Formel 1

Ferrari-Insider: Leclerc wird kein Butler von Vettel

Von - 05.02.2019 17:35

​Ron Dennis holte 2007 Fernando Alonso zu McLaren – und den hungrigen Lewis Hamilton. Die Fahrer versemmelten prompt den WM-Titel. Kann das mit Sebastian Vettel und Charles Leclerc auch passieren?

Das Formel-1-Debüt von Lewis Hamilton war 2007 nichts weniger als sensationell: Beinahe hätte der Engländer das Kunststück geschafft, bereits in seiner ersten Saison Weltmeister zu werden. Nicht geklappt hat das wegen mangelnder Strategie bei McLaren – der damalige Teamchef Ron Dennis liess Weltmeister Fernando Alonso und den jungen Hamilton so lange aufeinander losgehen, bis Kimi Räikkönen «grazie» sagte und beim Finale von Interlagos den WM-Titel für Ferrari abstaubte. Der WM-Ausgang zwischen diesen drei Piloten ist der knappste der Formel-1-Historie: Kimi Räikkönen wurde Weltmeister mit 110 Punkten, dahinter die McLaren-Fahrer Hamilton und Alonso mit je 109.

Einhellige Meinung im Fahrerlager: Schön blöd von Ron Dennis. Hätte er seinen jungen Löwen Hamilton etwas gezähmt und mehr auf die Karte Alonso gesetzt, wäre dem Spanier der dritte Titel in Serie gelungen. So aber setzte er sich nach einem Jahr enttäuscht aus England ab und ging zu Renault zurück. Über den Umweg Ferrari fand er doch noch einmal den Weg zu McLaren, Lewis Hamilton war da selber längst weg – als Weltmeister 2008 zog er zur Saison 2013 hin zu Mercedes-Benz und holte vier weitere Titel.

Macht Ferrari in der kommenden Saison den gleichen Fehler wie damals McLaren? Wird der junge Monegasse Charles Leclerc so lange freie Fahrt erhalten, bis sich eine Titelchance von Vettel in Luft auflöst? Das ist durchaus kein weltfremdes Szenario.

Massimo Rivola arbeitete zwanzig Jahre lang als Sportchef von Minardi, Toro Rosso und Ferrari. Dann hat er das Ferrari-Nachwuchsförderprogramm «Ferrari Academy» geleitet, aber er sah seine Aufgabe als erfüllt an: Der junge Charles Leclerc ist 2019 Werksfahrer an der Seite von Sebastian Vettel, Antonio Giovinazzi nimmt seine erste volle GP-Saison mit Sauber, pardon, mit Alfa Romeo in Angriff, als erster Italiener seit Tonio Liuzzi und Jarno Trulli 2011, die damals in Diensten von HRT und Lotus standen. Es war auch von Spannungen zwischen Rivola und Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene die Rede. So oder so setzte sich der ruhige Rivola zu Aprilia ab, um dort CEO des Motorrad-Rennstalls zu werden.

Zu kommenden Formel-1-Saison mit den Hauptdarstellern Sebastian Vettel und Lewis Hamilton meint Rivola in der neuen Autosprint: «Es wird erneut eine Fehde zwischen Ferrari und Mercedes geben, das Pendel kann wie 2018 je nach Streckencharakteristik hin- und herschwingen. Ich bin der Ansicht, dass Ferrari schon in der vergangenen Saison alle Karten in der Hand hatte, um Weltmeister zu werden. Aber Mercedes hat zwei Vorteile: Erstens muss dieses Team rein gar nichts mehr beweisen, sie können ganz entspannt ins Titelrennen gehen. Zweitens haben sie einen klaren Referenzpunkt, und der heisst Lewis Hamilton. Er ist der Mann für das Aussergewöhnliche, auf ihn müssen sie auch weiterhin setzen.»

«Was nun Ferrari angeht: Ich glaube fest daran, dass sie ein siegfähiges Auto bauen. Sie haben zudem mit Sebastian Vettel einen guten Piloten, der 2018 wegen eigener Fehler eine Gelegenheit verpasst hat. Hockenheim war vielleicht kennzeichnend für die Saison, Monza auch. Jetzt der Unterschied: Vettel hat mit Charles Leclerc einen Stallgefährten, der theoretisch das Team destabilisieren kann. Alles wird davon abhängen, welche Regeln Ferrari aufstellt und wie sich die ersten Grands Prix der Saison entwickeln.»

«So wie ich Charles kenne, ist er nicht zu Ferrari gegangen, um dort den Butler zu spielen. Sebastian Vettel hat sich jeden seiner vier Titel hart erkämpft. Aber er hat sich 2018 einige Fehler erlaubt, die entscheidend waren beim WM-Duell. Das bringt ihn in eine heikle Lage, zumal er Ferrari eine schöne Stange Geld kostet.»

«Leclerc wiederum hat noch keine Erfahrung damit, wie es ist, einen Ferrari im Rennen zu bewegen. Da gibt es für ihn viele unbekannte Aspekte, mal sehen, wie sich das auswirkt. Der Druck wird gewaltig, aber ich schätze, er kann damit umgehen. Wenn Ferrari da eine gewisse Schutzfunktion übernimmt, sehe ich kein Problem. Charles ist ein frühreifes Kerlchen, das mental überaus stark ist. Aber frühzeitig flügge zu werden, macht sich bisweilen negativ bemerkbar. Keiner kann immer beim ersten Mal gleich gewinnen. Er ist es aus den Nachwuchsserien gewöhnt, mit guten Autos genau das zu tun. Es wird interessant sein zu beobachten, wie er damit umgeht, wenn ihm dies mit Ferrari nicht sogleich gelingt.»

Zurück zu Hamilton und Alonso: Glaubt Massimo Rivola, dass wir eine Wiederholung der Situation erleben, wenn Leclerc sich neben Vettel behaupten will? Der Italiener antwortet: «Das ist ein sehr treffendes Beispiel, und daher sage ich voraus, dass Ferrari mit dieser Situation klüger umgeht. Ron Dennis schlug sich klar auf die Seite von Hamilton, Alonso konnte sich nicht voll entfalten, das Ergebnis war klar – Kimi Räikkönen wurde Champoion. Gerade weil Ferrari dies aus nächster Nähe beobachtet hat, gehe ich davon aus, dass sie ihre Piloten weiser führen.»

Kann Red Bull Racing-Honda sich in den Titelkampf einmischen? Massimo Rivola: «Die werden erneut einen Superjob machen und in Sachen Aerodynamik der Massstab sein. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie schon bereit sind für einen weiteren Titel.»

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Charles Leclerc und Sebastian Vettel © LAT Charles Leclerc und Sebastian Vettel Leclerc in Abu Dhabi 2017 mit Massimo Rivola (Mitte) und dem damaligen Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene © LAT Leclerc in Abu Dhabi 2017 mit Massimo Rivola (Mitte) und dem damaligen Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene

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