Formel 1

Ross Brawn: So aufregend wird die Formel 1 von 2021

Von - 14.09.2018 13:36

​Formel-1-Sportchef Ross Brawn: «Es spricht nichts dagegen, dass wir ab 2021 aufregend aussehende Rennautos haben. Es ärgert mich, wenn die Boliden in Videospielen besser aussehen als unsere.»

Ross Brawn hat sich da etwas Schönes eingebrockt – und das meine ich im wörtlichsten Sinne. Bei einer Vorlesung in Singapur für junge Menschen, die am Ingenieurswesen Interesse haben, hat der Formel-1-Sportchef Bilder gezeigt, wie die GP-Boliden der Zukunft aussehen könnten. Ross lacht: «Das war vielleicht ein wenig naiv von mir, denn kaum tauchte das Bild hinter mir auf, zückten die Fans natürlich sofort ihre Handys, und die Fotos gingen um die Welt.»

Aber wenn wir für den blitzgescheiten Ross ein Adjektiv suchen, dann würde uns bestimmt nicht als erstes Wort „naiv“ in den Sinn kommen. Für die neue Formel-1-Führung war das eine gute Gelegenheit zu sehen, welche Reaktionen das Konzept unter den Fans auslöst. Und diese Reaktionen sind mehrheitlich positiv.

Im Fahrerlager des Marina Bay Circuit von Singapur hat Ross Brawn ein wenig vertieft, wie er sich zusammen mit seinen Mitarbeitern das Formel-1-Autos des Jahres 2021 vorstellt. Generall sagt Ross: «Es ärgert mich, wenn ich finde, dass die Rennwagen in einem Videospiel besser aussehen als unsere heutigen. Gleichzeitig geht es nicht nur um aufregende aussehend Boliden. Es geht auch darum, dass die Renner in einer Art und Weise umgestaltet werden, dass die Piloten sich richtig gute Zweikämpfe liefern können.»

In Singapur hat Ross Brawn verschiedene Konzeptphasen vorgestellt (siehe unsere Bilder). «Die Ästhetik eines Rennautos ist wichtig für uns. Wir wollen, dass die Autos so aufregend sind, dass junge Menschen Poster davon an die Wände hängen. Wir haben auch immer wieder gehört, dass die Fans aufregendere Fahrzeuge wollen, und es ist wichtig, dass die GP-Anhänger wissen – wir hören ihnen zu. Formel-1-CEO Chase Carey und Geschäftsleiter Sean Bratches haben eine klare Vision: In ihrer Formel 1 soll der Kunde König sein. Das ist ganz elementar für den Erfolg der Formel 1.»

«Bei den Autos 2021 steht also im Hintergrund: Sie sollen aggressiv und toll aussehen. Und sie sollen aerodynamisch weniger anfällig sein als die heutigen Fahrzeuge. Mit zwei bis drei Wagenlängen Abstand muss der Verfolger heute nicht nur gegen verwirbelte Luft ankämpfen, sondern hat auch das Problem, dass in dieser „dirty air“ die Reifen ruiniert werden. Er wird also doppelt bestraft. Wir haben heute Autos, die rund die Hälfte Abtrieb verlieren, wenn sie hinter einem Gegner liegen. Unsere Konzepte zielen darauf, dass nur noch 20 Prozent Abtriebsverlust entstehen. Dazu gehört auch, dass bei einem Teil der Konzepte gewisse Verkleidungen der Räder zu erkennen sind. Sie sollen die Luftverwirbelungen eindämmen. Auf den Bildern sind auch die neuen, grösseren Räder zu sehen, die 2021 kommen. Ich finde, sie lassen die Autos moderner aussehen.»

Brawn sagt: «Das ist jedoch nicht der erste Schritt, die Räder zu umschliessen oder gar einzuschliessen. Formel-1-Renner sollen freistehende Räder behalten, das gehört zur DNA der Grand-Prix-Rennwagen. Das ist kein Schritt, der in Richtung Sicherheit geht, also dass Unfälle verhindert werden, wenn Räder aufeinandertreffen. Dazu müssten solche Verkleidungen strukturell sehr stark sein. IndyCar hat das mal versucht, ist aber wieder davon abgekommen. Bei uns geht es lediglich um den aerodynamischen Aspekt.»

«Wir haben die ganzen Designs den Teams zur Verfügung gestellt, und alle zehn Rennställe haben uns Daten zurückgegeben, wir sprechen hier also von einer echten Zusammenarbeit. Wir pflegen auch engen Kontakt zur IndyCar-Szene, um von Erfahrungen in den USA zu profitieren. Ein Beispiel: Die Fahrer in Amerika berichten, die neue Modellgeneration mit weniger Abtrieb erlaube besseren Sport auf herkömmlichen Rennställen. Im Oval ist das ein wenig kniffliger, aber dieses Problem haben wir nicht.»

«Unsere Aufgabe wird es nun sein, bis Ende 2019 ein Reglement für 2021 zu haben. Das schenkt den Rennställen reichlich Vorlaufzeit. Wir wollen das Reglement nicht zu knapp präsentieren. Denn das würde den grösseren Rennställen einen Vorteil geben, weil sie über mehr Ressourcen verfügen.»

«Wie gesagt haben wir die ganzen Daten den Rennställen gegeben, und sie kommen in den Berechnungen zu den gleichen Ergebnissen wie wir. Wir erhalten auch viel Feedback in Sachen Ästhetik. Da kommen Vorschläge, die wir selber gut finden und die ins endgültige Design einfliessen können.»

Ross Brawn lässt noch offen, ob es in der Formel 1 des Jahres 2021 einen verstellbaren Heckflügel geben wird (drag reduction system, DRS). «Ich sah das immer als Heftpflaster für einen Beinbruch. Ich bin kein Freund von DRS. Ich finde, wir sollten Autos haben, mit welchen Angriffe möglich sind ohne DRS. Aber es ist gut, das in der Hinterhand zu haben.»

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