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Ursenbach bebt: Gedenkfeier für Genie Helmut Fath

Von - 26.05.2019 08:43

Der zweifache Gespann-Weltmeister und geniale Konstrukteur und Tuner Helmut Fath wäre am 24. Mai 90 Jahre alt geworden. Anlass genug für eine eindrucksvolle Gedenkfeier.

Helmut Fath wäre am 24. Mai 90 Jahre alt geworden. Das nahm der MSC Oberflockenbach zum Anlass, um im Schriesheimer Ortsteil Ursenbach zu Ehren des zweifachen Gespann-Weltmeisters eine Gedenkfeier und die dritte Auflage von «Ursenbach bebt» durchzuführen.

Die Gedenkfeier für den Ehrenbürger von Ursenbach begann am Freitag um 18 Uhr auf dem dortigen Friedhof, wo der 1993 verstorbene Fath bestattet ist. Die Veranstaltung wurde im Dorfgemeinschaftshaus (Ortsstraße 3) fortgesetzt. Wesentlich mehr Besucher erschienen am gestrigen am Samstag, 25. Mai, denn da fand «Ursenbach bebt» statt, das von einem Organisationskomitee abgewickelt wurde, dem unter anderem der MSC Oberflockenbach angehört.

Auf der alten Teststrecke von Helmut Fath zwischen Ursenbach und der Ursenbacher Höhe donnerten rund 30 klassische Solo-Motorräder und etliche Renngespanne die Fahrbahn hoch. Das zeigt: Helmut Fath ist auch 26 Jahre nach seinem Tod in der Vollgasszene noch in bester Erinnerung geblieben, denn es traten prominente Fahrer an. Darunter der siebenfache Seitenwagen-Weltmeister Tim Reeves aus Großbritannien, der ein Fath-Zweitaktgespann lenkte, und der zweifache Seitenwagen-Weltmeister Rolf Steinhausen, der die WM 1975 und 1976 gewann.

Auch Helmut Fath (er starb am 19. Juni 1993 im 65. Lebensjahr) eroberte 1960 auf BMW und 1968 auf der URS-Eigenkonstruktion zwei Seitenwagen-Weltmeistertitel.

Das zeichnete Fath besonders aus und machte ihn einmalig: Der Ursenbacher war nicht nur ein Weltklasse-Gespannfahrer, sondern auch ein begnadeter Konstrukteur und Tuner, der selbst Motoren entwickelte, darunter den URS genannten, revolutionären 500-ccm-Viertakt-Vierzylindermotor. Fath hat ihn nach Anfangsbuchstaben von Ursenbach benannt. «Die Ursenbacher sollen auch etwas von meiner Bekanntheit haben. Die mussten ja auch den Krach erdulden, den ich bei den Prüfstandsversuchen gemacht habe», lautete die Begründung des kauzigen Konstrukteurs und Rennfahrers.

Rolf Edelmann organisierte die ersten beiden Veranstaltungen «Ursenbach bebt», er war einst Augen- und Ohrenzeuge. «Ich sehe ihn noch vor mir, wie er Richtung Rippenweier rast. Da hat man plötzlich einen Riesenlärm gehört und gewusst: Jetzt probiert er wieder etwas aus», erzählte er den Kollegen vom Mannheimer Morgen.

Testfahrten mit nicht für den Verkehr zugelassenen und extrem lauten Rennmaschinen auf öffentlichen Straßen waren natürlich verboten. Aber bis die gelegentlich alarmierte Polizei eintraf, war Fath schon wieder über alle Berge.

Edelmann kommt trotzdem ein Zwischenfall in den Sinn. «Fath fiel bei einer Testfahrt oberhalb von Ursenbach vom Gespann, das unbemannt weiter rollte, knapp den Postbus verfehlte und in einem Garten landete. Aber Konsequenzen gab es keine.»

1970 beendete Fath seine Fahrerkarriere. Er war fast 42 Jahre alt. Doch auch danach blieb Ursenbach ein Mekka der Motorradstars, denn Fath galt bald als PS-Zauberer für alle möglichen Zweitakt-Rennmotoren. Der siebenfache Weltmeister und Rolls Royce-Fahrer Phil Read sorgte in Ursenbach für Aufsehen. Er schwor auf das Können von Fath und eilte dank dessen 250-ccm-Yamaha-Motoren von Sieg zu Sieg, auch als ihn das Yamaha-Werk kündigte, weil er eine Stallorder zugunsten seines Stallkollegen Bill Ivy missachtet hatte. Noch viele Jahre später zählte Fath zu den besten Tunern, Martin Wimmer wurde Kunde bei ihm. Der dreifache 250-ccm-GP-Sieger und gescheiterte MZ-Firmenchef war gestern ebenfalls in Ursenbach zu sehen.

Edelmann ist nicht der einzige, der den Ursenbacher Fath als Genie und Motorenpapst bezeichnet. «Er hat am Geräusch von Motoren Leistungsmängel erkannt und wie man sie beheben kann. Das muss man im Blut haben.»

«Fath hat als Privatmann in seiner Werkstatt einen revolutionären Motor entwickelt, wofür Werke große Teams einsetzen», pflichtet Klaus Vogel bei, Chef des Motorradmuseums in Otterbach. «Helmut Fath war ein Genie.»

Ursenbach hat nur 180 Einwohner – und brachte gestern bei super Frühlingswetter eine stattliche Anzahl von Besuchern auf die Beine. Der Bratwurststand war bald ausverkauft. Der Ansturm der Fans war wohl größer als erwartet. In den Höfen und Seitenstraßen wurde das Fahrerlager aufgeschlagen, der Eintritt war frei. Die Fans konnten die ausgestellten kostbaren Fahrzeuge aus nächster Nähe bewundern. Das Gleiche an der Strecke – es gab Motorsport zum Anfassen.

SPEEDWEEK.com-Fotograf Fritz Glänzel ergötzte sich besonders an den wunderbar restaurierten ehemaligen Werks-MV Agusta, die der «Edelsammler» Bernd Wagner an die Strecke brachte. Seine Söhne Nico und Timo pilotierten eine Original-Vierzylinder MV Agusta aus der Giacomo Agostini-Ära und dazu eine Dreizylinder über die kurvige Strecke.

Kein Sinfonie-Orchester klingt besser!

Eine ausgestellte 350-ccm-Sechszylinder-Werksmaschine von MV Agusta wurde nicht gefahren, denn es wurden verdächtige Motorgeräusche wahrgenommen, die vor dem nächsten Start einer technsichen Abklärung bedürfen.

Fritz Glänzel, in Hohenstein-Ernstthal am Sachsenring aufgewachsen: «Für mich war der Sound echt emotional, die Kindheit am Sachsenring klang in meinen Ohren.»

Rolf Steinhausen trieb mit lässiger Schirmmütze sein Busch-König- 500-ccm-Gespann recht straff über die Strecke. Ein vorbildliches Beispiel für Sicherheit im Motorsport sieht anders aus.

Gesehen wurden auch Dieter Braun und Martin Wimmer. Das erste Gespann, das Fath selbst gebaut hat, war nur ausgestellt.
Die Zuschauer waren sich einig: Spätestens in zehn Jahren sehen wir uns in Ursenbach wieder.

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Das Weltmeister-BMW-Gespann von Fath aus dem Jahr 1960 © Glänzel Das Weltmeister-BMW-Gespann von Fath aus dem Jahr 1960 So sieht das erste von Helmut Fath gebaute Gespann aus © Glänzel So sieht das erste von Helmut Fath gebaute Gespann aus Die MV-Agusta-Sechszylinder: Kein Sinfonie-Orchester klingt besser © Glänzel Die MV-Agusta-Sechszylinder: Kein Sinfonie-Orchester klingt besser Als man die Beifahrer noch «Schmiermaxen» nannte: BMW-Gespann aus alten Tagen © Glänzel Als man die Beifahrer noch «Schmiermaxen» nannte: BMW-Gespann aus alten Tagen Martin Wimmer (hinten links) und Rolf Steinhausen mit dem Fath-Dreirad © Glänzel Martin Wimmer (hinten links) und Rolf Steinhausen mit dem Fath-Dreirad Fahrtwind statt Sturzhelm: Rolf Steinhausen mit seinem Busch-WM-Gespann © Glänzel Fahrtwind statt Sturzhelm: Rolf Steinhausen mit seinem Busch-WM-Gespann
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