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Aserbaidschan-GP: Ölpreis sinkt, Rennen in Gefahr?
​Seit Mitte 2014 ist der Ölpreis um 75 Prozent eingebrochen. Aserbaidschanische Wirtschaftsexperten schlagen Alarm und finden, den geplante Grand Prix gehöre gestrichen.
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Die erdölfördernden Länder haben ein gemeinsames Problem: Seit Mitte 2014 ist der Ölpreis um 75 Prozent eingebrochen, ein Ende ist nicht abzusehen. Von mehr als 50 Dollar noch Mitte Oktober sank der Preis für ein Fass Brent-Öl auf 28,36 Dollar heute Donnerstag, 21. Januar 2016.
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Aserbaidschan ist nach Russland und Kasachstan der drittwichtigste Erdölexporteur aus dem Raum der früheren Sowjetunion. 2005 erwirtschaftete die Ölindustrie 67 Prozent des Brutto-Inlandprodukts, der Anteil der Öl- und zunehmenden Erdgasförderung am BIP stieg über lange Zeit. Aserbaidschan förderte 2009 knapp über 1 Million Barrel (ca. 159 Millionen Liter) Erdöl pro Tag, 2015 waren es 800.000 Barrel. Für den Export des Öls wurde die so genannte BTC-Ölpipeline (Baku-Tiflis-Ceyhan-Ölpipeline) gebaut und im Sommer 2005 eröffnet. Sie kann täglich eine Million Barrel Rohöl von Baku in die türkische Hafenstadt Ceyhan transportieren. Die Gewinne aus der Rohstoffförderung sollten in einen staatlichen Ölfonds fliessen. Die deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit schreibt über den Staat am Kaspischen Meer: "Aserbaidschan gehört zu einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit. Betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Mitte der 90er Jahre nur 2 bis 3 Milliarden US-Dollar, war es 2004 bereits auf knapp 9 Milliarden angewachsen. Von 2005 bis 2008 wurden jährliche Wachstumsraten von durchschnittlich 21 Prozent erzielt. 2008 lag das BIP schon bei 40 Milliarden und konnte 2012 auf rund 69,7 Milliarden US-Dollar gesteigert werden. Doch der Erdöl-Preisverfall belastet die Wirtschaft stark. Ali Hasanov, einer der frührenden Wirtschaftsexperten des Landes und Berater des Präsidenten Ilcham Hejdarowitsch Alijew, stellt gegenüber der aserbaidschanischen Nachrichtenagentur Azertac zur Dikussion, ob sich das Land angesichts dieser Krise einen Formel-1-WM-Lauf noch leisten könne. "Aserbaidschan ist ein Ölland", sagt Hasanov. "Doch die Preise sind in nur eineinhalb Jahren auf lediglich ein Drittel gesunken. Also haben sich auch unsere Einnahmen auf diesem Gebiet auf ein Drittel verringert."
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Das Barrel scheint derzeit ein Fass ohne Boden zu sein: Allein in den ersten 21 Tagen des jungen Jahres ist der Erdölpreis um gut ein Viertel gesunken. Das hat es in der Weltwirtschaft noch nie gegeben. Gleichzeitig kämpft das Land mit einem Währungszerfall um einen Drittel. Pessimisten behaupten: Die finanziellen Reserven der aserbaidschanischen Zentralbank könnten im Frühsommer erschöpft sein.
Natig Jafarly, ein weiterer Wirtschaftsexperte, meint gegenüber dem brasilianischen Onlineportal UOL: "Das Staatsbudget basiert auf einem Ölpreis von 50 Dollar. Die Regierung sucht nach Mittel und Wegen, um Kosten abzubauen. Und der einfachste Weg dazu wäre es beispielsweise, Veranstaltungen wie den Grand Prix oder die auf 2017 angesetzten "Islamic Games" abzusagen."
So einfach dürfte das nicht werden: So wollten beispielsweise auch die Organisatoren des Südkorea-GP frühzeitiger aus ihrem Vertrag mit Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone aussteigen, aber die Asiaten kamen zum Schluss – der Verlust ist geringer, das Rennen auszutragen, als dem Engländer eine Strafe für den geplatzten WM-Lauf zu bezahlen. Mit der Ausgabe 2013, nach vier Rennen im Süden des Landes, war dennoch Schluss. Nigar Arpadarai, Kommunikations-Chefin des "Baku City Circuit" (BCC) nimmt dazu wie folgt Stellung: "Die Abwertung unserer Landeswährung Manat hat keinen Einfluss auf die Austragung des ersten Formel-1-Rennens in Aserbaidschan. Als das Budget für den Grossen Preis von Europa gutgeheissen wurde, wurden die Kosten in Dollar gerechnet. Wir rechnen nicht mit Veränderungen, was das Budget für das Rennen angeht."
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"BCC teilt jedoch Bedenken hinsichtlich der Abwertung unserer Nationalwährung. Und wir sind uns dessen bewusst, dass die Austragung einer solchen Grossveranstaltung markante finanzielle Mittel erfordert. Wir möchten aber betonen, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Formel-1-Laufs – kurz- und mittelfristig, direkt und indirekt – für unsere Wirtschaft von grossem Nutzen sein werden." "Wir erwarten, dass der Ausbau des Tourismus sowie die Ausgaben unserer Besucher in Hotels, Restaurants und so weiter die Wirtschaft mit wesentlichen Beträgen ankurbeln. Das Rennen selber schafft tausende von Jobs. Wir glauben daran, dass ein solcher Anlass kurz- und langfristig die Wirtschaft stützt und fördert. Und das ist gewichtiger als der Aufwand, um dieses Rennen auszutragen."
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