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Honda CRF 450 RX: Definitiv Racing

Von - 01.12.2016 16:55

Was Honda bislang Kleinserienherstellern überlies, machen sie nun selber: Eine Racing-Enduro, abgeleitet vom aktuellen Motocross-Motorrad. Ein Motorrad für ambitionierte Fahrer, die Rennen gewinnen wollen.

Auf 2017 lanciert Honda die 5. Generation des Motocross-Motorrads CRF 450 R und stellt dem Pistenrenner eine Enduro namens CFR 450 RX zur Seite. Schon auf der Modellbezeichnung geht hervor, dass die Enduro auf dem neuen Crosser basiert.

An der 5. Generation sehen Rahmen und Motor auf den ersten Blick gleich aus, sind aber komplett neu. Honda hat errechnet, dass mehr als 80 % der Laufsieger der Motocross-WM nach der ersten Runde auf Platz 1 oder 2 lagen. Der Start ist offensichtlich an einem Motocross-Rennen entscheidend. Darum lag bei der nunmehr 5. Modellgeneration das Augenmerk auf der Performance am Start. Um einen Start zu gewinnen, braucht es Drehmoment und Power. Um möglichst viel davon zu haben, bekam der neue Motor einen geradlinigen Fallstrom-Einlass, Schlepphebel über den Einlassventilen und einen engeren Ventilwinkel für einen kompakteren Brennraum mit höherer Verdichtung. Drei Mappings stehen zur Wahl, zu bedienen per Lenkerschalter.

Ein starker Motor reicht für den Holeshot nicht aus, die Kraft muss in Beschleunigung umgesetzt werden. Dafür wurde ein komplett neuer Rahmen konstruiert, mit kürzerem Radstand und mehr Last auf dem Hinterrad. Ein Lenkungsdämpfer ist serienmässig nicht mehr dran, dieser kann aber nachgerüstet werden, die Montagepunkte sind vorhanden. Um den idealen Fallstrom-Einlass zu realisieren, wurde das Federbein weiter unten und mittig im Rahmen platziert, der Luftkanal verläuft nicht mehr seitlich am Federbein vorbei, sondern oberhalb davon. Durch diese Veränderungen kam der Schwerpunkt tiefer zu liegen.

Mit dem 2017er Jahrgang verabschiedet sich Honda nach vier Jahren wieder von der Kayaba-Luftgabel. Die verbaute Showa mit 49er Rohren ist konstruktiv an die begehrte Kit A-Version angelehnt.
Neu und als erster japanischer Hersteller bietet Honda an einem Motocross-Motorrad optional einen Elektrostarter an. Der Elektrostarter hat sich im Endurosport ja längst durchgesetzt, an der RX ist er serienmässig, womit ein gewichtiges Nichtkauf-Argument entfällt. Die RX ist mit einem 18er Hinterrad und einem Seitenständer ausgerüstet, wie sich das für eine Geländemaschine gehört.

Die Enduro basiert in Motor, Fahrwerk und Bodywork auf dem Crosser. Der Motor ist bis auf die Mappings identisch. Dieser Motor ist übrigens Honda-interner Rekordhalter bezüglich Kolbengeschwindigkeit eines Serienmotors: 25 m/s legt der Kolben bei 11.000/min zurück. Wir glauben allerdings nicht, dass jemand mit diesem Motorrad im Gelände Dauervollgas fahren kann.

Im Sattel: Der Sprinter mag nicht gemütlich wandern

Die RX kann ihre Motocross-Wurzeln nicht verleugnen: Sie ist eine Enduro, um Sonderprüfungszeiten hinzubrennen und generell, um sportlich-schnell unterwegs zu sein. Da ist sie in ihrem Element, kann ihr leichtes Handling und ihre schiere Power übers ganze Drehzahlband ausspielen. Das Fahrwerk verfügt unter Zug über gewaltige Reserven. Immer wenn du denkst, das geht jetzt nicht: Gas, Motorrad mit den Knien führen, Druck in die Rasten, Hindernis nicht gross beachten – und schon ist man drüber. Mit der RX bekommen ambitionierte Fahrer eine echte Waffe in die Hand.
Was die Honda nicht ist: Eine Wanderenduro für gemütliche Naturen, die auch die Landschaft sehen wollen, während sie über Land tuckern. Auch enge Passagen sind nicht das bevorzugte Revier. Der Motorgeht energisch ans Gas und ploppt im Standgas manchmal aus, die Kupplung ist auf Dauer nicht mit einem Finger bedienbar und hat auch einen recht kurzen Dosierweg. Selbst mit Enduro-üblicher Übersetzung 13 x 50 fährt man sehr oft im 1. Gang und will vor engen Passagen nochmals runterschalten. Die übrigen vier Gänge sind dann recht eng gestuft, mit dem drehmomentstarken Motor passt es im offenen Gelände immer.

Die Kritik des Endurowanderers wird den Racer freuen: Einen kurzen 1. Gang braucht man nicht zum Schnellfahren, denn langsames, Trial-ähnliches rumtuckern kostet nur Zeit. Mit dem energisch zupackenden Motor und der entschlossen einrückenden Kupplung kann man sich wunderbar aus Anliegern auf die Gerade rauskatapultieren oder entschlossen über Hindernisse schiessen. Die 450er ist fast so klein und schmal wie eine 250er, hat aber viel mehr Dampf.

Obwohl die Federelemente der RX weicher abgestimmt sind als am Crosser, lässt sich die RX bis auf ein mittleres Niveau sehr gut fahren auf der Crosspiste. Ein nicht zu unterschätzender Faktor, sind doch Enduro-Trainingsmöglichkeiten hierzulande eher rar, weshalb viele Enduristen auch Motocross trainieren.

Auch mit Strassenzulassung

Ab Werk kommt die RX ohne Beleuchtung, Tacho und Spiegel, wie es der US-Markt verlangt. Aufgezogen sind Dunlop A 81, ein Geländereifen ohne FIM-Homologation. In Deutschland und der Schweiz wird die RX auch als strassenzugelassene Variante erhältlich sein, genannt RX Country. Diese wird von Red Moto umgerüstet und nach Euro 4 homologiert. Der italienische Importeur für die Honda-Geländemaschinen ist dazu vom Mutterhaus autorisiert. Diese Country-Version wird in Deutschland von Honda Waldmann, Marktoberdorf vertrieben, in der Schweiz von Hans-Peter Moser, Recherswil.

Wegen des Erdbebens in Japan verzögert sich die Auslieferung. Die CRF 450 R kommt noch im Dezember für 8875 Euro/CHF 9110.-, die RX (ohne Strassenzulassung) im Januar für 9065Euro/CHF 10 480.-. Die strassenzugelassene RX Country wird in Deutschland 9690 Euro kosten, als Supermoto-Version 9990 Euro. Die Preise für die strassenzugelassenen Modelle stehen in der Schweiz noch nicht fest.

Technische Daten Honda CRF 450 RX

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder, Unicam-OHC-Ventilsteuerung, 4 Ventile, Bohrung x Hub 96 x 62,1 mm, 449 ccm, Verdichtung 13.5, elektronische Motorsteuerung für Benzineinspritzung und Zündung. Kick- und E-Starter. Mehrscheiben-Ölbadkupplung, 5 Gänge, Kette.

Fahrwerk: Alu-Brückenrahmen, USD-Gabel, Aluschwinge, 1 Federbein, Umlenkhebel, Federwege 305/312,5 mm. Drahtspeichenräder mit Alufelgen, Reifen 90/90-21 und 120/90-18. Scheibenbremsen, vorne 260 mm, Doppelkolbenzange, hinten 240 mm, Einkolbenzange. Radstand 1477 mm, Lenkkopf 62° 34’, Nachlauf 116 mm, Sitzhöhe 959 mm, 118 kg, Tank 8,5 l.

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