Moto3

Aki Ajo: Erfolg mit Zuckerbrot und Peitsche

Von - 13.01.2019 13:32

Der Finne Aki Ajo hat in den letzten elf Jahren mit seinen Teams sechs Fahrer-WM-Titel gewonnen – 2016 erstmals gleich zwei mit Binder und Zarco. Wie lautet sein Erfolgsgeheimnis?

Der finnische Teambesitzer Aki Ajo hat uns während der Moto3-WM-Saison 2012 mehrmals erzählt, er sei dabei, dem spanischen Hitzkopf Luis Salom ruhiges, finnisches Blut zu injizieren, um dem inzwischen tödlich verunglückten Red Bull KTM-Werksfahrer während der Rennen zu mehr Gelassenheit, Ruhe und Übersicht zu verhelfen.

Meistens wirkt Aki Ajo, der ehemalige Rennfahrer und leidenschaftliche Teamchef, ungeheuer unerschütterlich und nervenstark. Aber nach Highlights wie dem Titelgewinn von Brad Binder beim Aragón-GP im September 2016 gingen auch mit Aki Ajo die Emotionen durch. Der Teamchef gab mit brüchiger Stimme die ersten Interviews. Kein Wunder, denn in der Moto3-WM war er in den Vorjahren mit seinen Titelanwärtern Luis Salom, Jack Miller und Miguel Oliveira dreimal hintereinander beim Finale knapp gescheitert.

Besonders schmerzhaft war der Titelverlust 2015, denn der Portugiese Oliveira hatte nach dem Misano-GP 110 Punkte auf den späteren Weltmeister Danny Kent wettgemacht und den Fight schließlich nur um sechs Punkte verloren.

Auch der sensationelle Erfolg von Can Öncü beim Moto3-WM-Debüt 2018 in Valencia brachte den finnischen Teambesitzer aus der Fassung.

Dabei betont Aki Ajo gerne, Siege und Titelgewinn seien im Motorsport nicht das Wichtigste.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Wer mit Mike di Meglio (2008), Marc Márquez (2010, Sandro Cortese (2012) und Brad Binder viermal Weltmeister in der kleinsten GP-Klasse war, will sich nicht mit Almosen zufriedengeben, schon gar nicht, wenn langjährige Partner wie KTM und Red Bull und WP Suspension hinter diesem Projekt stehen.

Aki Ajo hat sich auf ein Risiko eingelassen, als er sich für 2012 mit der Offroad-Firma KTM für das Moto3-Abenteuer verbündete, während die meisten anderen Teambesitzer auf Honda setzten – oder Kalex-KTM, weil sie dem Gitterrohrstahlrahmen und der WP Suspension misstrauten.

Aber das Risiko hat sich gelohnt. Kein Hersteller war in den fünf Moto3-Jahren erfolgreicher als die Innviertler, die vier Fahrer-Titel und vier Marken-WM-Titel sowie 59 GP-Siege errangen.

Aki Ajo hat gelernt, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. 2014 betrieb er noch drei getrennte Moto3-Teams mit zwei Marken (KTM und Husqvarna) und mit fünf Piloten. 2016 setzte er nur noch zwei Moto3-Fahrer ein – Brad Binder und Bendsneyder. 2017 waren es Antonelli und Bendsneyder, 2018 nur noch Darryn Binder.

Dafür ist Ajo Motorsport seit 2015 auch in der Moto2-WM aktiv – mit einer hinreißenden Erfolgsquote. Zwei Titelgewinne und nicht weniger als 15 Moto2-GP-Siege mit Johann Zarco in den ersten zwei Jahren, eine einmalige Bilanz, die alle Gegner vor Neid erblassen ließ. Dann baute KTM für 2017 erstmals selbst eine Moto2-Maschine, das Red Bull Ajo-Team heimste im ersten Jahr drei Siege ein und brachte Miguel Oliveira auf den dritten WM-Rang (hinter Morbidelli und Lüthi). 2018 landeten Oliveira und Brad Binder auf den WM-Rängen 2 und 3. Beide KTM-Fahrer gewannen je drei Grands Prix.

Damit ist Aki Ajo längst zum erfolgreichsten Teambesitzer in den kleinen Klassen avanciert. Er stellt Aspar Martinez, Sito Pons, Emilio Alzamora und Fausto Gresini in den Schatten, auch wenn diese Herrschaften als Rennfahrer wesentlich erfolgreicher waren als Aki, der als 125-ccm-GP-Fahrer nie einen WM-Punkt ergattert hat.

Natürlich hat auch Aki Ajo nicht überall ein goldenes Händchen gehabt und nicht immer das Maximum aus seinen Schützlingen herausgeholt. Danny Kent zum Beispiel blühte erst 2015 bei Leopard richtig auf.

Aber Ajo hat auch aus aussichtslosen Fällen schon Titelanwärter geformt. Für 2016 gab es zum Beispiel vor der Saison mindestens drei Fahrer, die höher eingeschätzt wurden als Brad Binder. Wer hätte dem Südafrikaner diese beispiellose Siegesserie mit sieben GP-Erfolgen 2016 zugetraut?

Über sein Erfolgsgeheimnis will Aki Ajo nicht reden. Aber er führt ein hartes Regime, er agiert mit Zuckerbrot und Peitsche. Selbst sein Sohn Niklas durfte 2014 im Husqvarna-Ajo-Werksteam mit keinen familiären Vergünstigungen oder mit übertriebener väterlicher Zuneigung rechnen. Aki verbat sich jede Bevorzugung. Niklas ist heute Manager des Ajo-Junior-Teams, er führte Can Öncü zum Sieg in Valencia.

Wer erfolgsorientiert arbeitet, wer Akis Zielstrebigkeit teilt und die nötige Angriffslust an den Tag legt, genießt bei Ajo Motorsport ein herrliches Leben.

Wer die hohen Ansprüche nicht erfüllt, muss gehen. Das haben zweifellos hoch talentierte Fahrer wie Jonas Folger, Arthur Sissis, Danny Kent, Karel Hanika, Bo Bendsneyder und andere zu spüren bekommen. Und zuletzt auch Darryn Binder.

Ob die erfolgreiche Marke «Ajo Motorsport» irgendwann auch in der MotoGP-WM eine Rolle spielen wird, lässt sich schwer einschätzen.

Als gewiefter und manchmal schlitzohriger Geschäftsmann weiß der Weltmeister-Macher, dass sich so manche Kollegen in der Königsklasse finanziell schwer verausgabt haben – man denke nur an Luis d'Antin, an das Interwetten-Team von Dani Epp 2010, an Martinez und Forward.

Von den Erfolgsaussichten gar nicht zu reden.

Als «Aspar» Martinez ein MotoGP-Team betrieb, konnte er sich bald kein Moto2-Team mehr leisten und in der Moto3 nicht mehr um den Titel kämpfen. Er war auf kostenloses Mahindra-Material angewiesen.

Ajo hat in den beiden kleinen Klassen 2016 die Weltmeisterschaft gewonnen – mit Brad Binder und Johann Zarco. Er kann auf die MotoGP vorläufig gut verzichten.

Der Finne könnte sogar den Finnland-GP wieder zurück auf den Kalender bringen – irgendwann will die Dorna auf dem neuen Kymi-Ring fahren.

Deshalb sollten zwei finnische Rennfahrer für die WM aufgebaut werden. Patrick Pulkkinen fuhr 2017 bei Prüstel-Peugeot die Moto3-WM. Und Supersport-WM-Talent Niki Tuuli wurde 2018 zum Petronas-Moto2-WM-Team befördert. Aber beide Finnen haben keinen GP-Vertrag mehr, Tuuli fährt immerhin bei Ajo 2019 den MotoE-Weltcup.

Aki Ajo hat aber in den letzten zwei Jahren in der Moto3-WM einige Rückschläge hinnehmen müssen. So erfüllte zum Beispiel 2017 das Fahrerduo Bo Bendsneyder & Niccolò Antonelli die Erwartungen nicht – sie landeten in der WM auf den Rängen 15 und 18.

Der erfolgsverwöhnte Ajo zeigte sich 2017 von Antonelli schwer enttäuscht. Er vermisste beim dreifachen Moto3-Sieger aus Italien das ganze Jahr über einen Aufwärtstrend. Nach den vielen Stürzen im Winter und im Frühjahr geriet der Italiener völlig aus dem Tritt, er konnte sich nach dem Umstieg von Honda mit der KTM nie wirklich anfreunden.

Sogar Testfahrer und Ersatzmann Danny Kent, Moto3-Weltmeister 2015 auf der Leopard-Honda, lieferte bessere Ergebnisse ab – er fuhr zum Beispiel im FP3 in Sachsen die drittbeste Zeit. Doch im Rennen stürzte er.


Damals sah es so aus, als könnte Kent irgendwann in der zweiten Saisonhälfte 2017 den Platz von Antonelli übernehmen. Aki Ajo rang mit sich und blieb dann loyal. «Ich betreibe seit 2001 ein GP-Team und habe noch nie einen Fahrer vor dem Auslaufen des Vertrags entlassen oder ersetzt. Ich möchte es auch jetzt nicht tun», erklärte der Finne damals.

Tatsächlich brachte Aki Ajo die Saison 2017 mit Antonelli und Bendsneyder zu Ende. Für 2018 fand er aber wieder keinen Moto3-Siegfahrer, Ajo, KTM und Red Bull einigten sich zu früh auf Darryn Binder, der 2018 monatelang enttäuschte und erst beim Japan-GP richtig aufblühte, wo er den Sieg erst auf den letzten Metern verspielte und endlich sein Können aufblitzen ließ, das ihm den Ajo-Vertrag eingebracht hatte. Aber in der WM-Gesamtwertung gelang Darryn Binder nur der 17. Rang mit 57 Punkten aus 18 Rennen.

Ajo Ajo sprach schon 2017 von einem langfristigen Moto3-Plan und hatte bereits damals die beiden türkischen Zwillinge Can und Deniz Öncü im Auge, die 2018 den Red Bull Rookies Cup dominierten und dazu im Red Bull KTM Junioren-Team die CEV Repsol Moto3-Junioren-WM bestritten.

Can Öncü darf bereits vor seinem 16. Geburtstag 2019 die gesamte Moto3-WM fahren. Ajo Motorsport hat also nach zwei mageren Jahren wieder einen potenziellen Weltmeister in seinen Reihen.

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