Formel 1

Unter Verdacht: Manor-Comeback nur ein Bluff?

Von - 15.03.2015 19:33

Der Automobilweltverband FIA will von Manor (dem früheren Marussia-Rennstall) eine Erklärung. Der böse Verdacht: Wurde nicht alles getan, um die Rennwagen auf die Bahn zu bringen?

Schon im Testwinter ging im Fahrerlager die Unterstellung um: Formel-1-Rückkehrer Manor (die letztjährige Marussia-Truppe) würde die Autos in zerlegter Fassung nach Australien transportieren, sie in Melbourne von den flinken Mechanikern zusammensetzen lassen, dann aber lediglich zur Fahrzeugabnahme erscheinen oder die Wagen nur kurz fahren lassen. Im Rennen würden wir die Autos sowieso nicht sehen.

So schlecht lagen die Propheten damit nicht. Denn tatsächlich war in Melbourne kein Manor-Renner auf der Bahn zu sehen. Nicht im Training, somit auch nicht im Rennen.

Die Briten selber beschreiben ihre Anstrengungen als «Herkulesaufgabe, die Autos rennfertig zu machen. Leider ging uns einfach die Zeit aus, um alle Probleme aus der Welt zu schaffen, die beim Aufbau und vor dem Einsatz eines neuen Autos eben auftreten.»

Die Regelhüter des Autoverbands FIA betrachten die Versuche mit Argwohn. Sie haben von Manor eine schriftliche Erklärung eingefordert, wieso kein Auto auf der Bahn war. Sie müssen auch entscheiden, was unter einer Rennteilnahme zu verstehen ist: Reichen Anreise, Fahrzeugabnahme und zwei fahrbereite Piloten, um die Vorgaben zu erfüllen oder muss ein Wagen mindestens einmal die Box verlassen haben?

Sollten die FIA-Entscheidungsträger bestimmen, dass Manor am Australien-Wochenende nicht teilgenommen hat, dann hat das Team ein Problem. Denn als Marussia verpasste man schon drei Rennen, es wäre also die vierte Absenz in Folge. Und da die Teams während ihrer Vertragszeit mit Chefpromoter Bernie Ecclestone genau drei Grands Prix fehlen dürfen, könnte der geschäftstüchtige Brite die Reissleine ziehen.

Das Formel-1-Oberhaupt soll nicht glücklich darüber sein, dass Manor erst versprach, die ganze Saison 2015 zu bestreiten und dann das erste Rennwochenende verpasste. Denn den Startplatz hat die Truppe nur wegen der Zusage bekommen, an allen Grands Prix des Jahres 2015 teilzunehmen. Im «The Independent» wird Ecclestone mit folgender Aussage zitiert: «Sie können drei Rennen pro Vertragslaufzeit verpassen. Sie werden also Geschichte sein, wenn sie ein weiteres verpassen.»

Manor-Teamchef John Booth beteuert hingegen: «Wir haben es in kürzester Zeit von der Insolvenz Ende Februar bis Mitte März hier nach Australien geschafft. Natürlich sind wir selber auch davon enttäuscht, dass wir nicht am Training teilnehmen konnten. Das Positive ist, dass wir jede Menge von Problemen und Problemchen bereits lösen konnten. Das ist wichtig, um den nächsten Schritt zu machen. Es war von Anfang an klar, dass es ganz knapp werden würde. Wer hat denn vor uns schon mal in nur drei Wochen ein Auto auf die aktuellen Regeln angepasst und an den GP-Ort gebracht? Da geht dir eben die Zeit aus, um alles zu erledigen.»

Booth wehrt sich gegen die Unterstellung, es sei von Anfang an gar nie geplant gewesen, dass sich ein Rad drehe; dass Manor nur nach Australien gekommen sei, um bei der technischen Abnahme ein Auto zu präsentieren und damit de facto an der Veranstaltung teilgenommen zu haben. Was bei der späteren Ausschüttung des Preisgelds Voraussetzung ist.

Der Engländer sagt: «Ich kann verstehen, wenn die Menschen zynisch reagieren. Aber wenn das wirklich unser Plan gewesen wäre – wieso würden wir dann 30 Tonnen Material und 40 Fachleute rund um die Welt nach Australien fliegen? Wieso sollten wir alle Verträge mit Pirelli, Ferrari und so fort einhalten? Nein, wir haben wirklich das Menschenmöglichste getan, um die Autos fahren zu lassen.»

Booth ist überzeugt davon, dass Manor in Malaysia fahren wird: «Wir haben die Elektronik so weit, dass wir inzwischen gewissermassen digital mit dem Auto sprechen können. Wir haben kolossale Fortschritte gemacht.»

Es sind aber nicht nur Zyniker, sondern ganz nüchterne Beobachter, die vor der Manor-Box den Eindruck gewonnen haben: Volldampf-Arbeit an Rennwagen sieht anders aus. Und wenn Manor eine zweite neue Fahrzeugnase samt Frontflügel hatte, dann steckte die wohl noch irgendwo im Gepäck. Gerüchte, wonach Manor gar keinen Sprit bestellt hatte, liessen sich nicht erhärten. Ferrari beteuerte, man tue nichts, um Manor vom Fahren abzuhalten.

Die FIA wird die Rumpftruppe kaum bestrafen. Die Regelhüter werden Manor aber klar machen: In Sepang müssen die Autos auf die Rennstrecke ausrücken, und das schon im ersten Training.

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Volldampf-Arbeit an Rennwagen sieht anders aus: Manor in Australien © LAT Volldampf-Arbeit an Rennwagen sieht anders aus: Manor in Australien
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