Moto2

Michael Bartholemy (Marc VDS): Mühsamer Weg zum Titel

Von - 26.12.2014 17:02

Im fünften Jahr dominierte das Marc VDS-Team die Moto2-WM nach Belieben. Teammanager Michael Bartholemy blickt auf die schwierigen Anfangsjahre zurück und erklärte die Ursachen des Erfolgs.

Das belgische Marc VDS-Team hat 2014 die Moto2-WM dominiert wie kein anderer Rennstall zuvor. Tito Rabat gewann den WM-Titel mit sieben Siegen vor seinem Teamkollegen Mika Kallio.

Bis zum Aragón-GP 2014 hatte Marc VDS alles gewonnen – mit Ausnahme von drei Rennen: Vinales siegte in Texas, West in Assen, Aegerter in Sachsen.

Dank der finanzstarken Unterstützung des belgischen Bier-Milliardärs Marc van der Straten (VDS) hat sich das Team in wenigen Jahren vom blutigen Anfänger zur Topadresse entwickelt.

2015 folgt der logische nächste Schritt: Marc VDS steigt mit Scott Redding auf einer werks-Honda RC213V in die MotoGP-WM ein.
Weniger rühmlich verlief das Moto3-Abenteuer. 1,3 Millionen Euro wurden in den kleinen Belgier Livio Loi investiert, im Sommer erfolgte die Trennung, weil die Resultate zu wünschen übrig liessen.

SPEEDWEEK.com hat mit Marc-VDS-Teammanager Michael Bartholemy ein ausführliches Exklusiv-Interview geführt. Der Belgier leitete das Kawasaki-MotoGP-Werksteam, ehe er das Marc-VDS-Team zum Weltmeistertitel führte.

Aber die ersten Jahre verliefen nicht unbedingt verheissungsvoll.

Michael, Marc VDS kam 2010 in die damals neue Moto2-WM. Bei den Fahrern, bei der Materialfrage und bei der Technikcrew wurden nach den ersten Jahren Änderungen vorgenommen. Es lief nicht von Anfang an rund?

Ich meine, da hast du Recht. Die ersten zwei Jahre waren auf jeden Fall schwierig. Wenn man ein völlig neues Team gründet, ist es schwer, die besten Leute zu finden und von diesem Projekt zu überzeugen.
Normalerweise sind die besten Leute und Fahrer in den besten und renommiertesten Teams. Wir haben 2010 mit Héctor Faubel und Scott Redding als Fahrer angefangen. Wir traten in der neuen Moto2-Kategorie an, die wir nicht kannten. Es dauerte eine Weile, bis wir uns an die Spitze vorgearbeitet haben. Wir mussten rausfinden, wie man vorgehen muss, welche Techniker wir brauchen.
Wir haben auch in den letzten Jahren immer wieder neue Techniker engagiert und uns allmählich verbessert. Wir mussten einiges ausprobieren.
Das erste Jahr 2013 mit Scott Redding war okay, es war akzeptabel. Wir holten immerhin zwei Podestplätze. Aber es war nicht so top wie jetzt die letzten beiden Jahre. 2011, das zweite Jahr, war eine Katastrophe.
Im vierten und fünften Jahr lief es eigentlich perfekt. 2013 haben wir die ganze Zeit mit Redding die WM angeführt, sie aber dann gegen Pol Espargaró verloren. Scott hat den Titel nicht nur wegen dem Sturz in Phillip Island verloren, es gab nach der Sommerpause einige Rennen, bei denen Scott keine anständigen Quali-Ergebnisse herausfuhr. Deshalb gelang es ihm in den Rennen nicht, gute Punkte einzufahren.
Immerhin sind wir im Vorjahr Vizeweltmeister geworden.

2014 kam der endgültige Durchbruch. Rabat und Kallio übertrafen die Erwartungen?

Ja, wir wurden in der WM Erster und Zweiter. Wir haben uns nach 2012 für Kalex entschieden. Wir hatten das richtige Motorrad und in allen Bereichen ausgezeichnete Techniker. Dadurch sind die Leistungen stabil geworden.
Wir haben für 2014 eigentlich nicht mehr viel verändert.
Nach dem zweiten Jahr hatten wir eine stabile Phase mit dem Fahrerduo Redding/Kallio, das drei Jahre lang gleich blieb. Dadurch wurde es leichter, für 2014 mit Rabat einen neuen Fahrer reinzubringen und innerhalb eines Jahres mit ihm Spitzenresultate zu machen.

Bei den Technikern hast du von Anfang an einige Leute engagiert, die du schon aus der Kawasaki-Zeit in der MotoGP gekannt hast?

Ja, ja, klar. Wir haben viele Leute von Kawa mitgenommen und waren in diesem Bereich immer erstklassig aufgestellt. Die Koordination des Teams hat immer gut geklappt. Aber es hat ein paar Jahre gedauert, bis wir mit Kaneko einen zweiten Top-Crew-Chief für Kallio hatten und bis wir auch beim Data-Recording bei beiden Piloten zufriedenstellend besetzt waren.
In den ersten zwei Jahren waren manche Leute nicht frei, manche mussten erst überzeugt werden, ich habe mit vielen verhandelt. ich wollte zum Beispiel den deutschen Data-Recording-Techniker Gerold «Hugo» Bucher haben, aber er bekam dann ein Angebot von Marc Márquez...
Bei einem neuen Projekt ist es anfangs schwierig, die Topleute zu überzeugen. Am Anfang kannte niemand Marc VDS. Alle warteten ab und dachten: Wir dieses Team bestehen bleiben? Klappt es mit der Finanzierung? Solche Sachen gingen den Leuten durch den Kopf.
Aber wir haben uns gehalten und uns allmählich einen Namen gemacht.
Wir haben heute das viert- oder fünftgrösste Budget in der Moto2. Es gibt mit Sicherheit drei oder vier Teams, die mehr Geld haben als ich.
Aber es hat sich bezahlt gemacht, dass unser Teambesitzer Marc van der Straten eine eigene Rennfirma namens «Moto2 GP S.A.» betreibt; sie gehört Marc zu 100 Prozent. Das Budget, das von Marc kommt, ist eigentlich in den letzten Jahren immer gleich geblieben. Aber wir haben über die Jahre auch Partner gefunden, die uns zusätzlich unterstützen. Wir arbeiten mit Marc VDS auch bei anderen Projekten zusammen.
Wir sind alle Gehaltsempfänger; alle von uns haben ein festes Einkommen. Alle Gelder fliessen direkt in den Rennsport. Es wird nichts in neue Hallen und Luxusautos investiert, wir gehen lieber öfter testen und leisten uns manche Dinge, die sich andere Teams nicht leisten. Zum Beispiel fliegt unser ganzes Team im Oktober zu den drei Übersee-Rennen in der Business-Class. Zu diesem Zeitpunkt in der Saison sind alle müde, also gönnen wir der Mannschaft diesen Luxus, sich ein bisschen ausruhen zu können. So kommen sie ausgeruhter zur Rennstrecke.
Wer lieber Economy fliegt, bekommt die Preisdifferenz ausbezahlt.

Nach der Saison 2012 kam der Wechsel von Suter zu Kalex. Das war der richtige Zeitpunkt?

Ich denke schon. Ich kannte Eskil Suter aus meiner Kawasaki-Zeit, es war eine Bauchentscheidung von mir, 2010 und 2011 mit ihm zu fahren.
Wir hatten dann 2011 einen Vertrag als Entwicklungsteam bei Suter. Doch Marc Márquez bekam im September neues Material von uns, das war nicht ganz clever gemacht. Wir sind dann auf Kalex umgestiegen, das war eine gute Entscheidung. Wir sind nachher gute Resultate eingefahren. Und es macht Spass, mit Alex Baumgärtel von Kalex zu arbeiten.

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