Moto2

Forward: Bisher fehlt ein Bekenntnis von MV Agusta

Von - 26.11.2018 09:26

Forward schmückt zwar sein Moto2-Team mit dem MV Agusta-Logo. Aber wie viel hat Forward mit MV Agusta und der Rennfirma Reparto Corse wirklich zu tun?

Forward-Racing-Teambesitzer Giovanni Cuzari plaudert seit dem Sommer 2017 von der GP-Rückkehr von MV Agusta. Jetzt trat das Team im MV-Design erstmals beim Moto2-IRTA-Test in Jerez öffentlich auf – mit den Piloten Dominique Aegerter und Stefano Manzi, die die WM 2018 auf den Rängen 17 und 24 beendet haben.

In der Pressemitteilung nach dem Jerez-Test sprang sogar das Logo von «MV Agusta Reparto Corse» ins Auge.

Als Ansprechpartner bei Reparto Corse wird auf der Website Teammanager Claudio Quintarelli genannt, als Fahrer werden Torres, De Rosa und Badovini erwähnt, die 2018 für MV die Superbike- und Supersport-WM bestritten.

MV Agusta in der Moto2-WM – Fehlanzeige.

MV-Agusta-Teambesitzer Andrea Quadranti ließ im September 2918  seinen Schützling Jordi Torres aus dem SBK-Team zu Avintia-Ducati in die MotoGP-WM gehen, als Ersatz für Tito Rabat, weil er Mühe hatte, die Saison finanziell über die Bühne zu bringen.

Giovanni Castiglioni, damals noch CEO von MV Agusta, traf für die Superbike-WM-Saison 2014 eine Vereinbarung mit Alexander Yakhnich, Chef von Yakhnich Motorsport, um die neue Racing Team-Firma MV Agusta Reparto Corse zu etablieren. Das SBK-Team wurde dann von Yakhnich Motorsport betrieben und finanziert, es nahm an der Supersport- und Superbike-WM teil.

Später wollte Castiglioni den Rennbetrieb wieder selbst übernehmen. Es war aber der vermögende italienische Geschäftsmann Andrea Quadranti, der den Rennbetrieb vom November 2015 bis zum Saisonende 2018 managte und finanzierte und als Teambesitzer auftrat. Nur das Material dürfte von MV geliefert worden sein. Quadranti gilt als Privatmann, der überwiegend auf eigene Kosten ein Rennteam unter dem Banner von MV einsetzte, damit es offiziell aussah. So profitierten beide Seiten.

Eine Abordnung von MV Agusta kam 2017 zum Valencia-GP, und Entwicklungschef Brian Gillen erklärte damals, man suche ein Spitzenteam für die Moto2-WM 2019. Er sprach mit Aki Ajo und anderen namhaften Rennstallbesitzern.


MV-Agusta-Teammanager Quadranti stellte Cuzari vor einem Jahr bloß. «MV Agusta wird sicher nicht für ein Jahr ein Bike mit Honda-Motor bauen und dann auf die Dreizylinder-Motoren von Triumph umsteigen», stellte er sinnvollerweise fest.

Cuzari hatte schon in Misano im September 2017 ein Kalex-Bike im MV-Design präsentiert und angekündigt, er werde 2018 in der Moto2-WM das MV Agusta-Werksteam bilden. In Wirklichkeit trat er dann mit den 2017-Bikes von Suter an. Kalex engineering-Chef Alex Baumgärtel hatte Forward untersagt, seine Fahrzeuge unter der Bezeichnung MV Agusta einzusetzen.

Seit dem Valencia-GP 2017 haben wir kein offizielles Lebenszeichen von MV Agusta zum Thema Moto2-WM gehört. Auf der MV-Homepage wird kein Wort dazu erwähnt. Alle Press Releases dazu kommen von Forward. Bei MV herrscht Funkstille.

Vielleicht hat MV Agusta abgewartet, ob Forward ein schlagkräftiges Paket für 2019 schnüren kann. Aber die Topfahrer wie Pasini, Lowes und Di Giannantonio haben bei diesem obskuren Team alle der Reihe nach abgelehnt, Fenati musste wegen seiner Eskapaden wieder gekündigt werden. Aegerter durfte nur andocken, weil er das finanzschwache Team mit 300.000 Euro mitfinanziert.

«Ich habe gesagt, uns interessiert dieses Projekt nur, wenn wir einen Vertrag mit dem MV-Agusta-Werk bekommen. Aber das war nicht möglich», erklärte Sam-Lowes-Manager Roger Burnett.

Auch das Selektions-Komitee (bestehend aus IRTA, Dorna, FIM) hält nicht viel von den MV-Plänen, denn Forward bekam für 2019 nur einen einzigen Moto2-Fixplatz, der zweite ist ein «commercial entry». Das ist als Misstrauenskundgebung ersten Ranges zu bewerten und bringt das Team um fixe Einnahmen in der Höhe von ca. 230.000 Euro (Startgeld, TV-Geld, Reisekostenzuschüsse).

Das Ergebnis des ersten MV-Auftritts in Jerez ist wohl auch nicht dazu angetan, die MV Agusta-Manager von den Sitzen zu reißen und auf eine Wiederkehr der ruhmreichen GP-Zeit zu hoffen: 14. Manzi. 22. Aegerter.

Von Giacomo Agostini, der 13 seinen 15 WM-Titel und 110 seiner 122 GP-Siege auf MV errungen hat, darf Cuzari keine Unterstützung zu erwarten. «Das ist doch ein reiner Marketing-Gag», wetterte Ago nazionale im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Die Mechaniker sind nicht von MV, die Motoren sind nicht von MV, das Chassis ist nicht von MV, die Gabeln sind nicht von MV, die Räder sind nicht von MV. Nichts! Was soll das?»

Das Chassis für das mutmaßliche MV-Motorrad von Forward wird bei Suter Industries in der Schweiz angefertigt. Aber der Vertrag läuft am 30. November 2018 aus. Die Italiener wollen ihn nicht erneuern, ist zu hören.

MV Agusta – vom einstigen Glanz blieb wenig übrig

Das ruhmreiche MV Agusta-Werk hat zwischen 1951 und 1976 im GP-Sport nicht weniger als 38 Fahrer und 37 Konstrukteurs-WM-Titel gewonnen. Die Grafen Agusta beschränkte sich danach auf die Herstellung von Helikoptern, die Motorraderzeugung wurde eingestellt. Doch die Castiglioni-Gruppe kaufte 1992 den Markennamen MV Agusta und erfüllte ihn mit neuem Leben.

Das Traditionswerk hat seither in regelmäßigen Abständen bewegte Zeiten erlebt. Importeure, Händler und Kunden erlebten turbulente Jahre. Zahlungsschwierigkeiten, Liquiditätsengpässe, Produktionsstilllegungen und unklare Konzepte sind seit Jahren an der Tagesordnung. Seit Firmenchef Giovanni Castiglioni im August 2011 einem Krebsleiden erlag, wurde die bizarre Gegenwart der Marke noch unüberschaubarer.

Claudio und Giovanni Castglioni hatten sich im Motorradgeschäft zuerst mit auch Cagiva (CAstiglioni GIovanni VArese) einen Namen gemacht, dann wurde Husqvarna gekauft und 2007 an BMW weiterverhökert, ehe das schwedische Fabrikat 2012 in den Besitz von Stefan Pierer und der KTM-Gruppe überging.

Auch Aermacchi gehörte zum Konzern von Castiglioni. 1997 kam die neue 750-ccm-Reihenvierzylinder MV Agusta F4 zum Vorschein, in den traditionellen MV-Farben Rot und Silber, das Design wurde in den höchsten Tönen gelobt, aber es dauerte bis 1999, ehe die F4 endlich in den Läden zu kaufen war – als F4 750 Serie Oro. Der legendäre Massimo Tamburini hatte als «Head of Design» wieder einmal ganze Arbeit geleistet und ein wahres Superbike-Prachtstück auf die Räder gestellt.

Seit einer Umstrukturierung 1999 existiert die Firma MV Agusta Motor S.p.A. in Schiranna, in einem Ortsteil von Varese. Aber bis heute stand MV nie mehr auf finanziell sicheren Beinen. Die Marke Cagiva ist längst eingeschläfert worden. 
Im Juli 2008 musste Castiglioni sein Prunkstück MV Agusta an den US-Hersteller Harley-Davidson verkaufen. Es wurde ein Kaufpreis von 70 Millionen Euro kolportiert. 
Ende 2008 erlitt MV einen schlimmen Rückschlag, denn unter dem neuen US-Eigentümer verabschiedete sich Massimo Tamburini vom Entwicklungszentrum Centro Richerce Cagiva (CRC) und von der Firma MV Agusta, welcher er jahrelang seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt hatte.

MV Agusta passte als italienische Kultmarke genau so wenig zu Harley wie vorher Aermacchi, außerdem geriet HD im Zuge der Weltwirtschaftskrise nach 2008 selbst in wirtschaftliche Turbulenzen. Deshalb entschloss sich Castiglioni im Sommer 2010 zum Rückkauf der Marke. Er bezahlte dafür einen symbolischen Preis – nämlich 1 US-Dollar und machte damit einen guten Deal  wie später beim Verkauf von Husky an BMW.

Seit dem Tod von Giovanni Castiglioni senior war dessen gleichnamiger Sohn für die MV-Geschäfte verantwortlich, mit überschaubarem Erfolg.

Der junge Castiglioni musste sich Ende Oktober 2014 in eine Kooperation mit Mercedes-AMG retten, weil seine Firma finanziell wieder einmal schwer angeschlagen war. Die Deutschen übernahmen 25 Prozent der Firmenanteile von der MV Agusta Motor S.p.A. Wenig später stand MV mit rund 70 Mio. Euro in der Kreide, man hätte die restlichen 75 Prozent gern an Mercedes-AMG übertragen, wenn Mercedes damit die Schulden der Italiener getilgt hätte.

Doch im Juli 2017 beendete Mercedes-AMG die Partnerschaft. MV Agusta kaufte die Anteile zurück und verbündete sich mit dem russischen Investor ComStar Invest.

Die Turbulenzen setzten sich fort, denn Ende 2016 stieg die Investment-Firma Black Ocean als Partner bei MV Agusta Motor S.p.A. ein. Vor wenigen Wochen meldete MV Agusta, man würde 50 Millionen ins Motorradgeschäft investieren, und diese Summe kommt offenbar von Investor Black Ocean, denn im selben Atemzug wurde MV-Agusta-CEO Castiglioni entmachtet und auf den Posten des Präsidenten weggelobt. Damit dürfte er vom operativen Tagesgeschäft ferngehalten werden, das nicht seine Stärke ist. Als neuer MV-Geschäftsführer agiert jetzt Timur Sardarov, der von der Investment-Firma Black Ocean kommt.

Ob Sardarov an einem Mittelfeldteam wie Forward für die Moto2-WM interessiert ist, bleibt abzuwarten.

Black Ocean gehört zur internationalen Holding Ocean Group und ist eine Investment-Firma, gegründet von den Unternehmern Oliver Ripley und Timur Sardarov, mit Niederlassungen in New York, London und Luxemburg. Black Ocean investiert in Technologiefirmen, Fliegerei, Immobilien und Landwirtschaft.

Die Aktionäre in den vergangenen 12 Monaten frisches Kapital in der Höhe von mehr als 50 Millionen Euro in MV eingeschossen. Im Gegenzug bekommt Black Ocean mit der Nominierung von Sardarov zum CEO mehr Einfluss im operativen Geschäft.

MV Agusta verkauft kaum 10.000 Motorräder im Jahr und will die Anzahl der Händler reduzieren, die verbleibenden Händler sollen so ihre Verkäufe und Umsätze steigern können. Dazu sollen in den nächsten zwölf Monaten acht markenexklusive MV-Flagshipstores eröffnet werden. Inzwischen wurde MV Agusta Moskau eröffnet, Mitte 2019 wird MV Agusta London aufgemacht.

An der Motorradmesse Mailand wurde eine unverkleidete Straßenmaschine enthüllt, die wieder «Brutale» genannt wird und mit 212 PS Motorleistung und 312 km/h Höchstgeschwindigkeit auftrumpft. Das bereits vorgestellte Edel-Superbike F4 Claudio wird in einer Auflage von 100 Exemplaren produziert.

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