Formel 1

Dr. Helmut Marko: Kein MotoGP-Test für Max Verstappen

Von - 14.06.2019 07:55

Red Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko kritisiert die Formel-1-Entscheidungsfindung und führt als positives Beispiel die MotoGP an. Er verrät auch, warum ein MotoGP-Test für Max Verstappen nicht in Frage kommt.

Nachdem das erste Saisondrittel in der Formel 1 ausschliesslich Mercedes-Triumphe hervorgebracht hat, werden die kritischen Stimmen hinsichtlich der diesjährigen Pirelli-Reifen immer lauter. Die Italiener haben für diese Saison eine steifere Konstruktion und eine um 0,4 mm dünnere Lauffläche eingeführt. Das freut die Mercedes-Ingenieure, denn seitdem überhitzen die Reifen am Silberpfeil nicht mehr.

Die Konkurrenz tut sich dagegen schwer mit den 2019er-Reifen, was zu immer mehr Unmut führt. Man habe mittlerweile eine Reifenfenster-WM, klagte etwa Haas-Teamchef Günther Steiner. Und auch Red Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko findet klare Worte, wenn es um die Formel-1-Reifen geht. Es dürfe nicht sein, dass der Reifen alles entscheide, betont der Grazer. Und er übt im SPEEDWEEK.com-Interview auch deutliche Kritik am Entscheidungsfindungsprozess der Formel 1.

Helmut, Pirelli entgegnet auf die Kritik, man habe im Winter bei den Tests 20 Mischungen verteilt und man habe keine Beschwerden gehört. Aber in Barcelona war es saukalt. Wieso wird immer noch dort getestet, wenn es keinen Sinn macht?


Richtig. Es gibt so viele Sachen, über die man diskutieren sollte.


Hat Red Bull mit zwei Teams keinen Einfluss auf die Auswahl der Teststrecken?

Ja, das ist eh diskutiert worden. Dann wurde in Bahrein getestet, das war zu teuer, vor allem mit den Ersatzteil-Zulieferung. Jerez hat aus einem anderen Grund nicht geklappt. Die Krux ist, dass du immer zehn Teams befragen musst. So wirst du nie auf einen einheitlichen Nenner kommen. Und was vollkommen falsch ist: Die Teams achten auf ihren Vorteil. Das ist aus ihrer Sicht legitim. In der MotoGP hast du mit Carmelo Ezpeleta einen Verantwortlichen, der schaut auf den Sport, der schaut auf die Fans, der schaut auf die Kosten. Und der Erfolg gibt ihm recht.

Ezpeleta hat Bernie Ecclestone aufmerksam beobachtet, das Sinnvolle kopiert und dessen Fehler weggelassen.

Richtig. Und der Motorrad-Weltverband…

... die FIM wurde 1992 mit Hilfe von Ecclestone völlig entmachtet. Sie führt nur noch die Siegerehrungen durch.

So soll es sein.

Dorna-Chef Ezpeleta lässt die Werke bei den technischen Vorschriften Vorschläge machen. Wenn sie keine Einigkeit erzielen, bespricht er sich mit seinen Beratern – und spricht ein Machtwort. So hat er zum Beispiel die Einheits-Elektronik gegen Honda durchgesetzt.

Ja, und wo hast du zum letzten Mal ein Formel-1-Rennen erlebt, in dem in der letzten Runde in der letzten Kurve noch vier Fahrer um den Sieg gekämpft haben, von denen jeder gewinnen hätte können, wie es vor zehn Tagen in Mugello der Fall war? Das wollen die Zuschauer sehen. Deshalb habe ich den Missstand bei den Reifen aufgezeigt. Mit relativ einfachen Mitteln könnte man mit einem anderen Reifentyp den Formel-1-Sport wieder viel näher zusammenbringen.

Es ist kein Wunder, wenn alle Formel-1-Piloten heute begeistert MotoGP schauen und so eine Maschine fahren wollen. Bei Max Verstappen habe ich das untersagt. Denn er ist noch zu unvernünftig, um das machen zu können.

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