Formel 1

Ferrari: Leclerc & Vettel – vergeben, nicht vergessen

Von - 10.09.2019 08:07

​Die Flitterwochen sind vorbei zwischen Sebastian Vettel und Leclerc. Der Monegasse liess Seb im Training eiskalt ins Leere laufen. Von Mattia Binotto wurde ihm vergeben. Aber Vettel wird das nicht vergessen.

Solch einen Funkspruch hören wir selten in der Formel 1: «Sei perdonato», sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto zu Charles Leclerc, als der Monegasse nach seinem zweiten GP-Sieg in Folge Richtung Parc fermé rollte. Es sei dir vergeben.

In seiner Medienrunde erklärte Binotto später, worauf er sich bezog: «Ich wollte damit sagen – was immer in den vergangenen Tagen vorgefallen ist, was immer wir diskutiert haben, das ist nun vorbei.»

Klar lag die Folgefrage auf der Hand, um was es bei diesem Gespräch denn ging, aber die wurde von Binotto abgeschmettert: «Das bleibt zwischen uns drei.»

Diese Drei waren Binotto, Leclerc und Sebastia Vettel, und nach dem Abschlusstraining zum Grossen Preis von Italien gab es viel Gesprächsbedarf. Denn die Flitterwochen zwischen Vettel und Leclerc sind vorbei, das hat spätestens Monza bewiesen – Charles liess den vierfachen Formel-1-Champion in der Quali eiskalt ins Leere laufen.

Der Plan am Samstag bestand darin, dass Leclerc seinem erfahrenen Stallgefährten einen Windschatten spenden sollte. Vettel meinte: «Wir wollten uns abwechseln, ich gab ihm zu Beginn des dritten Quali-Segements einen Windschatten, später wollten wir das umdrehen.»

Aber dazu kam es nicht: Leclerc gondelte während der Aufwärmrunde hinter Vettel herum, wurde mehrfach angewiesen, sich vor Sebsatian zu platzieren, das tat er jedoch erst vor der Parabolica. Ergebnis: Beide Ferrari fuhren zu spät über die Ziellinie, Leclerc behielt seine Pole, aber Vettel konnte sich nicht mehr verbessern. Seb nach der Quali über seinen Gemütszustand: «Nicht glücklich.»

Aus dem Dunstkreis von Ferrari war zu hören: Das gab tüchtig Ärger. Binotto machte dem ehrgeizigen Leclerc klar – das Team geht vor, und Charles hatte sich in dieser Situation als Stürmer-Diva erwiesen, nicht als Mannschaftsspieler, um einen Moment im Fussballjargon zu verweilen.

Welche Auswirkungen hat das? Binotto versucht, die Wogen zu glätten: «Gar keine. Solche Dinge werden intern ausdiskutiert, vielleicht haben wir dabei unterschiedliche Ansichten, und jeder konnte sehen – das Ergebnis war ein wenig seltsam. Aber dann blicken wir nach vorne. Ich sage nicht, dass so etwas nie wieder vorkommt. Aber das war eine Situation, aus welcher wir etwas lernen müssen.»

Ein wahres Wort. Sebastian Vettel wird gelernt haben: Wenn es hart auf hart geht, schaut Charles zunächst mal für Leclerc.

Binotto mag dem zweifachen GP-Sieger vergeben haben. Vergessen hat das Vettel aber bestimmt nicht.

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