IDM Superbike

IDM in Gefahr: Wegen der Selbstdarsteller beim DMSB?

Von - 06.03.2017 13:35

Es wird noch ums Reglement gestritten, es fehlt ein Ausrichter, es gibt nicht genug Rennen – die einst renommierte Internationale Deutsche Motorrad Meisterschaft (IDM) präsentiert sich als Scherbenhaufen.

Der Deutsche Motor Sport Bund, der mit Motorrädern nicht viel am Hut hat, überließ die Austragung der einst renommierten Internationalen der Deutschen Motorrad Meisterschaft (IDM) für die Jahre 2013, 2014, 2015 und 2016 der extra dafür neu gegründeten Firma MotorEvents, die Sepp Meier, Sepp Hofmann (beide Besitzer von alpha Technik und Eurospeed-Betreiber) sowie Lausitzring-Geschäftsführer Bert Poensgen gehört.

Aber nach vier von fünf geplanten Jahren wurde die Zusammenarbeit mit dem DMSB und der DMSW im Herbst vorzeitig beendet. MotorEvents musste jährlich eigenes Geld in die Serie zuschießen. Die laut MotorEvents vom DMSB für die Saison 2016 gemachten Zusagen, wie unter anderem die Reduzierung der an den DMSB zu entrichtenden Gebühren, wurden nicht eingehalten. Sogar schriftliche Zusagen wurden laut MotorEvents missachtet.

Später ist vom DMSW eine eigene Kündigung beim ehemaligen IDM-Promoter MotorEvents eingegangen. «Da es sich bei der Auflösung des Vertrages zwischen DMSW und MotorEvents derzeit um ein schwebendes Verfahren handelt, möchten wir in der Öffentlichkeit dazu derzeit keine Stellung beziehen», lautet die Antwort von DMSB-Präsidiumsmitglied Wolfgang Wagner-Sachs.

Auch die Antwort seitens MotorEvents ist überschaubar. Die Unterlagen liegen beim Anwalt.

MotorEvents vom DMSB reingelegt

Nach dem Ende der Saison 2015 hatte der damalige IDM-Promoter MotorEvents den Fahrern und Teams die Fortführung der Serie für das Jahr 2016 zugesagt. Beim IDM-Event in Schleiz 2015 hatte sich ein Teil der DMSB-Chefetage auf den Weg nach Thüringen gemacht und gemeinsam mit dem Promoter den Schulterschluss im Sinne der IDM zelebriert. Zur Erfüllung, der laut der MotorEvents-Geschäftsführer Josef Meier, Josef Hofmann und Bert Poensgen zum Teil sogar schriftlich gemachten Zusagen, sollte es nie kommen.

«Nachdem sich im Spätjahr 2015 überraschend der ADAC aus der Serie zurückgezogen hat», erinnert sich der Promoter, «ging auch der DMSB auf Abstand. Wir haben uns allerdings an die von uns gemachten Versprechungen erinnert und die IDM 2016 trotz aller Widerstände durchgeführt. Mental war das sicherlich schwierig, wenn die bisherigen Leistungen so gar nicht anerkannt und auch die finanziellen Probleme grösser statt kleiner wurden.»

«Ich würde an die Sache nicht mehr mit diesem blinden Vertrauen rangehen», meint Hofmann heute. «Ich hatte mich damals drauf verlassen, dass uns der Verband hilft und uns nicht nur Knüppel zwischen die Beine schmeißt.»

Kurz nachdem die IDM 2016 auf dem Schleizer Dreieck in die zweite Saisonhälfte gestartet war, überreichte der IDM-Promoter MotorEvents dem DMSB die schriftliche Kündigung. Ein weiteres Jahr war für die Zusammenarbeit geplant, doch schon seit langem hatte die MotorEvents-Geschäftsführung klar gemacht, dass es nicht weitergehen könne wie in der Vergangenheit. Bürokratische Hürden, geringe Einflussnahme und die schlechte finanzielle Ausstattung, die immer wieder den Einsatz privater Geldmittel durch den IDM-Promoter nötig machte und mangelnder Rückhalt durch den Verband führten die Geschäftsführer als Gründe für die Beendigung ihres Engagements an.

Beim IDM-Finale 2016 auf dem Hockenheimring waren Josef Hofmann, Josef Meier und Bert Poensgen ein letztes Mal als Geschäftsführer der MotorEvents GmbH und damit als IDM-Promoter am Start. Am Samstag fand das übliche Meeting zwischen Promoter, dem Veranstalter und Industriepartner statt. Das letzte Treffen war gut besucht. Vertreter aller an der IDM beteiligten Hersteller, der eine oder andere Teamchef, Vertreter von Dunlop und Pirelli, die Veranstalter von Hockenheim und Nürburgring und einige Herrschaften vom DMSB waren anwesend.

Bert Poensgen von MotorEvents hielt auch im Namen von Hofmann und Meier eine gepfefferte Abschiedsrede. Sein Dank richtete sich nur an die Industriepartner und die Fahrer.

Bert Poensgens Rede in der Original-Version

«Finale, das ist das richtige Stichwort zu unserem heutigen Meeting. Für uns drei ist die Zeit gekommen, Ihnen vor allen Dingen Danke zu sagen. Danke für die große Unterstützung, die Sie uns die letzten vier Jahre gegeben haben. Wie Sie ja bereits seit längerer Zeit wissen, müssen wir uns leider schon ein Jahr vor Ablauf unserer Vertragslaufzeit mit der DMSW von Ihnen und der IDM verabschieden.

Wir haben in diesen vergangenen vier Jahren viel Zuspruch von den Teilnehmern und unseren Partnern für unsere Arbeit erhalten. Sie als unsere Partner haben es finanziell erst ermöglicht, die Veranstaltungen zur Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft so durchzuführen, wie wir das mit all unserer Arbeitskraft und unseren finanziellen Möglichkeiten schaffen konnten. Auch unsere Teilnehmer haben durch die Zahlung Ihres Nenngeldes, das nicht unbedingt als niedrig zu bezeichnen war, einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg dieser Deutschen Meisterschaft beigetragen.

Wir alle, die ganz eng mit dem Motorsport zu tun haben, haben wirklich wunderbaren Motorradsport gesehen, tolle Veranstaltungen  stolze Sieger und Platzierte. Nicht umsonst können wir mit Stolz behaupten, dass wir inzwischen Piloten wie Xavier Forés, Markus Reiterberger und Kevin Wahr in der Superbike-WM oder in der Supersport-WM bewundern können.

Wir haben auch neue Wege aufgezeigt, die vorher als nicht durchführbar gesehen wurden. Eine Motorrad-Rennveranstaltung zusammen mit der deutschen Top-Autoveranstaltung DTM zu organisieren, wurde für nicht durchführbar gehalten. Wir haben es durchgezogen; die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Für beide Serien eine deutliche Bereicherung.

Auch die Zusammenarbeit mit der Superbike-WM war einzigartig und auch wieder ein neuer Weg, die deutsche Meisterschaft ins internationale Blickfeld zu rücken. Dies war auch ein wesentlicher Verdienst meiner Partner Josef Hofmann und Josef Meier, die auch die Fäden auf dem Lausitzring in der Hand halten und die für die Verwirklichung unserer Ideen monatelang gekämpft haben.

Wir denken, dass wir aus sportlicher und organisatorischer Sicht eine erfolgreiche Internationale Deutsche Meisterschaft abgeliefert haben, die sich auch weltweit als eine der besten nationalen Motorradmeisterschaften dargestellt hat. Veranstaltet auf guten Rennstrecken mit hohem Sicherheitsstandards, mit klaren Regeln und entsprechenden Kontrollen zur Einhaltung dieser Regeln.

Aber wir haben es nicht geschafft, finanziell wenigsten eine schwarze Null zu schreiben. Auch unsere Versuche, mit unseren ehemaligen Partnern DMSB und ADAC eine Lösung zu finden, sind trotz entsprechender Zusagen gescheitert. Zuerst gab Mitte 2015 die erfolgversprechenden Gespräche mit DMSB-Generalsekretär Christian Schacht und dessen schriftlicher Zusage, uns die DMSB- Gebühren zu erlassen und uns für unsere Serie einen Marketingzuschuss in fünfstelliger Höhe zu gewähren.

Dies hätte uns deutlich geholfen, unsere finanziellen Engpässe zu minimieren. Die auch vom DMSB gegebene Zusagen über die Einführung einer neuen Superstock 300-Klasse, welche mit der Unterstützung von Yamaha und Kawasaki sicherlich eine super Nachwuchsklasse geworden wäre, haben uns sehr optimistisch gestimmt. Aber es kam Vieles ganz anders.

Nach einem Gespräch mit Dieter Porsch und Lars Soutschka vom ADAC München im November 2015 über die Teilnahme vom ADAC Junior-Cup und den beiden Moto3-Klassen in der IDM kam alles ganz anders als erwartet.

Der ADAC hatte schon in den vergangenen Jahren für seinen ADAC Junior-Cup nur c. die Hälfte der sonst üblichen Gebühren für das nötige Zeitfenster bezahlt. Auch für die beiden Moto3-Klassen bezahlten die Teilnehmer nur 50 Prozent der normalen Startgelder. Ebenso günstig war der Poolpartnerbeitrag des ADAC.

Der Versuch, dem ADAC mit seinen Mitarbeitern klar zu machen, dass wir das finanziell in der Zukunft nicht mehr schaffen, führte dazu, dass sich der ADAC Deutschland aus der Internationalen Deutschen Meisterschaft zurück zog und eine neue Serie namens «NEC» ins Leben gerufen hat, welche zu wesentlichen Teilen im Ausland veranstaltet wird. Eine völlig kranke Entscheidung, die für uns nicht nachvollziehbar war und welche aus keinen für uns ersichtlichen Gründen, sondern nur aus persönlichen Eitelkeiten entstanden sein kann. Wie nicht anders zu erwarten, war es keine gute Entscheidung des ADAC. Den jungen Fahrern wurde zugemutet, weit entfernte Veranstaltungen zu besuchen und dasnoch für geringe Fahrtzeiten im Training und im Rennen. Kein Vergleich zu den Veranstaltungen im Rahmen der IDM.

Außerdem wurde in einer Präsidiumssitzung des DMSB, in der vor allen Dingen ADAC-Honoratioren sitzen, der erfolgreichen Einführung der Supersport 300-Klasse durch ein Mindestalter ab 18 Jahre die Berechtigung entzogen. Ein geringeres Ensteigsaalter wie in der SSP-WM hätte ja eventuell dem ADAC Junior-Cup schaden können. Ohne vielleicht darüber nachzudenken, ob der ADAC Junior-Cup eventuell auch eine Neuorientierung brauchen könnte. Und das alles zum Wohle des Motorsports!

Durch dieses Nichtzustandekommen einer Vereinbarung zwischen der IDM und dem ADAC wurde uns erstmals ganz deutlich, wie das Netzwerk des ADAC/DMSB und der Regionalclubs funktioniert.

Kurz nach dem Scheitern der ADAC/MotorEvents-Gespräche wurde uns nach über vier Monaten mitgeteilt, dass der DMSB seine Abmachungen mit uns nicht mehr einhalten wird. Auch durch Herrn Junge, der mit seinem ADAC Regionalclub die Veranstaltungen in Oschersleben durchführt, wurde der feste Termin in Oschersleben abgesagt und unser Versuch, dann direkt mit der Rennstrecke und Herrn Voss den Termin mit einem anderen Veranstalter zu machen, mit dem Vermerk der guten Verbindung zwischen ADAC Regionalclub und der Rennstrecke abgesagt.

Im Rückblick zu verstehen, denn heute ist Herr Voss Nachfolger von Lars Soutschka beim ADAC in München. Was es nicht alles gibt.
Ende letzten Jahres wurden uns also nur noch Knüppel zwischen die Beine geworfen. Im Dezember 2015 hätten wir nach kaufmännischen Gesichtspunkten den Stecker ziehen müssen. Wir haben es nicht getan. Wir wollten unseren Partnern und vor allen Dingen unseren Rennfahrern keinen Scherbenhaufen hinterlassen. Wir haben den Gürtel enger geschnallt und entschieden, die IDM auch 2016 bis zum Finale durchzuziehen und unseren Nachfolgern ein bestelltes Feld zu überlassen.

Unser größter Fehler war, die verkrusteten Strukturen im DMSB und die fast schon mafiösen Verbindungen zwischen DMSB/ADAC und ADAC Veranstaltern völlig zu unterschätzen. Diese Strukturen lassen keine erfolgsorientierte Arbeit zu und wir drei haben einsehen müssen, dass wir nicht genug Power haben, diese Strukturen zu durchbrechen.

Jetzt übernimmt ein stärkerer Partner die Internationale Deutsche Meisterschaft für die nächsten Jahre. Wir hoffen, dass es diesem gelingt, diese Strukturen zu durchbrechen und die Selbstdarsteller im DMSB und ADAC von Ihren hohen Sesseln zu holen. Wenn das gelingt, sehe ich rosige Zeiten für den Motorradsport in Deutschland kommen. Wir drücken die Daumen.»

Bert Poensgen sprach also in aller Öffentlichkeit von «verkrusteten und mafiösen Strukturen» und nannte die DMSB-Herren Selbstdarsteller.

Genützt hat es nichts. Die Zukunft der IDM wirkt immer noch ungewiss.

Denn für diese Rennserie existiert am 6. März 2017 immer noch kein sportlicher Ausrichter. Die Firma MotorEvents hat sich zwar auch für 2017 als Ausrichter (nicht als Promoter) angeboten. Knowhow und Infrastruktur wären vorhanden.

Doch bei der Vereinbarung zwischen DMSB und IVM wurde seitens DMSB auf eine weitere Zusammenarbeit mit MotorEvents ausdrücklich verzichtet. Seltsam: Der deutsche Industrie-Verband Motorrad (IVM) bezahlt den ganzen Mist – und trotzdem existiert bis heute keine Internationale Deutsche Meisterschaft, die ihren Namen verdienen würde.

Es gibt ohnedies seit Jahren die Kritik, es würden die falschen Klassen gefahren, deshalb kommen keine Talente mehr für die WM mehr zum Vorschein, die Moto3 und Moto2 existieren in Deutschland nicht, in der IDM Superbike bekamen Werke wie Ducati, MV Agusta und so weiter manchmal keinen Zutritt. Die Poolgebühren waren zu hoch. Und der deutsche ADAC trägt jetzt lieber in den Nachbarländern eine Moto3-Serie namens «Northern Europe Cup» aus. Als deutscher Automobilverband...

Und: TV-Übertragungen fehlen in der IDM seit Jahren. Es liegt Vieles im Argen.

Der IDM-Kalender 2017? Ein Gerippe mit sechs Veranstaltungen in etwas mehr als vier Monaten... Kein Wunder, wenn sich viele Teams die teuren Einschreibegebühren sparen und lieber nach Spanien oder in andere Serien ausweichen.

Warum blühen die natonalen Meisterschaften in anderen Ländern wie Italien, Spanien und Grossbritannien?

Weil dort Experten am Ruder sind und Veranstalter, Verband, Teams, Hersteller, Rennstreckenbetreiber und Fahrer an einem Strang ziehen.

Es ist ja kein Geheimnis: Ohne Breitensport existiert kein Spitzensport. Und ohne Spitzensport geht jeder Verband zugrunde.

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