Moto3

Tim Georgi: «Mit mir hat keiner richtig geredet»

Von - 07.12.2018 11:09

Der 18-jährige Berliner Tim Georgi gehört zu den erfolgversprechendsten Talenten in Richtung Moto3-WM. Doch trotz zahlreicher Erfolge liegt die Karriere des Nachwuchspiloten seit Monaten brach. Besserung nicht in Sicht.

Die Saison 2018 möchte Tim Georgi am liebsten ganz schnell vergessen. «Es waren mehr Tiefen als Höhen», fasst er sein Motorsport-Jahr zusammen. Mit dem Kiefer-Junior-Team war er in der hart umkämpften Junior-Weltmeisterschaft in Spanien angetreten, war aber punktelos geblieben und fehlte die zweite Saisonhälfte ganz. Georgi selbst hat ein Rennmotorrad schon seit Monaten nicht mehr von Nahem gesehen, geschweige denn gefahren.

Es war zu hören, sein ominöser «Berater» Bernd Barig habe bei Kiefer die versprochene Mitgift nicht abgeliefert. Deshalb kam es zur Trennung.

Mit seiner Wildcard hatte der Berliner, der im Mai 18 Jahre alt geworden ist, im Vorjahr im verregneten freien Training beim GP von Brünn für Furore gesorgt und mal eben vor der kompletten Weltelite den ersten Platz belegt. Im Fp2 schaffte er Platz 6. Doch seit dem geht es bei dem Nachwuchsfahrer nicht mehr vorwärts und er muss kämpfen, dass er die Saison 2019 auf die Reihe bekommt.

Zurzeit absolviert der Teenager eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und bringt fachmännisch Autoteile an den Mann und die Frau.

Mit SPEEDWEEK.com sprach er jetzt über die Geschehnisse der letzten Monate und wagte dabei auch einen Blick in die Zukunft.

Tim, seit Juli bist du von der motorsportlichen Bildfläche verschwunden. Für das Kiefer-Junior-Team bist du nicht mehr in der Junior-WM angetreten. Was war da los?

Das Junior-Team, in dem auch der Belgier Sasha de Vits unterwegs gewesen war, ist inzwischen aufgelöst und ist auch im November beim Finale der Junioren-WM nicht mehr angetreten. Mit mir hat in der Zeit niemand so wirklich gesprochen; das ging alles zum Großteil an mir vorbei. Es ging wohl wie bei anderen Fahrern auch ums Geld.

Ich selber konnte den Vertrag mit dem Kiefer-Team ja Anfang des Jahres nicht unterschreiben, weil ich da noch gar nicht volljährig war. Das hat mein Berater Bernd Barig getan. Ich persönlich hatte mit diesen Dingen gar nichts zu tun. Für das Rennen in Aragon hatte ich mir dann frei genommen, aber kurz vorher kam von Jochen Kiefer der Anruf, dass ich nicht mehr kommen brauche. Wir hatten da keinen Krach oder so. Seit dem haben wir aber auch keinen Kontakt mehr.

Es platzte auch die Möglichkeit, mit dem Team Freudenberg erneut einen Wildcard-Einsatz in der Moto3-WM zu absolvieren. Wie enttäuscht warst du über diese Entwicklung?

Das war für mich auch eine schwammige Sache, über die mit mir direkt keiner so richtig konkret geredet hat. Es stand mal im Raum. Aber ich hatte da keinen Einfluss drauf.

Ich weiß ehrlich nicht, wer mit wem da was geredet hat. Ich war da aussen vor und plötzlich bin ich dann gar nichts mehr gefahren. Das war schon eine frustrierende Erfahrung.

Für mich hat sich da so angefühlt, von wegen, jetzt ist er weg und gut ist. Deswegen habe ich dann erst mal gar nichts gesagt oder was bei Facebook gepostet. Was hätte ich auch sagen sollen?

Sogar WM-Veranstalter DORNA war an deinem WM-Start in Brünn 2018 interessiert. Hast du da noch irgendwelche Kontakte oder ist das eingeschlafen?

Ich selber hatte da nie einen Kontakt. Dass die wohl an mir interessiert waren, habe ich bei SPEEDWEEK.com erfahren.

In der Junioren-WM wollte dir dieses Jahr nicht so wirklich was gelingen. Du musstest die erste Saisonhälfte ohne Punkte abschließen. Wie schätzt du das heute mit ein wenig Abstand ein?

Ich bin ja nur drei Rennen gefahren. Und da lief es gar nicht gut. Ich will es jetzt nicht alleine auf das Motorrad schieben. Aber in der Junioren-WM fahren die Teams so richtig auf. An der Spitze sind richtige Werksteams dabei. Ich hatte eine KTM Baujahr 2015, auch mit einem Motor aus 2015. Da kann man mit den Jungs auf aktuellem Material einfach nicht mithalten.

Testen waren wir nur einmal in Valencia und da war das Wetter eine reine Katastrophe. Ich bin ja schon Ende 2016 die letzten beiden Rennen für das Kiefer-Team gefahren.

Die Ergebnisse sahen am Ende nicht so super aus. Beim ersten Rennen bin ich zum Beispiel durch einen Rempler nach dem Start weit zurückgefallen, aber die Zeiten hätten gut für Punkteränge und Plätze Richtung Top Ten gereicht.

Du bist alle Nachwuchsklassen gefahren, die es gibt. Minibike, Junior-Cup, IDM Moto3, Northern Europe Cup – und hast alles gewonnen. Wohin hat dich das gebracht?

Nirgendwohin. Wie du siehst, ich sitze zu Hause.

Wie ist deine aktuelle Situation? Was läuft in Richtung 2019?

Im Moment ist es schwer. Zum Motorrad fahren hätte ich total Bock. Ich habe schon mal kurz darüber nachgedacht, aufzuhören. Aber nein, das will ich nicht. Auf gar keinen Fall. Ich hab da schon noch bisschen was vor. Richtung 2019 läuft es aber auch nicht rund.

Wenn Geld keine Rolle spielen würde: Was fehlt, um dich und andere deutsche Nachwuchspiloten auch international auf den richtigen Weg zu bringen?

Ich persönlich würde gerne noch mal die Junioren-WM fahren. Auf richtig tollem Material, auch um zu zeigen, dass ich das kann.

Der Sprung direkt in die Moto3-WM wäre schwierig, glaube ich, nachdem ich so lange nicht gefahren bin. Da bräuchte ich schon ein bisschen mehr Vorlaufzeit.

Aber diese Gedanken brauche ich mir ja nicht machen, die Plätze in der WM sind eh alle belegt.

Die bisherigen Stationen von Tim Georgi

2010: ADAC Mini Bike Cup
2011: ADAC Mini Bike Cup
2012: ADAC Mini Bike Cup
2013: ADAC Mini Bike Cup
2014: ADAC Junior Cup 2014 powered by KTM/Gesamtsieger
2015: IDM Moto3-Meister
2016: CEV Repsol Junior-WM
2017: Northern Europe Cup – GP-Klasse/Meister
Wild Card Supersport-300-WM
Wild Card Moto3-WM Sachsenring und Brünn
2018: CEV Repsol Junioren-WM

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