DTM

DTM: «Aston Martin so wichtig wie Ferrari für die F1»

Von - 15.08.2018 08:23

Gerhard Berger muss für die Zukunft der DTM einige Baustellen schließen. Die wichtigste: der neue Hersteller. Der DTM-Chef äußert sich zu neuen Herstellern, dem Kalender und auch dem Rahmenprogramm.

Im Grunde könnte sich Gerhard Berger ein kleines bisschen zurücklehnen. Kann man als DTM-Chef zwar eh nie, aber ja: Der Österreicher hat in seiner Amtszeit durchaus einiges bewegt und angestoßen. Wenn da nicht das eine, große, alles beherrschende Thema wäre: Wann steht der Mercedes-Nachfolger endlich fest?

Es ist bei jedem DTM-Event ein ähnliches Spiel, die immer wiederkehrende Frage an Berger. Und der betont immer wieder aufs Neue, dass es nichts zu verkünden gebe. Noch nicht, wohlgemerkt. «Die Gespräche befinden sich in einer fortgeschrittenen Phase. In drei bis vier Wochen kann man dazu vielleicht konkret etwas sagen», sagte er Auto Bild Motorsport. Und betonte: «Aber ganz klar: Aston Martin wäre für die DTM so wichtig wie Ferrari für die Formel 1. Das ist Premium. Es ist noch nichts entschieden und es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren.»

Vor allem, weil das ganze Projekt durchaus komplex ist, von vielen Faktoren abhängig ist. So hieß es gerüchteweise, ein Renneinsatz würde durch R-Motorsport (die Motorsport-Marke von AF Racing) gemeinsam mit Arden Motorsport erfolgen, das Chassis durch HWA kommen, möglicherweise sogar der Motor. Dazu wurde auch das geplante Joint Venture von HWA und AF Racing als Hinweis interpretiert. Dr. Florian Kamelger, der Mitinhaber von AF Racing und Teamchef von R-Motorsport ist, bestätigte das Interesse an der DTM. Betonte aber auch, dass es verfrüht sei, von einem Aston-Martin-Einstieg zu sprechen.

Gerüchte, dass für einen Aston-Martin-Einstieg unter anderem ein Commitment von Audi über 2019 hinaus fehle, kann Motorsportchef Dieter Gass nicht komplett aus der Welt räumen. Es sieht aber sehr gut aus, dass es bald kommen wird: «Ich bin optimistisch, dass wir fahren werden», so Gass. BMW hatte sowieso immer wieder betont, dass man zur DTM stehe. Neben Audi und BMW könnten Kundenteams das Feld im Übergangsjahr 2019 bunter und reichhaltiger gestalten, für Abwechslung sorgen. Interessenten gibt es einige. «Eine Handvoll hat das Zeug dazu, so ein Projekt zu stemmen. Der eine oder andere Interessent hat auch die Möglichkeit, das Ganze zu refinanzieren. Da muss man sehen, wer die richtigen sind», sagte Berger.

Gass bestätigt Gespräche. «Es wird konkreter, man muss ja auch langsam anfangen, über mehr Details zu sprechen. Und dann müssen die Interessenten schauen, ob und wie sie es finanziert bekommen.»

Rund 2,5 Millionen soll ein Auto für eine Saison kosten. «Ich sehe die günstigen Autos als Chance, vor drei Jahren waren sie so teuer – da hätte man gar nicht angefangen, darüber zu reden», so Gass. Spekuliert wird viel: Die üblichen Verdächtigen wie Mücke, Schnitzer, ROWE, oder auch aktuelle Teams wie zum Beispiel Abt.

Parallel zu einem neuen Hersteller ab 2020 arbeitet Berger an 2019. Die DTM wird im kommenden Jahr wohl ein wenig abspecken. Der Kalender steht zwar noch längst nicht fest, wird aber wohl nur noch acht bis neun statt wie bislang zehn Events beinhalten. Plus die beiden gemeinsamen Veranstaltungen mit der japanischen Super GT. Die werden im DTM-Format ausgetragen, zählen aber nicht zur DTM-Wertung. Das «Heimspiel» in Europa würde Berger gerne in Deutschland sehen, aber das ist noch ebenso offen wie der genaue Zeitpunkt und ob es eine eigene Wertung gibt.

«Beide Events werden eher im Anschluss an die DTM-Saison stattfinden. Sie sind ein wichtiges Zeichen für die internationale Ausrichtung des Class-One-Reglements», so Berger. Ebenfalls unklar: Ob 2019 weiterhin fünf Events in Deutschland ausgetragen werden oder möglicherweise nur noch vier. Weiterhin im Gespräch ist der Salzburgring. Berger: «Für mich hat die Strecke eine Seele, und sie ist von Deutschland aus auch gut erreichbar. Wir müssen aber erst einmal schauen, ob es dort überhaupt funktioniert. Das prüft der Salzburgring im Moment.»

Eine Achillesferse der Serie ist das Rahmenprogramm. Ein klarer Schwachpunkt, durch den auch ohne Frage die Zuschauerzahlen gelitten haben. Die DTM will deshalb die Formel-3-Euroserie wieder beleben, schreibt die Serie aus. Denn: Eine neue, internationale Formel 3 soll ab 2019 im Rahmenprogramm der Formel 1 ausgetragen werden und die GP3 ersetzen. In der Formel-3-Euroserie, die von 2003 bis 2012 fester Bestandteil des DTM-Rahmenprogramms war, fuhren Superstars wie Sebastian Vettel oder Lewis Hamilton sowie deutsche Stars wie Nico Hülkenberg, Pascal Wehrlein oder Marco Wittmann.

Berger bestätigt, dass mit dem jetzigen Reglement, den jetzigen Autos und Motoren von HWA gefahren werden soll: «Die Serie soll voll im Rahmen der DTM stattfinden. Die Teams haben alle das Material, und sie würden alle gerne auf dieser Basis bei der DTM weiterfahren. Wir werden uns dafür ins Zeug legen. Wir arbeiten ohnehin an einem komplett neuen Rahmenprogramm.»

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