Formel 1

Mercedes, Renault, Ocon: Versteckte Pläne und Lügen

Von - 16.12.2018 13:56

​SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Renault musste sich im Falle Esteban Ocon den Vorwurf gefallen lassen, Wortbrecher zu sein. So setzen sich die Franzosen zur Wehr.

In loser Reihenfolge gehen wir in Form von «SPEEDWEEKipedia» auf Fragen unserer Leser ein. Dieses Mal will Marianne Schmehling aus Hamburg wissen: «Es bestand doch der Plan, dass Mercedes-Schützling Esteban Ocon 2019 in einem Renault sitzt. Dann verpflichteten die Franzosen Knall auf Fall Daniel Ricciardo. Wenn ich mich richtig erinnere, hat das damals Mercedes-Teamchef Toto Wolff tüchtig auf die Palmer gebracht. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, wie sich die Franzosen aus ihrer misslichen Situation herausgeredet haben. Wisst Ihr da mehr?»

Tatsächlich war Mercedes-Teamchef Toto Wolff im Hochsommer stinksauer wegen Renault. Der 46jährige Wiener hat den Franzosen schwere Vorwürfe gemacht, weil die Franzosen in der Personalie Esteban Ocon seiner Ansicht zufolge nicht zu ihrem Versprechen standen. Es galt als beschlossene Sache, dass Mercedes-Junior Ocon zwei Jahre lang bei Renault ausgebildet werden würde, 2019 und 2020. Aber dann erhielt Renault-Teamchef Cyril Abiteboul die Möglichkeit, Daniel Ricciardo unter Vertrag zu nehmen, und der Pariser liess sich nicht zwei Mal bitten. Ohne das Wort Renault in den Mund nehmen zu müssen, gab es dafür vom Mercedes-Teamchef eine schallende Ohrfeige: «Was in diesem Jahr im Juli und August abging, ist einfach unglaublich. Da lief so viel Politik im Hintergrund ab, alles versteckte Interessen und Lügen. Und am Ende werden nicht alle Talente ein Auto für 2019 finden, wahrscheinlich wird Esteban einer von ihnen sein. Im Juli lagen Ocon zwei Angebote auf dem Tisch, und es ging nur darum, herauszufinden, welches der richtige für ihn ist. Nun steht er ohne Vertrag da und das liegt einzig und allein an der Tatsache, dass gewisse Leute nicht den Mumm hatten, zu ihrem Wort zu stehen. Das war nicht so, wie man sich im ordentlichen Geschäftsleben verhält.»

Es war die Rede von einem Handschlagabkommen mit Renault, von einer Abmachung unter Gentlemen. Nur: Toto Wolff ist normalerweise klug genug zu wissen, dass die echten Gentlemen in der Formel 1 mit der Generation der Herrenfahrer ausgestorben sind.

Renault-Teamchef Cyril Abiteboul (41) liess ein wenig Gras über die Sache wachsen, aber im Herbst wurde er von Journalisten nochmals auf den Fall Ocon angesprochen – als sich herauskritallisierte, dass Wolff leider Recht behalten würde. Für den hochbegabten Esteban gab es kein Auto.

Abiteboul nahm in einer seiner Medienrunden zu den Vorwürfen wie folgt Stellung. «Vielleicht zum ersten Mal in seiner Zeit in der Formel 1 laufen die Dinge für Toto Wolff nicht so, wie er es gerne hätte», meinte der Pariser mit einer Prise Ironie in der Stimme. «Ich kann nur beteuern, dass nie ein Vertrag unterschrieben worden ist. Sonst hätte Toto gewiss darauf gepocht. Ich bin nicht der Ansicht, dass die Verantwortung von Renault in dieser Sache übertrieben werden sollte.»

«Es ist korrekt, dass wir an Esteban grosses Interesse hatten. Ich habe das auch nie bestritten. Aber leider fand sich Ocon inmitten sehr gegensätzlicher Interessen. Und Renault war dabei nur ein kleiner Faktor. Wir sollten nicht vergessen, welche Rolle Mercedes bei der Situation von Force India gespielt hat.»

Was der Franzose meint: Force India wurde unter Gläubigerschutz gestellt, das rettete den Rennstall vor dem Untergang, brachte aber auch den kanadischen Unternehmer Lawrence Stroll ins Spiel – und der wollte als neuer Mitbesitzer des Teams aus Silverstone natürlich seinen Sohn Lance im Wagen sehen, nicht Esteban Ocon.

Esteban Ocon wird sich 2019 mit der Reservisten-Rolle beim Weltmeisterteam Mercedes-Benz begnügen müssen. Als Test- und Ersatzfahrer wird er viel Zeit im Simulator verbringen, wie Teamchef Wolff beim WM-Finale von Abu Dhabi verriet.

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