Formel 1

Günther Steiner zu Brexit: «Können schnell umziehen»

Von - 25.02.2019 17:30

Den GP-Teams aus Grossbritannien bereitet der drohende «harte» Brexit Sorgen. Für den Rennstall von Gene Haas, der von England aus operiert, ist die Situation aber nicht bedrohlich, wie Teamchef Günther Steiner betont.

Grossbritannien hat sich mit dem Ausstieg aus der Europäischen Union in eine sehr schwierige Lage gebracht. Was am 23. Juni 2016 von einer sehr, sehr knappen Mehrheit (51,89 Prozent) der Wähler beschlossen wurde, mausert sich immer mehr zum Debakel. Denn das Austrittsabkommen, das von der Regierung in langwierigen und kostspieligen Verhandlungen zusammengeschustert wurde, findet vor dem Parlament keine Zustimmung.

Den Politikern geht bei der Suche nach einem mehrheitsfähigen Kompromiss die Zeit aus, denn der Ausstieg wird am 29. März 2019 rechtskräftig – mit oder ohne Rahmenabkommen. Kommt es zu einem sogenannten «harten» Brexit, also einem unkontrollierten Ausstieg, bleiben viele Fragen, etwa zur Regelung von Grenzübertritten, offen. Und das betrifft nicht nur die Briten und die EU-Bürger, die in Grossbritannien eine neue Heimat gefunden haben, sondern auch die Unternehmen, die von England aus international operieren.

In diese Kategorie fallen auch die vielen GP-Rennställe, die in England zuhause sind. Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff warnte denn auch unlängst: «Brexit ist ein erheblicher Anlass zur Sorge. Und er sollte das für alle sein, die in Grossbritannien leben oder arbeiten. Wir sind ein Formel-1-Team, das zu 21 Rennen reist, dazu kommen die Tests. Wir bewegen uns also ständig über die Grenze. Verzögerungen an der Grenze würde die Industrie namens Formel 1 in Grossbritannien nachhaltig schädigen.»

«Unser Team ist ein internationales Team. Wir sind eine deutsche Marke mit mehreren Werken in Grossbritannien, wir haben Fachkräfte aus 26 Nationen bei uns. Und jetzt schwebt über allem diese Ungewissheit», klagte der Wiener, der zum Schluss kommt: «Brexit ist der Inbegriff von Chaos.»

Man habe zwar Notfallpläne, die etwa die Anschaffung grösserer Vorräte vorsehen. Dennoch sei das Problem der Grenzbewegungen damit noch nicht aus der Welt geschafft. «Da hätten Ferrari und Toro Rosso in Italien und Alfa Romeo-Sauber in der Schweiz einen massiven Vorteil», ist sich Wolff sicher.

Für Haas-Teamchef Günther Steiner ist der drohende harte Brexit dennoch kein Grund zur Sorge – obwohl auch seine Mannschaft von England aus operiert. Der Südtiroler erklärte gegenüber der Zeitung «Ekstra Bladet»: «Wir bleiben wachsam und schauen, ob wir reagieren müssen. Aber wir geben kein Geld dafür aus. Wir sind ein kleines Team. Wenn ein Rennstall schnell umziehen kann, dann sind wir es. Wir packen einfach unsere Sachen und ziehen in ein anderes Land.»

«Noch ist aber nichts entschieden», beschwichtigte Steiner, dessen Team enge Partnerschaften mit den in Italien beheimateten Partnern Dallara und Ferrari pflegt. «Und wir fällen keine irrationalen Entscheidungen. Die grossen Teams haben sehr viel umfangreichere Investitionen als wir getätigt. Wir werden also erst einmal abwarten und dann schauen, wie wir darauf reagieren.»

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