. «Der DMSB-Vorturner nimmt ja gleichzeitig immer noch eine hohe Position in der Volkswagen Group ein. Wenn ich offiziell Kritik übe, kann ich bald vor dem Kaufhof Gitarre spielen», fürchtet unser Informant.

Viele Motorradfahrer meinen, der DMSB sei an den Zweirädern nicht interessiert, deshalb liege dort so vieles im Argen. Aber auch auf dem Automobilsektor ist der Unmut über die DMSB-Funktionäre groß.

Aber was in der DTM und in der VLN-GT3 unter der Regie des DMSB abgelaufen ist, spottet ebenfalls jeder Beschreibung.

Unser aufgweckter Kollege Wilhelm Hahne (motorkritik.de.) gehört zu den profundesten Kennern des DMSB. Er übt seit Jahren Kritik, vor allem seit der Machtübernahme von Hans-Joachim Stuck als Präsident des Vereins.

DMSB-Generalsekretär Christian Schacht war vorher schon oft genug mit Entscheidungen aufgefallen, die tendenziell überwiegend im Sinne der Industrie waren. Hätte er nicht in erster Linie die Interessen des Verbands und der Lizenznehmer respektieren müssen?

DTM: Was passiert nach 2017?

Der DMSB sieht sich in Deutschland als Dreh- und Angelpunkt des Motorsports. Aber Präsident Stuck ist Motorsport-Berater und Botschafter des weltgrößten Automobilkonzerns – und soll gleichzeitig unabhängig die Geschicke eines Landesverbands lenken? Obwohl Marken wie Audi, Porsche, Seat, Skoda und VW in allen möglichen Meisterschaften mitwirken?

Stuck wird nachgesagt, er kümmere sich vorrangig um die DTM. Dort verdiente er nach der Formel 1 jahrelang bei Audi sein Geld als Rennfahrer.

Allerdings läuft In der DTM längst nicht alles nach Plan, hinter den Kulissen rumort es. Böse Zungen behaupten, die DTM bäume sich 2017 ein letztes Mal auf, auch wenn sich die drei Hersteller bis 2018 offiziell zu der Serie bekannt haben.

Doch was passiert danach? Ein Nachfolger für den bisherigen DTM-Boss Hans Werner Aufrecht ist offenbar noch nicht gefunden.

Wie die Serie mit den neuen Regeln und den neuen Autos 2017 einschlagen wird, ist noch nicht absehbar. Um die Serie überhaupt am Leben zu erhalten, wurden für 2017 die Kosten erheblich gesenkt, dafür wurde die Anzahl der Autos ebenso reduziert wie das Personal. Die Kritiker meinen, die DTM spare sich kaputt. Die Hersteller schweigen sich bei Budgetfragen aus, stellten aber auch klar, dass es ohne Einsparungen auch keine DTM mehr gebe. Ohne Frage ein Balanceakt.

2016 stiegen zwar die Besucherzahlen an der Strecke leicht, dafür fiel die TV-Quote erstmals unter die Millionen-Grenze. Dass weiter nur Audi, BMW und Mercedes in der DTM fahren, der neue Turbomotor auf 2019 verschoben und dadurch keine neuen Hersteller gewonnen werden konnten, macht die Situation nicht einfacher.

Auch in vielen anderen Meisterschaften hagelt es Kritik. Der umstrittene Generalsekretär Schacht ließ die Untertanen jahrelang seine Macht spüren.

Die DMSB-Trägerverbände ADAC, AvD und DMV bilden die Basis, der DMSB lässt bei der Außendarstellung gerne das e.V. für die Kennzeichnung als «eingetragener Verein» weg. Damit die Gemeinnützigkeit, die «ideellen Zwecke» und die Steuerfreiheit nicht zu häufig hinterfragt werden.

DMSB-Generalsekretär Christian Schacht agierte als Ämterkumulierer, denn er durfte bis 2017 gleichzeitig als Geschäftsführer der Firma «Deutsche Motor Sport Wirtschaftsdienst GmbH» agieren. Dem «eingetragenen Verein» wurde also eine GmbH zur Seite gestellt, um die Gewinne optimieren zu können und den e.V.-Status nicht aufs Spiel zu setzen. Schacht war früher bei Honda Deutschland beschäftigt, dazu betätigte er sich als Sportkommissar – auch in der DTM.

Erst für 2017 rang sich der DMSB zu einer stärkeren Aufteilung in einen Amateur- und einen Profibereich durch. Dr. Julia Walter (34) übernahm ab 1. Januar im Dachverband der deutschen Motorsportler das Amt der Generalsekretärin und wurde damit zuständig für den kompletten Amateur-Motorsport. Der bisherige Generalsekretär Schacht konzentriert sich endlich auf seine Aufgaben als Geschäftsführer der Deutschen Motorsport Wirtschaftsdienst GmbH; er bleibt weiter für den Profi-Motorsport zuständig. Ob sich mit dieser neuen Struktur etwas zum Besseren ändert, wird von vielen Aktiven bezweifelt.

Als Geschäftsführer der Deutschen Motor Sport Wirtschaftsdienst GmbH (DMSW) ist Schacht für das Lizenzwesen der professionellen Rennfahrer und für das Rechtemanagement der Top-Serien wie DTM, DRM und IDM verantwortlich. In der Internationalen Deutschen Motorrad Meisterschaft (IDM) kracht es jedoch mächtig im Gebälk. Es fehlt bis heute ein Ausrichter, bisher sind nur sechs Veranstaltungen geplant. Promoter MotorEvents hat nach vier Jahren das Handtuch geworfen. IDM-Promoter Bert Poensgen sprach in Zusammenhang mit DMSB und ADAC sogar von «mafiösen Strukturen».

Beschwerden in vielen Bereichen

Fakt ist, dass der DMSB seit Jahren von allen Seiten unter Beschuss stand und steht. Ein Kartmotor-Hersteller klagte schon 2014 vor dem Landgericht Frankfurt, weil der Verband die Verwendung seiner Motoren untersagt hatte; der DMSB musste seine Behauptungen zurücknehmen und einen Schadenersatz bezahlen.

In der Youngtimer-Serie kam es laut motorkritik.de ebenfalls zu Meinungsverschiedenheiten, weil der DMSB die Durchführung von «Auslandsrennen» untersagte, obwohl im EU-Raum gar kein Ausland mehr existiert...

VLN: Hier hat der DMSB auf der ausnahmslos bei allen zehn Läufen im Jahr von der VLN genutzten Nürburgring-Nordschleife an verschiedenen Stellen eine Geschwindigkeitsbeschränkung verhängt, was die Bezeichnungen «Rennstrecke» und «Rennen» ad absurdum führt.

Zum Befahren der Nürburgring-Nordschleife wurde vom DMSB eine «Sonder-Lizenz» und ein «Nordschleifen-Permit» vorgeschrieben. Unter der Schutzbehauptung einer «Sicherheitsmaßnahme» wurde den Fahrern mit diesem Schachzug zusätzlich Geld aus der Tasche gezogen. Wenn’s um neue Geldquellen geht, glänzt der DMSB durch Einfallsreichtum. Wir reden von einem gemeinnützigen Verein, übrigens.

Auch in der deutschen Rallye-Szene ist wegen der kostentreibenden Auflagen des DMSB Feuer am Dach.
Rund um die VLN-Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring und das populäre 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring entsteht auch immer wieder Zwietracht mit dem DMSB.
Durch die Art der Ausschreibungen sind beide Rennen irgendwie miteinander verbunden, berichtet motorkritik.de.

Am 18. März 2017 sollen die Test- und Einstellfahrten auf der Langstreckenversion der Nürburgring-Nordschleife, die einen Teil des GP-Kurses einbindet, stattfinden.

Niemand kann einschätzen, ob zu diesem frühen Termin diese Testfahrten überhaupt durchgeführt werden können. Der Winter hat die Eifel auch schon im Mai und Juni heimgesucht...

Bei näherem Hinsehen ist erkennbar: Die CNG und nicht die VLN tritt 2017 als Veranstalter dieser Test- und Einstellfahrten auf. Die Pächter GmbH lässt sich aber in der Organisation von einem Dortmunder Motorsport Club unterstützen.

Warum veranstaltet nicht die VLN diesen Testtag? Weil sie zu diesem wettermäßig unsicheren Termin dem Verpächter, der CNG, die Miet- und sämtliche Nebenkosten garantieren sollte. Das geht nicht, hat die VLN entschieden. Man hätte bei einer witterungsbedingten Absage bei dieser Veranstaltung ca. 80.000 Euro eingebüßt. Die CNG möchte aber auf diesen Testtag vor dem 1. VLN-Lauf 2017 nicht verzichten. Für 25. März ist das erste VLN-Langstreckenrennen geplant.

Aber am 1. März 2017 gab es noch keine vom DMSB genehmigte Ausschreibung zur VLN-Serie 2017!

Unklarheit besteht auch bei der Frage, ob der 2017 von der FIA für alle Automobile (auch Serienwagen) vorgeschriebene FT3-Sicherheitstank auch in der VLN zum Einsatz kommt. Denn die Kosten belaufen sich je nach Fahrzeugtyp auf 5.000 bis 20.000 Euro.

Nach dem tödlichen Unfall (ein Zuschauer wurde getötet) beim 1. Lauf zur VLN Langstreckenmeisterschaft auf der Nordschleife 2015 hatte Schacht im Namen des DMSB die GT3-Fahrzeuge und vergleichbare Leistungsstufen (SP7, SP8, SP9, SP10 und SP-X) verboten – bis zur Klärung der genauen Umstände der Unfalls mit Nissan Nismo GT3 mit Jann Mardenborough am Steuer.

Die Wogen in der VLN-Szene gingen nach diesem Willkürakt hoch, denn etliche Teams hatten Rennautos in Besitz, die plötzlich nicht mehr eingesetzt werden durften.

Auch der Verein «Ja zum Nürburgring» legte sich mit dem Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) an. «Seit Jahrzehnten unterstützen wir mit viel Energie den Breitensport, und jetzt kommt der stärkste Gegenwind aus den eigenen Reihen», beklagte sich Otto Flimm. Der DMSB müsse den Breitensport fördern und dürfe ihn nicht «kaputtregulieren», wetterte der Vorsitzende.

Entscheidungen des DMSB bedrohten immer stärker den Motorsport auf der Traditionsrennstrecke Nürburgring, verlautbarte der Verein in einer Pressemitteilung.

Der DSMB habe sich bei Vorschlägen routinierter Fahrer zum sicheren Rennbetrieb taub gestellt, das Fass sei endgültig übergelaufen, wurde berichtet. Eine Richtungsänderung sei überfällig. «Mir scheint, dass die Verantwortlichen beim DMSB völlig die Bodenhaftung verloren haben», kritisierte der bald 88-jährige Ehrenmann Flimm. «Es kann nicht wahr sein, wie der DMSB als nationaler Ableger der FIA mit den deutschen Veranstaltern, Teams und Fahrern umgeht. In eigener vermeintlicher Machtvollkommenheit werden gerade in Sachen Nürburgring und der dortigen Veranstaltungen Entscheidungen getroffen, die dem deutschen Motorsport nachhaltig schaden.»

Aber auch solche von viel Sachverstand getragenen Vorwürfe eines ehrwürdigen ehemaligen ADAC-Präsidenten prallen beim DMSB ab.

Die Funktionäre des deutschen Motorsportverbands leben in ihrer eigenen Welt. Der Kontakt zum Volk ist längst verloren gegangen.

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