Moto2

Toni Mang 70 – Blick auf eine schillernde Karriere

Von - 29.09.2019 10:09

Toni Mang kürte sich in den 1980er-Jahren zum fünffachen Motorrad-Weltmeister: Der Bayer setzte sich zweimal in der 350er-Klasse und dreimal bei den 250ern durch. Heute feiert er einen runden Geburtstag.

Der fünffache Motorrad-Weltmeister Anton «Toni» Mang feiert am heutigen 29. September seinen 70. Geburtstag. Der Bayer aus Inning am Ammersee gewann 42 Motorrad-WM-Läufe und wird vielleicht für immer der erfolgreichste Motorradrennfahrer auf Solomaschinen in Deutschland bleiben.

Anton Mang feierte 1976 auf dem Nürburgring seinen ersten GP-Sieg auf einer Morbidelli in der 125-ccm-Klasse. 1980 errang er auf Kawasaki den ersten WM-Titel in der 250-ccm-Klasse und wurde im selben Jahr beim Finale auf dem Nürburgring im Kampf gegen Jon Ekerold Vizeweltmeister der 350-ccm-Klasse.

Ein Jahr später gelang Toni Mang 1981 auf Kawasaki die Doppelweltmeisterschaft in den Klassen 250 und 350 ccm. 1982 wurde er erneut auf Kawasaki Weltmeister in der 350-ccm-Kategorie. Mit 38 Jahren holte er 1987 seinen fünften WM-Titel auf der Werks-Honda in der Viertelliterkategorie.

Vor zwei Jahren drehte Mang bei der 40. Jubiläumsveranstaltung der «Hockenheim Classics» auf dem Hockenheimring nochmals auf seiner Kawasaki seine Runden.

Toni Mang: Aller Anfang ist schwer

Toni Mang war im internationalem Motorradsport kein Senkrechtstarter. Er hatte neben dem Zweiradsport anfangs auch andere Interessen, sie drückten sich im Namen seines privaten Rennstalls aus: «Immerfeicht Racing Team». Unter dieser Bewerbung trat Mang anfangs sogar in der Weltmeisterschaft an.

Als Sepp Schlögl, Tonis Kumpel aus Inninger Jugendtagen, für die Saison 1971 beim zweifachen Weltmeister Dieter Braun als GP-Mechaniker anheuerte, brachte er Mang als Anhängsel und «Mädchen für alles» in die neue Partnerschaft mit. Braun: «Der Toni hat mir anfangs sogar die Haare geschnitten.»

Doch der Bayer verfügte auch über fahrerisches Talent, und immer wieder vertraute ihm Braun bei internationalen Rennen (zum Beispiel in den Niederlanden) eine seiner Top-Rennmaschinen an.

Nicht immer gab Mnag bei diesen Anlässen wahre Talentproben ab. «Einmal habe ich Toni bei einem Rennen in Holland als das kommende neue Talent aus Deutschland angepriesen. Aber er ist im Rennen in einer der ersten Kurven gestürzt. Dort konnte er dann im Graben seinen Rausch ausschlafen», erinnert sich Braun schmunzelnd.

Aus dieser Zeit stammt eine Eigenbau-Rennmaschine namens SMZ, die Braun sporadisch in der 250er-WM einsetzte. SMZ stand für Schögl, Mang & Zender.

Als sich Braun beim Nürburgring-GP 1976 und dann beim GP-Saisonauftakt 1977 in Salzburg schwere Kopfverletzungen zuzog und aufhören musste, schlug die große Stunde von Toni Mang, der sich mit dem 125-ccm-GP-Sieg 1976 in der Eifel längst als Nachfolger des Ex-Weltmeisters empfohlen hatte. 

Anstelle von Braun erhielt Mang danach die begehrten Kawasaki-Werksmaschinen (250 und 350 ccm) für die Saison 1978. Nach anfänglichen Schwierigkeiten begann eine sehenswerte Karriere, obwohl Mang anfangs gegen die Kawasaki-Stars Kork Ballington und Gregg Hansford auf verlorenen Posten stand. Doch als sich WM-Leader Ballington im Juni 1980 überraschend einer Magenoperation unterziehen musste und für drei Rennen ausfiel, sicherte sich der Deutsche seinen ersten Weltmeistertitel.

Von der DKW über die SMZ in die WM

Die Begeisterung für den Motorradsport wurde Toni Mang offenbar in die Wiege gelegt. Mit elf Jahren machte er bereits mit einer DKW TR 125 die Gegend unsicher. Aber Mang konzentrierte sich zuerst auf Skibob-Rennen, für die Motorräder fehlte das nötige Kleingeld. Mit einer umgebauten 50-ccm-Kreidler bestritt er später sein erstes Motorradrennen.

In der Deutschen Motorrad-Meisterschaft schwang sich Mang in Augsburg später auf die SMZ 250, er feierte seinen ersten Sieg. 1975 folgte bereits der erste Gewinn in der Deutschen Meisterschaft (350 ccm), im selben Jahr debütierte Mang beim GP von Österreich in Salzburg in der Weltmeisterschaft (350 ccm auf Yamaha).

1980 glänzte Mang nicht nur mit dem Gewinn des 250-ccm-WM-Titels, er kämpfte in einer spannenden Saisin gegen Jon Ekerold auch um den 350-ccm-Titel – und unterlag bei einem denkwürdigen Finale auf dem Nürburgring; Mang musste sich mit dem zweiten WM-Rang abfinden.

Zu diesem Zeitpunkt besaß Toni Mang längst auch als Fahrer einen Ruf von Weltklasseformat. 1981 wurde er in Deutschland zum Sportler des Jahres gewählt, denn er gewann damals die WM-Titel in den Klassen 250 und 350 ccm in überragender Manier, sein Name war in aller Munde.

1982 gewann Toni Mang den letzten 350-ccm-WM-Titel der Geschichte, diese Kategorie wurde danach aus dem WM-Programm gekippt. In der 250-ccm-WM verlor Mang den Titel 1982 um einen Punkt gegen den Franzosen Jean-Louis Tournadre, der davon profitierte, dass Mang wie etliche andere Topfahrer den Nogaro-GP wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen boykottierte. Beim Finale in Hockenheim machten fünf Franzosen auf der privaten Yamaha für Tournadre Platz, der dadurch nach vorne rückte und als krasser Aussenseiter die WM gewann.

1983 folgte ein unrühmliches Kapitel in der ruhmreichen Laufbahn von Toni Mang. Er unterschrieb für Suzuki in der 500er-WM, aber es wurde nie genau definiert, welches Material das Werksteam bereitstellen würde. Außerdem zog sich Mang vor der Saison beim Skifahren eine langwierige Knieverletzung zu. Toni bestritt im ganzen Jahr nur vier 500-ccm-WM-Rennen, er sammelte nur zwei WM-Punkte ein, er wurde nur WM-Achtzehnter – und kehrte 1984 reumütig in die 250er-WM zurück.

Der geniale Techniker Sepp Schlögl tunte eine private Yamaha mit viel Geschick, Mang gewann 1984 den Frankreich-Grand Prix und wurde einmal Zweiter, er beendete die WM als beachtlicher Gesamtfünfter – und war zurück im Geschäft. Die Rücktrittsgedanken verflogen, obwohl Mang bereits 35 Jahre alt war.

Schuld daran war ein Angebot von Honda für die 250er-WM 1985. Mang setzte damals neben dem späteren Weltmeister Freddie Spencer die völlig neue Honda NSR250 ein, er wurde Vizeweltmeister, Marlboro trat bei ihm als Hauptsponsor auf.

Mang heiratete damals die Südafrikanerin Colette, es kam zu Abnützungserscheinungen mit Freund Sepp Schlögl und nach 1986 zur Trennung vom langjährigen Weggefährten. Doch auch ohne Schlögl gewann Mang mit achten weiteren GP-Siegen noch einen Weltmeistertitel – 1987 auf Honda in der 250er-Klasse. 1986 war ein vierter WM-Rang vorausgegangen.

Mang startete mit einem Sieg in die Saison 1988, aber ein schwerer Sturz beim GP von Jugoslawien in Grobnik beendete seine aktive Karriere. 154 Grand Prix hat Toni bestritten, er hat 42 Siege erobert, total 84 Podestpätze und 34 Pole-Positions, dazu hat er 26 mal die schnellste Rennrunde gedreht.

Als Teamchef gescheitert

Im August 1988 verkündete Toni Mang bei einer Pressekonferenz im Fahrerlager des Salzburgrings, dass er keine Rennen mehr bestreiten werde. Sponsor Rothmans und Honda wollten aber das Team weiterführen, also bekamen Jochen Schmid und Helmut Bradl für den Goiania-GP in Brasilien im September je eine Werks-Honda, der besser platzierte Deutsche sollte die Saison auf der NSR250 zu Ende fahren. Schmid stürzte, Bradl landete auf Platz 6 – und fand dadurch 1989 Platz im HB-Honda-Team von Dieter Stappert, als Teamkollege von Reinhold Roth.

Denn Toni Mangs Bemühungen, wie viele andere prominente Rennfahrerkollegen (Roberts, Rainey, Pons, Gresini, Cecchinello usw.) ein professionelles GP-Team zu betreiben, scheiterten. Honda wollte die Werksmaschinen nur zusagen, wenn ein Topfahrer unter Vertrag stand, die Topfahrer (wie Luca Cadalora) wollten zuerst die Finanzierung sehen und die Zusage von Honda...

Toni Mang veranstaltet seither Renn-Trainings für «Racing for Fun»-Enthusiasten.

Für drei Jahre betrieb der fünffache Weltmeister jedoch mit Sepp Schlögl und Adi Stadler (von Honda) ein 125-ccm-Team für Marcel Schrötter, der 2008 und 2009 die IDM 125 gewann und dazu die EM 125 im Jahr 2009.

Als der Bayer dazu beim GP-Debüt in Valencia 2009 mit einer Wildcard auf Platz 5 brauste, wurde für Schrötter 2010 ein Honda-125-GP-Team gebildet. «Doch «Celly» erfüllte die Erwartungen als letzter Honda-Mohikaner gegen die überlegenen 125er-Bikes von Aprilia, Gilera, Derbi und KTM nicht, das Toni-Mang-GP-Team wurde zugesperrt.

Auf diesem Wege herzlichen Glückwunsch und alles Gute zum Geburtstag, lieber Toni!

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Anton «Toni» Mang mit seiner Kawasaki © Michael Sonnick Anton «Toni» Mang mit seiner Kawasaki Mang mit seinem Chefmechaniker Sepp Schlögl (links) © Michael Sonnick Mang mit seinem Chefmechaniker Sepp Schlögl (links) Toni Mang mit dem Originalpokal vom 2. Platz in Hockenheim von 1982 © Michael Sonnick Toni Mang mit dem Originalpokal vom 2. Platz in Hockenheim von 1982
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