DTM

Funkskandal: Ein Bärendienst für die DTM?

Von - 06.08.2015 18:55

Der Funkspruch von Spielberg hat in der DTM für einen handfesten Skandal gesorgt, der Serie aber auch lange nicht erlebte Aufmerksamkeit beschert. Und nun? Eine Kolumne zum Eklat und den Folgen.

Es war ein bisschen wie in den oft bemühten guten, alten Zeiten. Die DTM steht in den Schlagzeilen wie lange nicht mehr. Keine Randnotiz über den Rennsieger, abgehandelt in fünf Zeilen. Nein, praktisch alle großen Medien stürzten sich in den vergangenen Tagen auf die Tourenwagenserie. Leider war mal wieder ein Skandal Grund für die ausführliche Berichterstattung. Und eben nicht der starke Sieg von Mattias Ekström am Sonntag im Regen. Oder Pascal Wehrlein als jüngster Tabellenführer in der DTM-Geschichte am Samstag.

Ein Umstand, mit dem die DTM seit Jahren zu kämpfen hat. Mit der wohl jede Serie unterhalb der Formel 1 umgehen muss, wenn es um die ganz große Bühne geht. Ich begleitet die DTM seit fast drei Jahren und habe schon einige kleinere oder größere Eklats erlebt. Sofort fällt einem da die Wasserflaschen-Affäre 2013 auf dem Norisring ein. Doch das mediale Echo ist diesmal gefühlt drei Nummern größer.

Dass die DTM durch den Fleischwolf gedreht wird, hat sie natürlich in erster Linie dem inzwischen schon legendären Funkspruch zu verdanken. «Timo, schieb ihn raus». Ein Satz für die Ewigkeit.

Unsportlich, fies, mies – natürlich passt das alles, keine Frage. Aber es war beileibe nicht nur das. Denn was danach passierte, setzte dem Ganzen noch die Krone auf.

Audis Motorsportchef Wolfgang Ullrich hatte den richtigen Ansatz schon gewählt, nahm den Fauxpas im ersten Interview auf seine Kappe. Doch danach ruderte der 64-Jährige unverständlicherweise zurück, kam bei seinem Versuch, mit der Wahrheit, freundlich ausgedrückt, sparsam umzugehen, ins Schlingern. Das unwürdige Schauspiel endete schließlich mit einem Schuldeingeständnis inklusive Entschuldigung. Viel zu spät.

Wäre Ullrich den ersten Weg stringent gegangen, hätte es den Eklat sicher nicht ungeschehen oder besser gemacht. Er hätte aber zu seinem Fehler gestanden, von Beginn an. Und damit Größe bewiesen. Dass Audi nun die Integrität des Sportmannes Ullrich betont, ist schon richtig. Er hat sich in 23 Jahren tatsächlich nichts zuschulden kommen lassen. Doch mit 23 Jahren Erfahrung im Motorsport MUSS ein Motorsportchef souveräner und ehrlicher mit der Situation umgehen.

Kann man den Funkspruch denn tatsächlich mit Emotionen erklären?

Ja und Nein.

Ja, weil sicher jeder, der im Sport unterwegs ist, Emotionen nachvollziehen kann. Natürlich ist das keine Entschuldigung, zumindest aber eine Erklärung.

Und nein, weil zum einen die Ansage über den Funk phonetisch nur wenig emotional war, sich eher wie ein wohl überlegter Befehl anhörte. Zum anderen darf durchaus die Frage gestellt werden, was Ullrich so auf die Palme brachte. Fakt ist, dass Ekström nach einem ganz starken Rennen dem Sieg entgegen fuhr und Wehrlein durch das Mercedes-Manöver letztendlich ganze vier Punkte zusätzlich gewonnen hätte.

Wobei die Blockade durch das Duo der Stuttgarter sicher hart, aber vor allem auch fair und üblich war. Tourenwagensport eben. Daneben hätte ein erfahrener Pilot wie Scheider diese Situation auch antizipieren können, wenn nicht sogar müssen. Der zweimalige Meister hatte sich in der Szene vor dem Funkspruch und der Kollision schlicht und einfach düpieren lassen.

Scheider selbst hatte sich entschuldigt, eine Absicht aber zurückgewiesen und die Kollision damit erklärt, dass Wickens früher gebremst habe als erwartet. Dass die Sportkommissare ihm die Absicht im Nachhinein nachwiesen, hinterlässt einen sehr faden Beigeschmack und sorgt nicht unbedingt dafür, dass die Leute es ihm nun unvoreingenommen abnehmen, dass er den Funkspruch nicht gehört hat. Es bleibt für ihn zu hoffen, dass der skandalträchtige Satz tatsächlich nie beim ihm angekommen ist.

Denn auch für ihn sind die Geschehnisse schon jetzt bitter, bekommt sein bislang ebenfalls tadelloser Ruf nun auch einige Kratzer ab. Und das als Audi-Fahrersprecher und Mit-Initiator der Fahrergewerkschaft.

Doch ist der Skandal vielleicht sogar eine Chance?

Gut möglich, denn die Serie kann nicht nur durch eine lückenlose Aufklärung und mit einer konsequenten Bestrafung ihr Profil schärfen. Sie kann zugleich auch die Möglichkeit nutzen, um mit dem Vorurteil des ewigen Dauer-Kuschelkurses zwischen den drei Herstellern aufzuräumen.

Es entsteht oft der Eindruck, dass sich in der DTM alle lieb haben. Oft soll das auch suggeriert werden, die Realität ist aber wie im normalen Leben hin und wieder eine andere. Es darf, es muss auch mal krachen, auch nach außen hin. Dass dies dann aber stets fair ablaufen sollte, versteht sich von selbst.

Die Präsenz ist derzeit da, sie ist groß und damit tatsächlich eine Chance. Harte Duelle am Rande der Legalität und packende Manöver gab es nämlich vorher auch schon. Auch verbale Zwei- oder Dreikämpfe fanden schon oft genug statt, bislang wegen des überschaubaren Interesses aber zumeist fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Wahrscheinlich «zehrt» die Serie sogar noch bis zum Saisonfinale davon, wenn die Verantwortlichen dem Ganzen nicht einen Riegel vorschieben und sich dann nicht doch plötzlich alle wieder lieb haben. Und nach dem Finale im Oktober fällt die DTM sowieso ein halbes Jahr lang in den Winterschlaf.

Nicht erst seit Spielberg steht fest: Die DTM hat ihre Stärken, aber auch noch viele Schwächen. Diese gilt es mit den richtigen Entscheidungen weiter auszumerzen. Vielleicht entsteht dann aus dem derzeitigen Gegenwind sogar Rückenwind. 

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