Formel 1

Franz Tost (Toro Rosso): Honda jagt Mercedes/Ferrari

Von - 20.12.2018 07:47

​Die Scuderia Toro Rosso ist 2018 erstmals mit Honda-Motoren angetreten. Teamchef Franz Tost spricht über seine Erfahrungen mit den Japanern und zieht nach einer durchzogenen Saison Bilanz.

Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost sagt im vergangenen Winter über die Ziele für die Saison 2018: «Wir haben grosse Pläne mit Honda, auch mittel- und langfristig. Ich sage immer – die ersten drei Ränge mit den Top-Teams sind in der Konstrukteurs-WM weg, aber dahinter ist im dichten Mittelfeld im Kampf um Rang 4 alles möglich. Wir wollen uns im vorderen Mittelfeld einnisten.» Das hat nicht ganz geklappt: Der Rennstall aus Faenza ist WM-Neunter geworden. Wir haben mit Franz Tost in den Rückspiegel geschaut.

Franz, nach Cosworth, Ferrari und Renault arbeitete die Scuderia Toro Rosso 2018 erstmals mit Honda. Wie lautet dein Fazit des ersten Jahres mit den Japanern?

Die Zusammenarbeit mit Honda funktionierte von Anfang an bestens. Uns war klar, dass 2018 ein Entwicklungsjahr auf dem Programm stand. Toro Rosso war erstmals voll in die verschiedenen Prozesse der Antriebseinheits-Entwicklung integriert. Wir konnten einiges an Input am Management der so genannten «power unit» und an der Fahrbarkeit beisteuern. Der von Honda am Beginn des Jahres definierte Entwicklungsplan wurde eingehalten, und wir sind optimistisch für die nächsten Jahre.  

Honda hat in Sachen Leistung 2018 zugelegt, Probleme mit der Standfestigkeit sind geblieben. Die Einschätzung im Fahrerlager: Toro Rosso war rollendes Labor für Honda, um Red Bull Racing und euch 2019 einen besseren Motor zu stellen. Wie offen sind die Japaner mit dieser Vorgehensweise umgegangen?

Honda hat sowohl die Standfestigkeit, als auch die Leistung der Antriebseinheit merklich verbessert. Wie bereits erwähnt, war 2018 für Toro Rosso und Honda ein Entwicklungsjahr, man kann auch sagen, wir waren Versuchskaninchen. Gewinnt Red Bull Racing mit Honda, ist die Rechnung voll aufgegangen. 

Es liegt auf der Hand: Die gleiche Antriebseinheit bei Red Bull Racing und Toro Rosso, das eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Kannst du dem Leser erklären, was gemessen an 2018 alles anders wird?

Da Red Bull Racing und Toro Rosso die Honda-Antriebseinheit einsetzen, ergeben sich viele Synergien. Toro Rosso wird die Getriebeeinheit von RBR, die komplette hintere Radaufhängung sowie Elemente der Vorderradaufhängung und andere Teile einsetzen. Wir sparen dadurch Ressourcen und erwarten uns eine Steigerung der Leistungsfähigkeit.  

Welche Eindrücke hast du gewonnen, was den 2019er Motor von Honda angeht?

Die Leistung betreffend hat Honda den Abstand zu Mercedes und Ferrari reduziert. Treten bei den nächsten Entwicklungsphasen keine gravierenden Probleme auf, wird Honda die Lücke während der Saison 2019 ganz schliessen.

Erst Mitte September 2017 klar, dass ihr 2018 mit Honda-Motoren fahren werdet. Der Wechsel von Renault zu Honda kam also spät. In diesem Jahr wusstet ihr, dass der Motorpartner bleibt. Wie hat das die Arbeit fürs nächstjährige Auto beeinflusst?

Wir konnten uns wesentlich früher auf die optimale Integration der Power-Unit mit all den Aggregaten und Elektronik-Boxen sowie den Kühlern konzentrieren. Das sollte sich positiv auf die Leistungsfähigkeit des Autos auswirken.  

Wie geht der strukturelle und personelle Ausbau der Scuderia Toro Rosso voran? Wo stehen wir da?

Es gab einige Umstrukturierungsmassnahmen, vor allem in der Aerodynamik-Abteilung, aber auch in anderen Departments. Wie sich das auswirkt, werden wir an der Wettbewerbsfähigkeit des STR14 sehen.

Es war eine Saison mit Wellenbewegungen. Rang 4 in Bahrain und Platz 7 in Monaco mit Pierre Gasly als Highlights der ersten sieben Rennen, dann eine Flaute mit vier Nullrunden, es folgten drei Punktefahrten in Serie in Deutschland, Ungarn und Belgien, dann wieder vier Nullnummern, zuletzt die Ränge 9 und 10 in Texas und Mexiko. Sind diese Bewegungen eine statistische Anomalie oder gibt es dafür tiefer reichende Gründe?

Wir waren mit der Leistungsfähigkeit des STR13 in mittelschnellen und schnellen Passagen nicht zufrieden. Deshalb auch die Umstrukturierungsmassnahmen.

Wie sieht es beim 2019er Toro Rosso-Renner in Sachen Fire-up, Präsentation und Roll-out aus?

Geplant ist das Roll-out für Woche 7. Die Präsentation betreffend diskutieren wir gerade verschiedene Szenarien.

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Franz Tost mit Honda-Rennchef Masashi Yamamoto (links) und F1-Projektleiter Toyoharu Tanabe © LAT Franz Tost mit Honda-Rennchef Masashi Yamamoto (links) und F1-Projektleiter Toyoharu Tanabe Pierre Gasly (vorne) in Monaco: Toro Rosso soll sich im vorderen Mittelfeld einnisten © LAT Pierre Gasly (vorne) in Monaco: Toro Rosso soll sich im vorderen Mittelfeld einnisten

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