Formel 1

Newey: Neuer Blick auf Senna-Todesunfall

Von - 17.05.2011 10:50

Der britische Designer hält einen Plattfuss am Williams-Renault für die wahrscheinlichste Ursache des tödlichen Unfalls von Ayrton Senna 1994 in Imola.

Manchmal sieht man diesen schüchternen Mann, wie er Autogramme schreibt, mit seinem Aktenkoffer im Fahrerlager seinen Platz ansteuert oder sich mit Fans lächelnd zum Foto hinstellt – wozu er sich nie aufdrängen würde.

Was aber hinter der hohen Stirn von Adrian Newey so vor sich geht, würde die meisten gerne wissen und ahnen offenbar die wenigsten. Jetzt hat der britische Konstrukteurs-Genius einen Einblick in seine Gedanken zugelassen.

Der Red-Bull-Racing-Designer glaubt an einen Plattfuss als Unfallursache zu dem tödlichen Unfall von Ayrton Senna 1994 in Imola (GP San Marino).

Newey war damals verantwortlich für das Design des Williams-Renault FW16, in dem die brasilianische Legende in der Tamburello-Kurve fast geradeaus in die Betonwand am Wegrand einschlug.

Newey berichtet im britischen «Guardian»: «Mir fiel danach das wenige Haar aus, das ich bis dahin noch hatte. Es war eine verzehrende Zeit. (Williams-Technikchef) Patrick Head und ich fragten uns, ob wir im GP-Sport bleiben sollten – in dem Menschen in den von uns konstruierten Fahrzeugen ums Leben kamen?»

«Niemals werden wir genau wissen, was geschah. Ohne Frage brach die Lenksäule. Und die grosse Frage war, warum? Sie hatte Ermüdungsrisse und wäre irgendwann sicher gebrochen. Ohne Frage war sie armselig konstruiert.»

Und ohne Frage hat die italienische Untersuchungskommission die amateurhaft gearbeitete und gebrochene Lenksäule mit 99-prozentiger Sicherheit als Unfallursache bezeichnet. Trotzdem sagt Newey: «Mit grösstmöglicher Wahrscheinlichkeit ist das Auto nicht wegen der gebrochenen Lenksäule von der Strasse abgekommen. Der rechte Hinterreifen hat vermutlich wegen Wrackteilen (die er überfahren hatte) Luft verloren. Wenn ich eine Unfallursache benennen müsste, dann diesen Plattfuss.»

Aber frühe Inboard-Bilder zeigten, dass Senna vergeblich versuchte, zu lenken. Falls ein initialer Plattfuss ihn bei 280 km/h vom Weg abkommen liess, hätte er sich mit einer intakten Lenkung in einen günstigeren Aufprallwinkel hineinmanövrieren können, was sicher Ayrtons erste Absicht war.

Falls Newey also mit seiner Plattfuss-Theorie richtig liegt, dann wäre diese die Unfall-Ursache. Doch das, was Senna das Leben gekostet hat, war der Aufprallwinkel – und damit die nicht funktionierende Lenkung.
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