Formel 1

Stallorder bei Mercedes: Geht Ferrari in Würde unter?

Von - 05.09.2018 18:29

​Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene hat nach dem Monza-GP festgehalten: «Wir beschäftigen Piloten, keine Butler.» Aber ein wenig Hilfe für Sebastian Vettel wäre dringend notwendig.

Wird Ferrari im WM-Duell gegen Mercedes-Benz in Würde untergehen? Stallorder ist derzeit in Maranello kein Thema, bei Mercedes wird das Thema ein wenig pragmatischer behandelt. Dabei ist die Ausgangslage in beiden Top-Teams gleich klar: Valtteri Bottas liegt in der Fahrer-WM 2018 mit 159:256 schon um 97 Punkte hinter Mercedes-Star Lewis Hamilton. Sebastian Vettel führt gegen seinen Stallgefährten Kimi Räikkönen mit 226:164. In Monza hat sich Bottas schon mal sehr klug in den Dienst seiner Mannschaft gestellt. Vor seinem eigenen, späten Reifenwechsel fuhr Bottas an der Spitze des Italien-GP schnell genug, um den hinter ihm fahrenden Kimi Räikkönen zu stören – aber langsam genug, um Hamilton hinter Kimi aufrücken zu lassen.

Was sagt Bottas zu einer klaren Stallorder, die unvermeidlich auf ihn zukommt? «Klar gehst du unter dieser Ausgangslage ein Wochenende anders an. Grundsätzlich haben beide Piloten bei Mercedes die gleiche Unterstützung. Doch ich weiss: Alles hängt von der jeweiligen Rennsituation ab. Ich vertraue dem Team, das es nichts allzu Schroffes machen würde. Ich muss die Freiheit nicht aufgeben, Rennen zu gewinnen. Aber wenn es darum geht, die Punktesituation von Lewis zu optimieren, dann wird sich das Team das gewiss anschauen.»

Wir haben in diesem Jahr schon einmal Stallorder erlebt bei Mercedes-Benz. In Hockenheim verschenkte Sebastian Vettel einen Sieg, als er in der Sachs-Kurve von der Bahn rutschte. Gegen Schluss des Rennens erhielt der aufrückende Bottas die Anweisung, hinter dem führenden Hamilton zu bleiben und so den Mercedes-Doppelsieg nicht zu gefährden.

Ferrari verzichtet auf eine Teamorder. Vettel macht gute Miene zum bösen Spiel, aber viele Fans finden – Ferrari verschenkt hier Möglichkeiten und Punkte. Mit einem klügeren Vorgehen hätte der vierfache Champion in Monza die Pole erobern müssen, vielleicht hätte der Grosse Preis von Italien einen ganz anderen Verlauf genommen.

Vettel zuckt nur mit den Schultern: «Ich erwarte keine Geschenke, die habe ich noch nie bekommen, also rechne ich auch nicht damit.»

Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene wurde immer wieder gefragt, warum die Teamorder nicht komme und reagierte leicht genervt. «Wir beschäftigen Piloten, keine Butler. Sogar wenn wir es gewollt hätten, wäre es unmöglich gewesen, das umzusetzen. Es ist sehr gefährlich und verrückt, sie am Start zu geben. Ich weiss, was wir zu tun haben.»

«Das Auto ist dem Mercedes nicht unterlegen, wir müssen nicht aufgeben. Es ist wichtig, die Daten zu analysieren und zu verstehen, was passiert ist. Der Rückstand in der Tabelle ist viel, aber wenn man nicht ins Ziel kommt, sind 25 Punkte weg. Die Zuverlässigkeit wird sehr wichtig und wir müssen fokussiert und ruhig bleiben.»

Mercedes-Teamchef Toto Wolff zum gleichen Thema: «Ich mag keine Stallorder, sie ist nicht cool, sie ist nicht gut für den Sport und für die Fahrer auch nicht. Lewis will nichts auf dem Silbertablett serviert bekommen, und Bottas will nichts preisgeben. Wir schauen uns das von Rennen zu Rennen an. Am Sonntagmorgen gehen wir jeweils verschiedene Szenarien durch. In Monza gab es keine Notwendigkeit dafür, schauen wir mal, was in Singapur passiert.»

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