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Hervé Poncharal: Wie ernst ist Folgers Erkrankung?

Von - 12.10.2017 15:55

«Wie mir Cal Crutchlow berichtete, brauchte der Profi-Radfahrer Mark Cavendish bei derselben Erkrankung drei Monate, um wieder völlig fit zu sein», sorgt sich Tech3-Teamchef Hervé Poncharal um Jonas Folger.

Jonas Folger kann nicht am Japan-GP teilnehmen. Er reiste zurück nach München, um sich einigen Bluttests zu unterziehen. Der Bayer leidet mit großer Wahrscheinlichkeit erneut am Epstein Barr Virus, der Pfeiffer'sches Drüsenfieber verursachen kann. Folger hatte mit diesem Virus bereits 2012 zu kämpfen.

Teamchef Hervé Poncharal rechnet frühestens für Malaysia mit einer Rückkehr von Jonas Folger. Doch dem Franzosen ist bewusst, dass Folger auch weitaus länger fehlen könnte.

Cal Crutchlow klärte Poncharal über die langwierige Genesung auf, die Folger nun bevorsteht. «Er erzählte mir, dass der Profi-Radfahrer Mark Cavendish daran schon früher in diesem Jahr litt. Ganze drei Monate kostete es ihn, bis er wieder fit war. Andere Leute sprachen von einem oder eineinhalb Monaten. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Doch wir wissen es nicht. Nun müssen wir erst zu hundert Prozent sicher sein, dass es diese Krankheit ist. Erst dann können die Ärzte eine Prognose treffen. Nun eine Zeitspanne zu nennen, ist Bullshit. Viele spekulieren, doch wir müssen bescheiden bleiben. Ich bin Teambesitzer, kein Arzt. Bevor mir Crutchlow von Epstein Barr erzählte, kannte ich diese Krankheit nicht. Ich hatte nie davon gehört. Bei uns in Frankreich nennt man das wohl die Kusskrankheit. Ich kann Jonas daher nur einen Rat geben: Weniger küssen», scherzte der Teamchef.

Doch Poncharal ist bewusst, dass diese Situation nicht nur sein Team, sondern auch Folger bedrückt. «Das ist ein großes Problem und wirklich schwer für ihn. Auch für uns ist das nicht einfach. Wir befinden uns gerade in unterschiedlichen Verhandlungen und haben drei Rennen in Folge. Die Leute erinnern sich immer mehr an das letzte Rennen als an die erste Saisonhälfte», klagt Poncharal. «Doch wir müssen froh sein, dass wir nach so vielen Wochen nun wohl wissen, woran es lag. Jonas freut sich auch darüber, denn alle sagten ihm die letzten Wochen, dass körperlich alles normal sei. Er wusste nicht, warum er so schwach ist. An sich sind es schlechte Nachrichten, aber jetzt wissen wir immerhin, was zu tun ist. Hoffentlich kommt er bald zurück, ich weiß aber nicht wann.»

«Wenn Jonas in diesem Jahr gar nicht mehr fahren könnte, wäre das eine Schande. Aber ich würde es verstehen. Ich kann niemanden beschuldigen – nur das Leben. Ich will nicht, dass er zu früh zurückkommt. Er soll erst dann fahren, wenn er wieder ganz Jonas Folger ist. Im Moment ist er nur ein Geist, nicht Jonas Folger. Er machte auch keine Scherze mehr. Zuvor lachten wir immer und machten Witze. Es ist schade für Deutschland, Jonas und uns. Wir haben auf ihn gesetzt.»

Poncharal erfuhr erst am Mittwochabend, dass Folger in Japan nicht antreten kann. «Natürlich war es spät, aber ich will ihm das nicht zum Vorwurf machen. Auch er wusste es bis Mittwochabend nicht sicher. Für Jonas ist das nicht nur negativ. Er sagte zu mir: ‹Endlich sehe ich Licht am Ende des Tunnels.› Zuvor wusste er nicht, warum er so schwach ist. Fehlt es an Training oder Ruhe? Es wurde immer schlimmer. Ich kann ihm nichts vorwerfen, denn er hat alles getan, um das Rennen fahren zu können. Körperlich geht es ihm sehr schlecht, doch auch mental ist es nicht einfach. Ich muss dafür sorgen, dass er positiv denkt. Er ist besorgt, denn er konnte in Japan nicht einmal die Promotion-Events von Yamaha mitmachen. Ihm ist es wichtig, dass Yamaha weiß, dass es nicht daran lag, dass er nicht will. Jonas ist klar, dass viele Fahrer in die MotoGP-Klasse drängen und sein Motorrad ein Traum für sie alle ist. Meine Aufgabe ist es nun, dass er positiv gestimmt bleibt. Für mich ist der wahre Jonas Folger der, den wir auf dem Sachsenring gesehen haben. Oder Barcelona, als er die schnellste Rennrunde fuhr und gegen seinen Teamkollegen kämpfte. Ich will Jonas wieder auf diesem Level sehen.»

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