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DMSB: Fachkenntnis kontraproduktiv, sinnloses Palaver

Von - 08.03.2017 00:02

Insider berichten, welche Anliegen beim DMSB im Vordergrund stehen. Dabei stellt sich heraus: Der Sport steht meistens im Hintergrund. Eine erschütternde Bestandsaufnahme.

Nach den jüngsten Ärgernissen über den Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) stellen sich viele Betroffene die Frage, wieso in Deutschland überhaupt ein gemeinsamer Verband für Automobilsportler und Motorradrennfahrer ins Leben gerufen wurde. Zuvor gab es getrennte Verbände – ONS und OMK.

Warum wurde nach der Wende der DMSB gegründet? Das hat einen ganz einfachen Hintergrund.

In Deutschland gibt es eine Reihe von Sportfördermaßnahmen speziell für Olympische Sportarten. Motorsportler gehören da nicht unbedingt dazu, es weiß ja jeder, dass Benzin Geld kostet und Motorsport darüber hinaus noch umweltschädlich ist. Eine  Eisrennbahn für 20 aktive Bobsportler in der Höhe von vier Millionen Euro wirkt da schon für das nationale Olympische Komitee wesentlich effektiver.

Staatliche Sportförderungen bekommen aber nur gemeinnützige Vereine. Die Trägerverbände ADAC und DMV waren nicht gemeinnützig, denn sie arbeiten gewinnorientiert.

Für Motorsport-Sportfördermaßnahmen wurden in den 1970er und 1980er-Jahren jeweils mehrere Millionen D-Mark vom Staat bereitgestellt, konnten aber vom ADAC/DMV wegen der fehlenden Gemeinnützigkeit für den Motorsport nie abgerufen werden. Das Geld ist dann in irgendwelchen anderen Sportarten gelandet.

Mit der Gründung des DMSB als gemeinsame Motorsporthoheit sollte diese Gemeinnützigkeit erreicht werden. Dieser Plan ging aber gründlich in die Hose, weil sich der ADAC und der DMV wieder nicht in die Karten schauen lassen wollten.

Die Personalien des DMSB werden nach wie vor nicht von Motorsportlern und den angeschlossenen Verbänden sowie von der Industrie (die zahlt nämlich die ganze Geschichte) gewählt, sondern von den Trägerverbänden ADAC/DMV/AvD bestimmt bzw. nach entsprechend gebückt absolvierter Laufbahn hochbefördert. Und zum Bücken brauche man keine Qualität, sondern wenig Rückrat und vorauseilenden Gehorsam, sind die Insider überzeugt.

Wenn man sich die heutigen Personalien der Motorsporthoheit DMSB ansieht, sind dort die Fachleute Mangelware. Die meisten Mitarbeiter haben sich aus irgendeinem Grund durch ihre Vorgeschichte für eine leitende Position im Motorsport qualifiziert, beklagt ein Funktionär.

Die OMK wurde als DMSB-Vorgänger einst von den beiden Trägerverbänden ADAC und DMV geführt. Bei OMK-Sitzungen waren jeweils vier Personen von ADAC und DMV stimmberechtigt, dazu kamen noch ein Industrie- und ein Fahrervertreter. In der Geschäftsstelle war Werner Haupt als Generalsekretär tätig, er war aber nicht stimmberechtigt.

Deshalb waren Industrie- und Fahrervertreter immer das unberechenbare Zünglein an der Waage.

Sie wurden vor wichtigen Sitzungen meist schon vorher intensiv bearbeitet, wie sie abstimmen sollten.

Da ging es um Themen wie: Welcher Verband/Verein kriegt welchen WM-Lauf? Wer wird als Sportkommissar eingeteilt? Wie werden die Spesen und das km-Geld abgerechnet?

Deshalb wurden am Vorabend dieser Meeting beim geselligen Abendessen meist schon diverse Tendenzen abgestimmt.

Ein Insider erzählt, es sei dabei meist um so wichtige Themen gegangen wie:

1. Welche Reiseroute nimmt man zum FIM-Kongress nach Brasilien? Fliegt man besser über den Nordpol? Weil das so lange dauert, könnte man ja einen Zwischenstopp in Hongkong machen wegen der Schuhe für die Lebensgefährtin?

2. Wer darf und warum alles mitfliegen? Wegen der Reisekostenabrechnung musste natürlich genau geplant werden, wer alles eine kleine unwichtige Rede halten oder nur zuhören darf.

3. Wie stimmt man dort für den nächsten FIM-Kongress-Tagungsort und WM-Prädikatslauf ab? Das war wichtig wegen der Kosten, es sollte ja nicht zu teuer werden.

4. Ganz am Schluss von so einer 2-Tage-OMK-Sitzung, also in den letzten beiden Stunden, wurde dann über die unwichtigeren Dinge gesprochen. Wer kriegt eine Wildcard zur WM? Wie kann man den deutschen Nachwuchs fördern? Wie hoch wird das Nenngeld bei Veranstaltungen angesetzt? Wichtig auch, Sportstrafen für den aufmüpfigen Egon Müller... Welche Fahrer und Funktionäre dürfen zum Beispiel zur Sechstage-Fahrt? Auch das Reglement für die einzelnen Motorradsportarten konnte da sehr schnell abgehandelt werden.

Ein Informant berichtet, grundsätzlich habe sich im DMSB in dieser Hinsicht nicht viel geändert. Zumindest nicht zum Besseren.

Leidenschaftliche Motorsport-Befürworter wie Industrievertreter Karl Schuhardt oder Aktive wie Arnulf Teuchert, die grobe Missstände anprangerten, wurden sehr schnell entsorgt.

Es gab auch Ausnahmen. Enduro-Legende Arnulf Teuchert: «Herr Werner Haupt und Wilhelm Noll haben sich sehr vorbildlich für uns aktive Fahrer engagiert.»

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