Formel 1

Toto Wolff über Hamilton–Bottas: «Vielleicht naiv»

Von - 30.07.2017 16:56

​Mercedes-Teamchef Toto Wolff und Rennlegende Niki Lauda erklären, wieso zum Ende des Ungarn-GP Bottas wieder vor Hamilton geholt wurde. Damit gingen Lewis drei Punkte gegen Vettel verloren.

Mercedes drehte in der letzten Kurve des Ungarn-GP die Reihenfolge seiner Silberpfeilfahrer um. Lewis Hamilton gab seinen dritten Platz zurück an Valtteri Bottas. Der Mercedes-Kommandostand hatte beschlossen, Hamilton an Bottas vorbeizuholen und auf die Ferrari loszujagen, aber Lewis konnte die Festung Maranello nicht stürmen. Daher gab Hamilton die Position kurz vor Schluss des Rennens zurück. Auf diese Weise hat er wichtige Punkte im WM-Duell gegen Sebastian Vettel freiwillig preisgegeben.

Valtteri Bottas meint: «Ich danke Lewis für seine Fairness und dass er Wort gehalten hat. Ich hatte mir Sorgen gemacht, weil ich nicht an Lewis hatte dranbleiben können. Stattdessen rückte von hinten Max Verstappen immer näher, weil ich teilweise in den ganzen Nachzüglern hängen blieb.»

Niki Lauda zum Platzwechsel: «Wir wollen unseren Fahrern gegenüber immer fair sein. Wir holten Hamilton vor Bottas, weil Lewis zu diesem Zeitpunkt schneller war. Aber dann konnte Hamilton eben nicht an den Ferrari vorbei. Also drehten wir das um.»

Damon Hill über das Manöver von Mercedes: «Ich war überrascht, wie das vollzogen wurde, weil zwischen Bottas und Verstappen nicht viel Abstand war, da musst du schon sehr vorsichtig vorgehen. Vor allem aber bin ich schon überrascht davon, wie Hamilton drei Punkte hergibt – in einem WM-Kampf mit Vettel, bei dem es wirklich um jeden Punkt geht.»

Teamchef Toto Wolff dazu: «Ja, das stimmt. Am Ende könnten uns diese drei Punkte zum Titel fehlen. Vielleicht werden die Leute eines Tages zurückblicken und sagen – in Ungarn wart ihr naiv, da habt ihr den WM-Titel weggeworfen. Aber für mich ist es wichtig, dass du zu gewissen Werten stehst.»

«Wir versuchen, einen ausgeprägten Teamgeist zu pflegen. Dieser Geist hat mitgeholfen, dass wir drei WM-Titel in Folge gewonnen haben. Wenn wir ein Wort geben, dann stehen wir auch dazu. Klar war dieser Funkspruch einer der schwierigeren während meiner Zeit als Teamchef. Auch, weil wir wussten, dass Verstappen immer näher kam. Da bestand natürlich das Risiko, dass sich Max da noch einmischen würde.»

«Gewiss, was wir getan haben, hat in die Hände von Ferrari gespielt. Aber nochmals – Fairplay ist für uns wichtig, und das wird auch weiterhin gelten. Wenn eine Situation entsteht, wenn der eine Fahrer einen klaren Vorsprung auf den anderen hat, dann kommt vielleicht eine andere Entscheidung. Im Moment aber haben beide eine Chance auf den Titel, und das wollen wir niemandem wegnehmen.»

In der WM heisst es nun Sebastian Vettel (202 Punkte) vor Lewis Hamilton (188) und Valtteri Bottas (169).

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