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Tibor Foco aus Linz: Seit 23 Jahren auf der Flucht

Von - 30.03.2018 11:34

Tibor Foco (62), ein ehemaliger 250-ccm-Motorrad-Berg-Europameister aus Linz/A, wurde vor genau 30 Jahren wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er gilt als Justizopfer – und ist seit 23 Jahren flüchtig.

Seit 23 Jahren sucht das österreichische Bundeskriminalamt nach dem mutmaßlichen Mörder Tibor Foco.

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Naja, Tibor Foco war in den 1970er-Jahren Berg-Europameister in der Klasse bis 250 ccm, er bestritt jahrelang die österreichische 250-ccm-Rundstrecken-Meisterschaft, baute zuerst mit Geld des renommierten steirischen Motorradwerks Puch eine 250-ccm-Rennmaschine und dann mit Geld der Linzer Firma Beko einen GP-Renner, den sogar der französische Weltklassefahrer Thierry Espié in Le Castellet und Kyalami testete und in der 250er-WM einsetzen wollte.

Schon zu seiner aktiven Zeit kannte Foco, dessen Eltern aus Ungarn eingewandert waren, keine Berührungspunkte mit dem Prostituiertenmilieu.

Und als am 13. März 1986 in der Nähe des Barbara-Friedhofs in Linz/A die Leiche von Elfriede H. gefunden wurde, führte bald eine Spur zu Tibor Foco.

Elfriede H. war durch einen Schuss ins Gesicht aus nächster Nähe getötet worden.

Am 14. März wurde der damals 30-jährige Ex-Rennfahrer Foco festgenommen. Er war damals Betreiber des nahe gelegenen Bunny Clubs. Die Prostituierte Regina Ungar behauptete als Kronzeugin, von Foco zum tödlichen Schuss gezwungen worden zu sein.

Am 31. März 1987 wurde Foco zu lebenslanger Haft verurteilt. Er beteuerte seine Schuld, saß die Strafe in der Justizvollzugsanstalt Stein in Krems an der Donau ab und begann ein Jus-Studium an der Johannes Kepler-Universität in Linz.

Am 5. März 1993 widerrief die damals in Florida/USA lebende Kronzeugin  Regina Ungar ihre Aussage. Schon damals war von einem Justizskandal die Rede. Einer der ermittelnden Kriminalbeamten war inzwischen mit der Ex-Ehefrau Focos verheiratet, die das erste Alibi zurückgezogen hatte. Bei einer Sachverständigen wurde eingebrochen und Beweismaterial gestohlen, eine Anzeige erfolgte erst nach fünf Jahren. Die Linzer Polizei soll zahlreiche Ermittlungsfehler begangen und Zeugen gelenkt bzw. laut Zeugin Ungar sogar gefoltert haben. 1996 wurde Focos vermeintlicher Komplize Hans Peter Löffler in einem dreitägigen Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen; er erhielt eine Haftentschädigung von 235.949,93 Euro plus Zinsen.

Am 27. April 1995 floh Foco vom Uni-Gelände in Linz. Eine Fluchthelferin hatte eine schwarze Kawasaki Ninja ZX 750F unter einem Toilettenfenster geparkt, durch das Foco in einem unbeaufsichtigten Moment bei einem WC-Besuch flüchtete.

Seitdem fehlt von dem Ex-Rennfahrer aus Linz jede Spur.

Am 29. August 1997 wurde der vermeintliche Mittäter freigesprochen. Focos Eltern gingen regelmäßig an die Öffentlichkeit und forderten ein Wiederaufnahmeverfahren und einen Freispruch.

Im Frühjahr 1997 wurde das Urteil von lebenslanger Haft aufgehoben. Foco erhielt in Abwesenheit tatsächlich ein neues Verfahren. Er erschien aber beim neuen Prozess nicht vor Gericht.

Inzwischen befand er sich auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher von Europol.

Doch am 27. Juni 2000 erhob die Staatsanwaltschaft Linz wieder eine Mordanklage wegen Mordverdachts. Es wurde wieder ein internationaler Haftbefehl ausgestellt.

21. Februar 2005: Die damalige Justizministerin Karin Miklautsch (BZÖ) sicherte Foco bei einer Rückkehr nach Österreich freies Geleit zu. Aber der wegen Mordes verurteilte Flüchtling ließ sich bis heute nicht blicken.

Bis heute hält sich in Justizkreisen in Oberösterreich die Vermutung, Foco sei im April 1995 unter Billigung der Justiz zur Flucht verholfen worden, weil er einem Fehlurteil zum Opfer gefallen war. In den Medien wird Foco heute oft als unschuldiges Opfer von Polizei- und Justizwillkür bezeichnet.

Die Wahrheit in diesem mysteriösen Fall kam bis heute nicht ans Tageslicht.

Die letzten Fotos des inzwischen 62 Jahre alten Foco stammen aus den Jahren 1986 bis 1993.

Vor wenigen Tagen ging das österreichische Bundeskriminalamt (BK) mit Fotos an die Öffentlichkeit, die Tibor Foco im Jahr 1986 zeigen und dazu mit Bildern, die ihn mit Hilfe eines Aging-Programms so darstellen, wie er heute aussehen könnte.

Bereits 1995 wurde für die Ergreifung des Oberösterreichers eine Belohnung von 40.000 Schilling (2900 Euro) ausgesetzt. Inzwischen wurde die Belohnung auf 20.000 Euro erhöht.

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Rechts: So sah Foco 1986 aus. Links: So könnte er heute aussehen © BK Rechts: So sah Foco 1986 aus. Links: So könnte er heute aussehen
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