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Legendäre Storys: Ralf Waldmann war nie sprachlos

Von - 10.03.2019 13:21

Die liebenswürdige und humorige Art von Ralf Waldmann war einmalig, über ihn ließen sich Bücher schreiben. In zahlreichen Kolumnen auf SPEEDWEEK.com hat er uns an seinem Leben teilhaben lassen.

Ich lernte Ralf Waldmann leider erst 2011 persönlich kennen, als er bei Markus Reiterberger als Mechaniker im Superstock-1000-Cup dabei war. Viel Zeit verbrachten wir erst 2013 zusammen, als Waldi in der Superbike-WM für Max Neukirchner und das Team MR Ducati von Steffen Pfüller und Mario Rubatto arbeitete.

Ich vereinbarte damals mit ihm, dass wir in regelmäßigen Abständen auf SPEEDWEEK.com eine Kolumne von ihm veröffentlichen und er uns einen Schwank aus seinem Leben erzählt.

Ich hatte das Vergnügen, diese Anekdoten zu schreiben. Stets bemühte ich mich, sie so natürlich und wortgetreu wiederzugeben, wie sie Waldi erzählte. Sein Stil war so lustig, unterhaltsam und einmalig, man konnte gar nicht anders als ihm andächtig zuzuhören, sein verschmitztes Grinsen stets vor Augen.

Als 20-facher GP-Sieger hatte er mehr Ahnung vom Rennsport als die meisten im Fahrerlager; er hat in seiner Karriere alle Höhen und Tiefen erlebt. Trotzdem war er mit 51 Jahren noch genauso bodenständig, humorig, herzlich und ehrlich wie vor 30 Jahren, als seine internationale Karriere begann. Ein rundherum liebenswerter Mensch, einer der Besten, die ich in meinem Leben traf. Sein Tod vor einem Jahr hat mich tief berührt und tut es heute noch.

«Früher musste man noch Leistung bringen, um Weltmeisterschaft fahren zu dürfen», pflegte Waldi stets zu sagen. «Heute brauchte man nur noch den richtigen Kontostand. Zeige mir deinen Kontostand und ich sage dir wie gut du bist. Wenn du früher nicht Deutscher Meister warst, hast du in der WM keinen Start gekriegt. Dann war schon ein Start in der EM ein Problem. Wenn du einen EM-Lauf gewonnen hast, durftest du vielleicht in der WM fahren. Und erst wenn du dort einen Punkt geholt hast, durftest du immer fahren. Ich habe früher gebettelt bei der OMK, dass ich fahren durfte. Damit war die fahrerische Auswahl ein ganz andere. Wer in der WM fuhr, war wirklich gut. Nur die Besten durften dort fahren.»

Ich habe mir einige von Waldis Kolumnen ausgesucht, die ich für besonders lesenswert halte. Genießen Sie diesen kurzweiligen Lesestoff.

Assen: «Wo steht, dass stürzen verboten ist?»

«In Assen gab es früher riesige Notstromaggregate. Mein Papa und ich haben im Fahrerlager grundsätzlich neben so einem Aggregat geparkt. In der warmen Abluft konnten wir gut das Polyester der Verkleidung trocknen, wenn ich mit meiner 80er oder 125er mal wieder einen Unfall hatte. Ich hatte auch immer mehrere Quadratmeter Alublech dabei – für die Schnellreparaturen ist das Polyester nicht schnell genug hart geworden. Dann haben wir die Verkleidung von innen mit Alublech vernietet und es ging wieder raus.»

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Monza: «Auch ohne Motorradrennen für Schrott gesorgt»

«Die Porsche-Leute haben mir immer gesagt, dass man sieht, dass ich aus dem Zweiradsport komme, weil ich in den Schikanen so dermaßen auf zwei Rädern unterwegs war, dass man den Unterboden gesehen hat. Da wollten wir schon Sponsor-Aufkleber draufmachen.»

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Imola: «Gnadenlose Aktion beim Anbremsen – das war geil»

«Wenn man sich als Fahrer Gedanken über die Gefährlichkeit einer Rennstrecke macht, ist das der erste Schritt zur Langsamkeit. Darüber nachdenken tut man doch nur, wenn man viel stürzt – ich kenn das von mir selber. Kein Gehirn, keine Kopfschmerzen, hat Kenny Roberts immer gesagt. Da ist was Wahres dran.»

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Nürburgring: «Spalt-Tablette rein und weiter»

«Schon im Training hat der Fixateur im Bein immer am Rahmen angestanden und vibriert. Das hat in den Zähnen gekribbelt, brutal. Bei 14.000/min bekam ich Schmerzen im Zahn. Ich immer das Bein weggehalten. Dann habe ich meinem Mechaniker Scholli gesagt, dass die Pins des Fixateurs zu weit rausstehen, das ist Kacke. Da hat er den Bolzenschneider genommen und die Edelstahldrähte abgeknickt. Er sagte dann: Kuck, die sind jetzt schön kurz. Ich: Astrein, jetzt geht es weiter!»

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Insel Man: «Kann gar nicht! Ich Zweitakter, Kompressor!»

«Mir ist schon klar geworden, weshalb im Fahrerlager in Douglas auf der einen Seite das Meer und auf der anderen der Friedhof ist. Wenn du schlecht fährst, kannst du ins Meer gehen und dich ersäufen. Und wenn du viel zu gut fährst, kommst du auf den Friedhof. Der Wahnsinn.»

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Istanbul: «Kein Toilettenpapier, nur ein Wasserstrahl»

«Der Verkehr ist bemerkenswert. Rechts vor links gibt es nicht, der Stärkere hat Vorfahrt. Ich mit dem LKW also ganz weit vorne. Als wir in der Türkei ankamen, sind wir nachts um 4 Uhr mit dem Bus durch die Stadt gebrannt. Ich schwöre, wir sind mit 100 Sachen durch eine Mautstelle gefahren, wo rechts und links nur noch eine Briefmarke hineinpasste. Der ganze Bus hat HUUUUAAAAA geschrien!»

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Magny-Cours: «In Frankreich werden viele Frösche gegessen»

«Im Qualifying 2011 hat Markus Reiterberger in Magny-Cours sein Motorrad zerstört, die BMW haben sie auf zehn Wassereimer verteilt angeliefert. Die war komplett im Arsch. Markus ist nach Start und Ziel abgeflogen, das Motorrad hat es mehrfach überschlagen. Wir haben Fotos, da ist das Ding 20 Meter hoch in der Luft, der Tank löste sich auf. Da war nix mehr. Die Drosselklappe war aus dem Motor herausgerissen.»

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Jerez: «Kopfschütteln, als er den Haufen sah»

«Ich bin 1988 mit dem Renault Traffic plus Wohnanhänger plus 500 Liter – sagen wir mal Diesel – in Kanistern nach Spanien gefahren. Die Kanister hatten wir von der Baustelle, da war mal Fußbodenbelag drin. Dr. Nüsken Fußbodenbelag. Der Fußbodenbelag hat sich irgendwann wieder aufgelöst, alle 50 Kilometer war der Dieselfilter zu. Wir haben geschlagene dreieinhalb Tage nach Jerez gebraucht.»

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Donington Park: «Nix next year, I am grandfather»

Dann sagte ich mir: «Jetzt Waldmann, Pokal oder Hospital. Den Berg runter, volle Rotze so quer gestanden, in der Schikane auch nur noch über die Knie gerutscht ... ich machte eine Pace, vom Allerfeinsten. Ich war pro Runde zehn Sekunden schneller als alle anderen, auf Start/Ziel habe ich dann noch gewonnen.»

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