DTM

DTM: Aston Martin und die Sorge vor Andrea Dovizioso

Von - 08.06.2019 08:34

Bei Aston Martin weiß man: Gaststarter Andrea Dovizioso ist im Audi RS 5 DTM kein Kanonenfutter. Hinter ihm landen möchte man in Misano aber auch nicht.

Daniel Juncadella wird schweigen. Nicht zu viel verraten, nicht zu viel helfen. Das können andere machen. Der frühere DTM-Star Mattias Ekström als Coach von Gaststarter Andrea Dovizioso zum Beispiel.

Der MotoGP-Superstar gab zum Auftakt des dritten Rennwochenendes in Misano zu, dass es eine Menge ist, die er lernen muss, und das in kurzer Zeit. Reifen, Abtrieb, Knöpfe, Abläufe, die Konkurrenz – es sind viele Baustellen, die der Italiener bei seinem DTM-Debüt beachten muss.

«Ich werde ihm nicht zu viele Tipps geben, denn wenn du dir unsere Performance in Hockenheim und Zolder anschaust, könnte ich mir Sorgen machen. Es ist ermutigend, dass er Probleme hat», sagte Juncadella mit einem Augenzwinkern.

Was er aber ernst meint: Aston Martin hat durch die kurze Vorbereitungszeit noch einen Rückstand auf BMW und Audi. Und Dovizioso sitzt zwar in einem Audi des Kundenteams WRT, doch die Belgier werden von Audi mit dem aktuellen Werksmaterial ausgestattet. Die Stammpiloten Pietro Fittipaldi (den Dovizioso ersetzt, während Fittipaldi wiederum doch für den erkrankten Jamie Green einspringt) und Jonathan Aberdein haben bewiesen, dass das Auto für Top-Platzierungen gut ist.

Hinzu kommt: Juncadellas Freunde setzen ihn ordentlich unter Druck, interessieren sich für die Rennen in Misano noch mehr als sowieso schon. Sie fiebern dem Start des MotoGP-Superstars entgegen. Und sagen: «Was, wenn er dich schlägt, das ist unmöglich, oder?» Tja, so unmöglich ist das nicht.

Denn Dovizioso hat am Freitag in den beiden Trainingssessions ein gutes Debüt gefeiert, hat gut in das Rennwochenende reingefunden, konnte sich schnell akklimatisieren im Wettbewerbsmodus. Und noch wichtiger: Er konnte sich stetig verbessern. Nicht nur in der ersten Session, in der er die Aston Martin Vantage von Jake Dennis und Ferdinand von Habsburg (ohne gezeitete Runde) hinter sich ließ.

Denn auch in der zweiten Session schlug sich Dovizioso gut, verbesserte seine persönliche Bestzeit aus Session eins (1:29,809 Minuten) nochmals. Er fuhr seine schnellste Runde in 1:28,488 Minuten und war damit rund 1,8 Sekunden langsamer als die Spitze, aber dafür schneller als das Aston-Martin-Duo von Habsburg und Juncadella. Zur Top Ten fehlte eine Sekunde, zu Paul di Resta vor ihm drei Hundertstel. Zweimal Platz 16 lautete das Ergebnis.

Klar: Das war «nur» Training, doch es dürfte durchaus eine berechtigte Sorge sein, von Dovizioso unter normalen Bedingungen und Umständen auf der Strecke besiegt zu werden.

Juncadella: «Ich konzentriere mich auf mich und versuche, etwas Pace zu finden. Die fehlt uns natürlich zur Konkurrenz. Aber wir hatten drei Wochen Pause, die dürften uns geholfen haben. Ich wünsche ihm nur das Beste, aber ich werde ihm nicht zu viele Tipps geben.»

Auch sein Teamkollege Paul di Resta weiß: «Andrea hat ein sehr gutes Auto. Ich bin mir sicher, dass er pushen wird. Er hat auch ein bisschen Erfahrung in diesem Auto gesammelt», so der Schotte.
Immer wieder kommt der große Respekt durch, den die DTM-Fahrer vor Motorrad-Fahrern wie Dovizioso haben. Di Resta bezeichnet sie als «viel begabter. Die Superstars in diesem Sport sind wirklich großartig.»

Die DTM-Piloten wissen zudem: Sie selbst würden sich einen Wechsel nicht zutrauen. «Es wird nicht einfach, in einer anderen Kategorie von Anfang an schnell zu sein, das wissen wir. Wir wissen aber auch: Würden wir uns auf ein Motorrad setzen, würden wir sehr schlecht aussehen», sagte Mike Rockenfeller.

Auch Timo Glock hat «viel Respekt vor ihm, dass er das ausprobiert. Er hatte nicht viel Zeit im Auto. Wenn ich eine Einladung bekommen würde von der MotoGP – ich würde es niemals tun. Das sind die richtigen Jungs. Es ist verrückt, wie sie fahren, wie schnell sie in Mugello waren. Auf der Geraden wird es für ihn ein bisschen wie in Zeitlupe sein, aber unsere Autos sind in der Kurve schnell. Das wird die Herausforderung sein: Zu verstehen, wie er das Maximum herausholt.»

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