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Silverstone: Turbulente Jahre & seltsame Vorkommnisse

Von - 24.08.2019 13:28

Rund um den Silverstone Circuit und den British Grand Prix wurden in den letzten Jahren etliche merkwürdige Entscheidungen getroffen. Kehrt hier jetzt endlich Ruhe ein?

Die GP-Fahrer waren gespannt auf den neuen Asphaltbelag auf dem Silverstone, denn nach dem Desaster von 2018 musste die 5900 Meter lange GP-Piste innerhalb von 15 Monaten zum zweiten Mal neu asphaltiert werden. Die meisten GP-Piloten zeigen sich jetzt mit der Beschaffenheit der Fahrbahn zufrieden, vor allem die Drainage soll jetzt wesentlich verbessert worden sein, nachdem das Regenwasser im Vorjahr nirgends ablief und sich überall Pfützen bildeten. Deshalb konnte am verregneten Sonntag 2018 kein einziger der drei WM-Läufe durchgeführt werden.

Für 2019 hatte die Firma Aggregate Industries einen neuen Ashaltbelag aufgebracht, der aber weder genug Grip bot, noch die Bodenwellen wegzauberte und sich zudem außerdem als wasserdicht erwies.

Streckenbetreiber Silverstone Ltd. ist jetzt in einen Rechtsstreit mit Aggregate verwickelt. Man will die Kosten von ca. 4 Millionen Pfund für den neuen Belag von 2018 nicht zur Gänze bezahlen, weil er die Anforderungen nicht erfüllt hat.

Im Juni 2019 wurde inzwischen mit Hilfe der Firma Tarmac noch einmal ein neuer Belag aufgebracht, diesmal in Zusammenarbeit mit der italienischen Firma Dromo, der alle Ansprüche erfüllt.

Ein Hin und Her: Wales, Silverstone, Donington

Silverstone ist seit 2010 wieder Schauplatz des British Motor Cycle Grand Prix, aber die Dorna und die Teamvereinigung IRTA sind hier bisher nie glücklich geworden.

Nach der Rückkehr 2010 wurden hier 42 Millionen Pfund in den neuen Silverstone Wing investiert, in erster Linie auf Wunsch der Formel 1. Start/Ziel und das Fahrerlager wurden dann wegverlegt von Woodcote und Copse. Der «Wing» befindet sich zwischen den Kurven «Club Corner» und «Abbey».

Doch die MotoGP-WM wurde dort im Wing nie heimisch, der Paddock war zu klein, die Stromversorgung reichte nicht, die Zuschauer saßen auf der gegenüberliegenden Tribüne zu niedrig, sie konnten das Geschehen in der Boxengasse nicht beobachten. Dazu sahen die Crewmitglieder von der tiefer gelegten Boxengasse die Rennstrecke nicht.

Also kehrte der MotoGP-Tross nach zwei Jahren 2013 wieder an den alten Start/Ziel-Standort zurück.

Jetzt gefiel die Situation den Teams wieder besser, nur die Medien klagten, weil sie jetzt in einem Zelt als Media Centre arbeiten mussten, weshalb auf den Computer-Bildschirmen bei Sonnenschein nichts zu erkennen war und weil die Wege zu den Boxen immer länger wurden.

Richtig happy war niemand mit Silverstone als Schauplatz den British Grand Prix, deshalb unterzeichnete die Dorna einen Fünf-Jahres-Vertrag mit dem Circuit of Wales, 2015 hätte dort bereits der erste GP stattfinden sollen, es fand aber nie ein Baubeginn statt.

Also mietete sich der Circuit of Wales-Betreiber zwei Jahre lang in Silverstone ein, dann machte das Unternehmen von Michael Carrick pleite; Silverstone sprang 2017 selber wieder als Veranstalter ein. 2018 folgte das Regen-Desaster es drohte eine Abwanderung nach Donington Park. Dort hatte der British Grand Prix bis 2009 stattgefunden. Aber dort fehlt die Infrastruktur, deshalb bleibt der WM-Lauf jetzt drei weitere Jahre in der Grafschaft Northamptonshire.

Vor einem Jahr verlangte die Dorna die Entfernung des tristen Media-Centre-Zelts, aber die neue Lösung ist fünfmal schlechter als die bisherige. Denn jetzt wurde das Pressezentrum in ein Schulungsgebäude außerhalb des Circuits verlegt, 15 Minuten durch einen Tunnel vom bisherigen Standort entfernt. Am Freitag nahmen dort Dutzende Journalisten Reißaus und wanderten in ein kleines Media Centre in Paddock-Nähe, wo aber bald das WLAN dauernd zusammenbrach, außerdem existieren dort nicht genügend TV-Monitore.

Manchmal kommt man sich in Silverstone wie in der Dritten Welt vor, auch weil zum Beispiel auf den Toiletten das Wasser zum Händewaschen praktisch versiegt ist.

«Wenn wir dann wegen des Brexits ein Visum für England brauchen, kommt eh keiner mehr nach England», witzelte ein Kollege.

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