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Editorial

WM-Start Australien: Was begeistert, was schockiert

Von - 27.03.2017 07:01

​Wir haben den ersten Grand Prix der neuen, schnelleren Formel 1 hinter uns. Was hat uns gefallen? Wieso ist der erste Test nicht bestanden worden? Wo müssen die die Verantwortlichen den Hebel ansetzen?

Das war er nun, der Grosse Preis von Australien 2017 dieser neuen, schnelleren Formel 1. Aber sind die deutlich breiteren und aggressiver aussehenden Autos auch eine Garantie für besseren Sport? Antwort – gemessen am Australien-GP sicher nicht.

Mercedes-Pilot Valtteri Bottas gibt zu bedenken: «Ich kam Lewis zum Schluss des Rennens immer näher. Aber wenn du mit dieser Generation Autos auf dieser Strecke mit dem gleichen Rennwagen auf fast identischen Reifen ankommst, dann ist es mindestens schwierig, einen erfolgverheissenden Angriff zu starten. Schon beim Abstand von gut zwei Sekunden verlierst du Anpressdruck und das war’s dann. Eine Chance hast du nur, wenn dein Auto markant schneller wäre.»

Auf die Frage an Nico Hülkenberg, wie sich ein Auto der neuen Generation hinter einem gegnerischen Renner anfühle, sagt der Renault-Pilot ohne zu zögern: «Es fühlt sich scheisse an.»

Klar ist der Albert-Park nicht Shanghai. Dank der langen Geraden in China dürften wir in den Genuss von mehr Überholmanövern kommen, «aber ein Rennen auf einer Piste in Barcelona», so Valtteri Bottas, «wo es auf viel Anpressdruck ankommt, das dürfte eher eine Prozession werden.»

Die Fans verliessen den Albert-Park mit gemischten Gefühlen. Viele sind froh darüber, dass die Dominanz von Mercedes zu Ende zu sein scheint und Ferrari erstmals seit Singapur 2015 wieder einen Grand Prix gewonnen hat.

Viele monierten aber auch das spannungsarme Rennen. Noch mehr GP-Besucher geben anhaltend zu Protokoll, dass sie mit dem Motoren-Sound unglücklich sind. Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner spottete: «Den besten Sound hier bot ein uraltes Taxi – der Zweisitzer von Minardi mit seinem tollen V10-Saugmotor im Heck.»

Der Eindruck aus den Wintertests bleibt: Was nützt es dem Fan auf der Tribüne, wenn die Autos zwischen drei und fünf Sekunden pro Runde (abhängig vom Typ Rennstrecke) schneller werden? Wer bitteschön kann das von freiem Auge erkennen? Wichtiger wäre es, eine gute Show zu liefern. Und Australien war keine gute Show, trotz Happy-End für Ferrari.

Mehr Abtrieb, breitere Autos, mehr mechanischer Grip dank breiter Pirelli-Walzen, kürzere Bremszonen – schon Ex-Ferrari- und -McLaren-Pilot Stefan Johansson hatte im Winter davon gewarnt, dass der Sport darunter leiden würde. Der Schwede hat nach erster Zwischenbilanz aus Melbourne Recht behalten.

Mercedes-Star Lewis Hamilton spricht von einem fundamentalen Problem, das unlösbar ist. «Seit ich in der Formel 1 bin, ist das Überholen schwierig. In all den Jahren hat sich überhaupt nichts geändert.»

Aber wir sollten mit unserem Urteil nicht vorschnell sein. Warten wir mal die Rennen in China, Bahrain und Russland ab. Bekommen wir auch dort Überholschonkost geboten, ist klar – jetzt sind die Formel-1-Verantwortlichen gefordert.

Ross Brawn, beim Formel-1-Grossaktionär Liberty Media für die Entwicklung des Sports zuständig, hat in Australien angekündigt, dass man sich die Entwicklung genau angucken werde. Widerstand weht dem Engländer entgegen, da hat er noch gar keinen Vorschlag gemacht. Denn FIA-Präsident Jean Todt unterstrich am Sonntagmorgen: «Die Regeln werden von der FIA gemacht, nicht von Liberty Media.»

Nicht alles ist schlecht. Abgesehen vom Erfolg von Ferrari, welcher der Formel 1 gut tut, freuen wir uns mit den Piloten, dass sie dank neuer Pirelli-Reifen mehr attackieren können als früher. Wenn sie eher am Limit fahren, dann ist auch die Gefahr grösser, dass sie Fehler machen. Selbst Könner wie Daniel Ricciardo sind in Schwierigkeiten geraten, wenn ihre Boliden mal leicht querstehen.

Der Australien-GP hat auch gezeigt: Die neuen Autos sind noch nicht ausgereift, wie die Ausfälle belegen.

Leider haben die neuen, haltbaren Pirelli aber auch dazu geführt, dass wir vermehrt Einstopprennen erleben werden. Selbst mit der weichsten Mischung (ultraweich) fuhr Toro-Rosso-Pilot Daniil Kvyat im Albert Park locker 34 Runden.

Gleichzeitig gibt es keinen Grund zur Panik. Die Rennen im Albert-Park waren oft wegen Unfällen und Safety-Car-Phasen packend, nicht etwa wegen der zahlreichen Überholmanöver.
China ist die bessere Messlatte: Zahlreiche Reifenwechsel öffneten 2016 verschiedene Strategiewege, überholt wurde hüben und drüben.

Falls auch das Rennen in Shanghai eher naja wird, kann die FIA als erste Gegenmassnahme die DRS-Zonen verlängern, also jene Bereiche der Strecke, in welchen die Verfolger ihren verstellbaren Heckflügel öffnen dürfen und dadurch schneller werden.

Australien-Sieger Sebastian Vettel warnt vor einer Überreaktion: «Im Fussball gibt es auch begeisternde Spiele und dann ein langweiliges Gekicke, das mit 0:0 endet. Nicht jeder Grand Prix kann ein Vollknaller sein. Warten wir mal ab, wie sich das alles entwickelt.»

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