Formel 1

Claire Williams über Saison 2019: «Budget gesichert»

Von - 13.09.2018 11:30

​Bei einer Sponsoren-Veranstaltung in Singapur geht Claire Williams offen mit den Finanznöten ihres Rennstalls um: «Es gibt viele Spekulationen über unsere finanzielle Lage. Aber unser Budget ist gesund.»

Sponsoren-Termin von Claire Williams in Singapur: Die 42jährige Engländerin tritt zusammen mit Acronis-CEO Serguei Beloussov vor Kameras und Mikrofone. Acronis hat seinen Hauptsitz in der Schweiz, wurde aber 2003 in Singapur von Beloussov gegründet, einem in Russland geborenen, seit Jahren in Singapur eingebürgerten Geschäftsmann. Die Firma hat sich auf Software für Datenspeicherung und Datenschutz spezialisiert.

Williams steht unter Druck. Vor Wochen ist Force India gerettet worden – von einer Gruppe von Investoren um Lawrence Stroll, des Vaters von Williams-Fahrer Lance Stroll. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Stroll und seine Millionen weiterziehen. Jacques Villeneuve, vor mehr als zwanzig Jahren letzter Weltmeister mit Williams, hielt im «Journal de Montréal» fest: «Nicht nur der Verlust von Lawrence Stroll, auch das Aus des Martini-Sponsorings ist wohl der letzte Sargnagel für Williams. Williams wird danach viele Einnahmen aus den TV-Rechten verlieren, weil sie am hinteren Ende des Feldes kämpfen. Selbst Bezahlfahrer werden dann ihr Geld nicht dort ausgeben wollen.»

Mit dem Schritt in die neue Turbo-Ära ging es bei Williams aufwärts: Der von Sir Frank Williams gegründete und von seiner Tochter Claire geleitete Rennstall errang 2014 und 2015 den dritten WM-Schlussrang. Es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis Williams erstmals seit 2012 wieder einen Grand Prix gewinnt, seit Pastor Maldonado in Barcelona. Doch dann holten die Gegner auf, der Bonus des besten Motors von Mercedes verblasste. Williams wurde 2016 und 2017 jeweils WM-Fünfter und konnte in beiden Jahren nur je einen Podestplatz einfahren. 2018 der Totalabsturz: Letzter WM-Platz, nur zwei Punktefahrt in vierzehn WM-Läufen, mit Lance Stroll als Achtem im Chaosrennen von Baku sowie Sergey Sirotkin auf Rang 10 in Monza.

Williams befindet sich in der grössten Krise, seit Frank Williams sich vom Formel-1-Hungerleider zum Weltmeister gemausert hat. Frank Williams hat dieses Team zum dritterfolgreichsten Rennstall hinter Ferrari und McLaren gemacht, mit neun Konstrukteurs-Pokalen und sieben Fahrer-WM Titeln. Aber die letzte Marken-WM wurde 1997 gewonnen, also vor mehr als zwanzig Jahren, im gleichen Jahr wurde letztmals ein Williams-Pilot Weltmeister, es war Jacques Villeneuve. Der gleiche Villeneuve ist noch immer in der Formel 1, als TV-Experte, und er erhielt bei Williams Hausverbot – weil sich der Kanadier erdreistet hat, Williams an den Karren zu fahren. Der elffache GP-Sieger findet: Der Fisch stinke vom Kopfe, Claire Williams sei einfach eine Fehlbesetzung auf dem Chefsessel.

Die angebliche Fehlbesetzung gibt sich kämpferisch. Bei der Veranstaltung mit Acronis wird Claire Williams auf die schwierige Finanzsituation angesprochen. Ein Aufpasser greift ein und will die Frage des asiatischen Kollegen abwürgen. Aber Claire Williams geht in die Offensive: «Nein, ich würde die Frage gerne beantworten. Wir sind an der Börse, unsere Zahlen liegen offen. Es gibt viele Spekulationen über die finanzielle Lage von Williams. Aber wir haben ein gesundes Budget, mit dem wir die Saison 2018 bestreiten, und wir werden auch im kommenden Jahr ein gesundes Budget haben.»

Williams gibt zu, dass der 2018er Renner vom Typ FW18 aerodynamisch verpatzt sei und dass auch andere Fehler gemacht worden seien. Ins Details geht die Britin dabei nicht. «Aber das hat uns ermöglicht, alles unter die Lupe nehmen zu müssen. Das hätten wir vielleicht nicht getan, würden wir auf WM-Rang 5 liegen.»

Gegenüber den Kollegen von Autosport gibt Williams zu, dass «wir von den Erfolgen 2014 und 2015 geblendet worden sind. Uns wurde nicht klar, dass wir Probleme haben. Aber die packen wir jetzt an.»

Klar geht die Krise von Williams an der Engländerin nicht spurlos vorbei, die im Oktober 2017 erstmals Mutter geworden ist. Gegenüber der Tageszeitung Sun sagte Claire: «Natürlich denke ich daran, alles hinzuschmeissen. Jeder würde das an meiner Stelle. Aber es geht nicht darum, ob ich mir das noch länger antun will. Es geht darum, dass ich mir die Frage stellen muss – bin ich für diesen Job die Richtige? Ich bin jedenfalls nicht am Punkt, an dem ich in den Spiegel gucke und das Problem sehe.»

«Wenn mich Menschen im Fahrerlager oder in den sozialen Netzwerken kritisieren, dann können sie das tun vom Morgen bis zum Abend. Aber wenn mir jemand bei Williams ins Gesicht sagt, dass ich diesem Rennstall Schaden zufüge, dann gehe ich.»

Seit 2013 hat Claire Williams diesen Posten inne, offiziell heisst ihr Job stellvertretende Teamchefin. Claire weiter: «Es ist demütigend. Wir treten jedes Wochenende an, im Geiste von Williams. Ich hatte vor einigen Monaten eine längere Diskussion mit Vater, und er hat mich mehr unterstützt als ich es erwartet hätte. Ich dachte, er würde etwas sagen wie: „Um Himmelswillen, was machst du eigentlich?“ Aber das hat er nicht. Er war überaus philosophisch und hat gemeint: „Claire, wir haben schon früher besch..... Zeiten, und wir haben das überwunden. Du musst weitermachen.“»

«Ich möchte Vater beeindrucken, denn er hat mir diesen Posten anvertraut. Ich will ihn nicht beschämen, ich will dieses Team nicht kaputtmachen. Das wäre grauenhaft.»

Während Claire Williams darüber nachdenkt, die Kooperation mit Mercedes zu vertiefen, sagt sie auch: «Wir werden nie ein B-Team eines anderen Rennstalls werden. Wir sind irrsinnig stolz darauf, was Williams in diesem Sport geleistet hat und schützen diese Position vehement. Wir haben uns die Unabhängigkeit hart erarbeitet. Viele Menschen haben in vierzig Jahren enorme Opfer erbracht, um Williams aufzubauen. Aber wenn es mögliche Wege der Zusammenarbeit gibt, dann werden wir sie uns anschauen. Denn wir wollen auch nicht zum Dinosaurier werden, zu einem einst machtvollen Wesen der Formel 1, das letztlich unterging, weil es sich nicht verändern und anpassen konnte.»

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