Moto2

Hervé Poncharal (Tech3-KTM): «Habe volles Vertrauen»

Von - 18.04.2019 10:03

Red Bull-KTM-Tech3-Teambesitzer Hervé Poncharal ist vom bisherigen Abschneiden von Bezzecchi und Öttl enttäuscht. «Aber wir können nach drei Grand Prix kein Urteil abgeben», sagt er.

Das Red Bull KTM-Tech3-Team von Hervé Poncharal (62) musste bisher viel Geduld mit den beiden Moto2-Rookies Marco Bezzecchi (20) und Philipp Öttl (22) aufbringen, die bei allen Wintertests im Hintertreffen waren und sich nur langsam steigerten. Aber zuletzt gab es Lichtblicke. In Las Termas verpasste Bezzecchi den letzten Punkt erst in der letzten Runde gegen Jesko Raffin, in Austin drang er in Runde 11 an die zwölfte Stelle vor, dann schmiss der letztjährige Moto3-WM-Dritte seine KTM weg – und verpasste die ersten Moto2-Punkte.

Philipp Öttl setzte seinen Aufwärtstrend in Amerika fort: Platz 25 am Freitag und am Samstag, Rang 18 im Rennen. Generell tun sich die Rookies in diesem Jahr schwer: Selbst Moto3-Weltmeister Jorge Martin (2018 mit acht GP-Siegen!) aus dem Red Bull KTM-Ajo-Team hat in drei Rennen erst zwei Punkte erbeutet.

KTM ist jedenfalls momentan nicht das beste Motorrad der Klasse. In Katar kamen im Rennen zehn Kalex auf den besten zehn Plätzen ins Ziel. In Texas traf die beste KTM auf Platz 15 ein, in den Top-12 lagen elf Kalex, auf Platz 3 die Speed-up von Navarro.

Sogar NTS und MV Agusta schnitten in den USA besser ab als die Österreicher. In der WM-Tabelle liegt Brad Binder (Sturz in Texas) als bester KTM-Pilot mit 14 Punkten auf Platz 10. WM-Leader ist Baldassarri mit 50 Zählern.

Teambesitzer Hervé Poncharal nimmt im Interview mit SPEEDWEEK.com zu den mühseligen ersten drei Grand Prix Stellung.

Hervé, du hast schon oft mit Rookies zu tun gehabt, aber deine Geduld wird auf eine harte Probe gestellt. Hast du eine Erklärung für den schwachen Saisonstart? Selbst der letztjährige WM-Dritte Brad Binder schnitt bisher enttäuschend ab. Warum fällt deinen Fahrern die Anpassung so schwer?

Ja, selbst Binder ist nur manchmal schnell. Dazu kommt, wir haben erst drei Grand Prix und zwei Wintertests hinter uns. Es ist also schwierig, bisher ein endgültiges Urteil abzugeben.

Besonders bei Marco Bezzecchi haben wir alle mehr erwartet, Pit Beirer, Stefan Pierer, Jens Hainbach, Red Bull und ich. Alle Beteiligten hofften, dass ihm der Klassenwechsel leichter fallen würde.

Momentan ist es schwierig, die Gründe zu erklären.

In Katar wurde Marco zu Beginn des Rennens von einem anderen Fahrer gerempelt. In Argentinien hatte er deshalb noch starke Muskelschmerzen. Als ihn Raffin im Finish angriff, war er halb tot wegen der Schmerzen. Aber das ist nicht die einzige Erklärung.

Doch wir haben bereits in Argentinien etwas Licht gesehen, denn seine Quali-Zeit war identisch mit jener von Jorge Martin, obwohl sich Jorge Martin in der Moto2 viel schneller zurechtgefunden hat.

Wir dürfen nicht vergessen: Wir haben zwei Moto2-Rookies, Philipp und Marco Bezzecchi. Und wir haben eine brandneue Maschine, eine KTM mit WP Suspension, wir haben neue Motoren, eine neue Elektronik. Wir haben sehr wenig Erfahrung mit diesem gesamten Paket und den zwei Piloten.

Wir stecken mitten in einer Lernphase.

Aber null Punkte nach drei Grand Prix. Damit hat keiner gerechnet?

Klar, wir haben alle gehofft, dass wir näher an der Spitze sein würden. Aber ich habe immer noch volles Vertrauen in Marco. Wir haben ihn für zwei Jahre verpflichtet. Marco ist sehr ehrlich, sehr anständig. Er sagt dauernd: «Redet nicht über das Motorrad, nicht über das Team, redet über mich. Ich fahre momentan nicht so, wie ich fahren sollte.»

Er bemüht sich, er hat viele Kollegen aus der VR46-Akademie in der Moto2. Baldassarri, Marini, Bulega, sie trainieren dauernd zusammen. Ich bin zuversichtlich, dass er sich steigern wird. Er hat sich schon von Katar zu Argentinien deutlich gesteigert, in Texas stand er bereits auf dem zwölften Startplatz. Man darf nicht vergessen, wie unglaublich eng es in der Moto2-Klasse zugeht.

Baldassarri ist WM-Leader. Er fährt seine sechste Moto2-Saison. Schrötter, Lüthi, Alex Márquez, Xavi Vierge – wie viele Jahre sind sie dabei? Alle zwischen fünf und zehn Jahren!

Ich erinnere mich, dass Baldassarri 2014 bei Gresini nur WM-25. geworden ist. Man darf also bei Neulingen nicht nach drei Rennen die Flinte ins Korn werfen.

Ich habe volles Vertrauen.

Wir sehen, dass Brad Binder als Top-KTM-Moto2-Fahrer nicht gewinnt.

Dieses Motorrad hat viel mehr Potenzial als unsere Resultate erkennen lassen.

Bisher wird unser Motorrad von unseren Piloten noch nicht richtig ans Limit gebracht.

Bezzecchi stürzte am Sonntag im Rennen an zwölfter Stelle.

Richtig. Und wir werden uns weiter anstrengen. Wir haben eine gute Atmosphäre in der Box. Klar, momentan sind wir enttäuscht. Aber ich sage meinen Fahrern und den Jungs in der Box jeden Tag: «Wir stehen hinter euch. Wir wissen, dass wir Zeit brauchen. Wir sind entschlossen, von Rennen zu Rennen besser zu werden.»

Pit Beirer weiß das. Wir haben die Fahrerwahl gemeinsam getroffen, zwischen Tech3 und KTM. Wir halten zusammen und werden auch mit Philipp Öttl schrittweise stärker.

Deshalb sage ich nach drei Rennen kein negatives Wort. Ich vertraue auf Marco und ich vertraue auf Philipp.

Besuch‘ mich im Juni in Mugello oder Barcelona wieder. Dann setzen wir dieses Gespräch fort. Ich rechne damit, dass wir dann besser dastehen.

WM-Stand Moto2 (nach 3 von 19 Rennen)

1. Baldassarri 50. 2. Schrötter 47. 3. Lüthi 45. 4. Gardner 38. 5. Alex Márquez 36. 6. Marini 27. 7. Navarro 24. 8. Bastianini 21. 9. Lowes 19. 10. Binder 14. 11. Locatelli 14. 12. Lecuona 13.

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Hervé Poncharal © Gold & Goose Hervé Poncharal COTA: Im Rennen hielt sich Bezzecchi (72) vor Martin und Bastianini (33) © Gold & Goose COTA: Im Rennen hielt sich Bezzecchi (72) vor Martin und Bastianini (33) Philipp Öttl in Texas: Platz 18 © Glänzel Philipp Öttl in Texas: Platz 18
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