Formel 1

Caterham: Was passiert wirklich mit dem Fan-Geld?

Von - 08.11.2014 12:00

Gut ein Fünftel des Caterham-Einsatzes in Abu Dhabi ist von den Fans finanziert. Aber was passiert eigentlich, wenn die umstrittene Aktion letztlich doch scheitern sollte?

Die Fan-Aktion der Caterham-Insolvenzverwalter ist im Fahrerlager von Interlagos äusserst umstritten. Tenor der meisten Insider: Ein System ist krank, wenn die Fans dafür bezahlen müssen, dass ein Rennstall zu einem Rennen antreten kann. Schlecht angelaufen ist die Aktion nicht: Nach nicht einmal einem Tag sind 18 Prozent der Mittel für den Ausflug zum WM-Finale gefunden, 961 Fans haben sich mit einem Betrag von mindestens 10 Pfund beteiligt.

Zahlreiche der angebotenen Artikel sind bereits vergriffen (Handschuhe, Rennstiefel, Luftleit-Elemente, Front- und Heckflügel), doch viele weitere sind noch zu haben. Mehr finden Sie auf http://www.crowdcube.com/caterham/

An der Seriösität der beteiligten Firma Crowdcube zweifelt keiner: die Briten haben beispielsweise für die Regenwaldhalle «Eden Project» in nur 24 Stunden 1,5 Mio Pfund gesammelt. Seit 2011 hat Crowdcube für insgesamt 150 Projekte mehr als 45 Mio Pfund angehäuft.

Natürlich will jeder an der Rennstrecke von Interlagos, dass der Rennstall Caterham überleben kann. Der Kollaps von Marussia mit 200 Fachkräften, die ihren Job verlieren, ist schon dramatisch genug. Aber es drängt sich auch der Verdacht auf, dass hier Insolvenzverwalter Finbarr O’Connell (der sich in einer Medienmitteilung selber «Übergangs-Teamchef» nennt) mit seinem Arbeitgeber Smith & Williamson vor allem in eigener Sache Werbung macht. Denn – welch ein Zufall! – Smith & Williamson betreut als Buchprüfer auch die Firma Crowdfund. Das hat durchaus «ein G’schmäckle», wie die Süddeutschen sagen würden.

Die Frist, um 2,35 Mio Pfund (rund 3 Mio Euro) zu finden, die angeblich vonnöten sind, um den Caterham-Einsatz in Abu Dhabi zu finanzieren, läuft am kommenden Freitag, 14. November ab.

Finbarr O’Connell sagt: «Wir fanden, Crowdfunding sei der einfallsreichste und effektivste Weg, um unser Ziel zu erreichen, dass Caterham in Arabien wieder fahren kann.»

Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner bei der britischen Sky: «Dieses Konzept ist grundfalsch und dürfte gar nicht erlaubt werden. Wie könnte ich es gutheissen, dass die Fans ein Team finanzieren müssen?»

Viele Fragen bleiben offen: So hat bislang niemand gesagt, was mit all dem Geld passiert, wenn das Ziel vielleicht verpasst wird. Es ist auch von Renault nicht zu hören, ob Caterham überhaupt Motoren erhalten würde.

Auf Twitter schwanken die Reaktionen der Formel-1-Freunde weiter zwischen Begeisterung und tiefster Skepsis. Einige sind fasziniert davon, dass die Fans so direkt eingebunden werden. Andere sind angewidert. Murray Bogg zwitschert: «Dieser Sport ist verrückt.»

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