Moto2

Forward und MV Agusta: Eine wacklige Konstellation

Von - 06.11.2018 12:00

Wie stark das MV Agusta-Werk hinter den Moto2-Plänen von Forward Racing steht, ist schwer zu beurteilen. Ein Fahrer existiert für das kuriose Projekt bisher nicht.

Eigentlich hätten die Motorrad-GP-Teams bis zum Aragón-GP (23. September) bei der Teamvereinigung IRTA und beim Selektions-Komitee (bestehend aus IRTA, Dorna und FIM) neben den Fabrikaten und Sponsoren auch ihre Fahrerkandidaten für die Saison 2019 offenlegen müssen. Die meisten Rennställe sind dieser Verpflichtung auch nachgekommen, nur das krisengeschüttelte Forward Moto2-Racing-Team (bisher acht Punkte in diesem Jahr) hat bisher keinen einzigen Fahrer bekannt gegeben.

Denn das finanziell seit Jahren auf wackligen Beinen stehende Team hat das Vertrauen der Topfahrer längst verspielt.

Romano Fenati hatte sich zwar überzeugen lassen, sein Vertrag wurde jedoch nach dem Misano-Skandal (er griff Stefano Manzi in die Vorderradbremse) aufgelöst. Wunschfahrer wie Fabio «DIGGIA» Di Giannantonio lehnten ab, er entschied sich lieber für das Speed-up-Team von Luca Boscoscuro. Viele andere Kandidaten sagten ebenfalls ab, denn auch das MV-Agusta-Projekt mit dem Gitterrohrstahlrahmen wirkt nicht sonderlich vertrauenserweckend.

Bisher hat Forward dem neugierig wartenden Selektions-Komitee keinen Fahrernamen aufgetischt. Bruchpilot Stefano Manzi gilt als Anwärter, aber der Red Bull-Rookies-Cup-Gesamtdritte von 2014 hat seinen Kredit in der Moto2-Klasse längst verspielt. Unbd Isaac Viñales ist nicht besser als der im Sommer entlassene Eric Granado. Forward fährt mit dem letzten Aufgebot.

Jetzt scheint Forward-Teambesitzer Giovanni Cuzari zusätzlichen Gegenwind zu bekommen. Sein Freund Giovanni Castiglioni, der als talentierter Lebemann gilt, wurde nach ein paar nicht sehr sinnvollen geschäftlichen Entscheidungen vom neuen MV-Agusta-Mehrheitseigentümer als CEO abgelöst.

Es ist zu erwarten, dass diese Entscheidung auch Auswirkungen auf das Moto2-Projekt von MV Agusta haben wird. Denn bisher hat weder MV Agusta als Werk noch MV Agusta Reparto Corse offiziell zu den Moto2-Plänen Stellung genommen, auf den firmeneigenen Webseiten ist dazu nichts zu finden. Alle diesbezüglichen Informationen stammen mysteriöserweise von Forward Racing selbst.

Lorenzo Lanzi hat den MV-Agusta-Prototyp mit dem 765-ccm-Dreizylinder-Triumph-Motor zuletzt Ende September in Aragón getestet.

MV Agusta hat sich 1976 aus dem GP-Sport zurückgezogen.
Die ruhmreiche Marke MV Agusta, die sich auch als Helikopterhersteller einen Namen gemacht hat, wurde 1945 gegründet und hat im Motorradsport 38 Fahrer und 37 Konstrukteurs-WM-Titel errungen.

Allein Giacomo Agostini hat für MV Agusta 13 Fahrer-WM-Titel gewonnen. Er war Weltmeister in der 350-ccm-Klasse 1968, 1969, 1970, 1971, 1972 sowie 1973 und Weltmeister in der 500-ccm-Klasse 1966, 1967, 1968, 1969, 1970, 1971 und 1972.

«Ago nazionale», der 110 seiner 122 GP-Siege für MV errungen hat, bringt null Verständnis für die kuriosen Moto2-Pläne von Giovanni Castiglioni und Giovanni Cuzari auf. Nicht zuletzt, weil der Motor von Triumph kommt und das Chassis bei Suter Industries in der Schweiz gebaut wird. Ago würde es vorziehen, wenn MV in der Superbike-WM weitermacht.

Übrigens: Forward hat im Herbst 2017 den Einstieg von MV Agusta schon für 2018 angekündigt. Aber die verantwortlichen MV-Manager aus Schiranna wie Entwicklungschef Brian Gillen stellten beim Valencia-GP 2017 fest: «Wenn wir kommen, dann erst 2019.»

Forward verlautbarte wenig später, man werde 2018 in der Moto2-WM quasi das Werksteam von Suter bilden. Aber das ganze Jahr war kein Suter-Truck im Paddock zu sehen, der Track-Support war unsichtbar, die Weiterentwicklung auch. Es wurden einfach die 2017-Bikes aufgebraucht...

Cuzari hat sich mit MV Agusta schon öfter verschätzt. Beim Sepang-GP 2015 kündigte er gegenüber SPEEDWEEK.com an: «Ich werde 2016 Teamprinzipal von MV Agusta in der Supersport-WM und Superbike-WM sein. Wir werden 2017 oder spätestens 2018 in die MotoGP-WM einsteigen. Und MV Agusta möchte die Einheitsmotoren für die Moto2-WM 2019 liefern.»

Nichts dergleichen ist jemals passiert.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.

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Lorenzo Lanzi beim Test in Aragón auf der Forward-Maschine mit Stahlrahmen und Triumph-Motor © Fitti Weisse Lorenzo Lanzi beim Test in Aragón auf der Forward-Maschine mit Stahlrahmen und Triumph-Motor
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