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Jonas Folger im Elend: Die Zukunft ist ungewiss

Von - 12.10.2017 17:50

Jonas Folger ist am Epstein Barr Virus (EBV) erkrankt und muss auf Motegi und voraussichtlich die zwei folgenden Grand Prix verzichten. Er wird seit 2011 durch gesundheitliche Probleme eingebremst.

Spätestens beim GP von Österreich vor zwei Monaten war zu erkennen, dass sich Jonas Folger nicht im Vollbesitz seiner Kräfte befand.

Er wirkte kraftlos, blass, niedergeschlagen, fast depressiv und rätselte über seine schwachen Ergebnisse.

Und das wenige Wochen nach dem grandiosen zweiten Platz beim Heim-GP auf dem Sachsenring.

Vielleicht ahnte der Yamaha-Pilot damals bereits, dass ihn seine Krankheit zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt der Saison wieder eingeholt hatte.

Folger sammelte bei den fünf Grand Prix in Brünn, Spielberg, Silverstone, Misano und Aragón nur 13 Punkte ein. In der makellosen ersten Saisonhälfte hatte er bei neun Rennen 71 Punkte eingeheimst, er war seinem starken Tech3-Yamaha-Teamkollegen Johann Zarco dicht auf den Fersen geblieben.

Auch die Qualifying-Ergebnisse bei den letzten fünf MotoGP-Auftritten ließen zu wünschen übrig: 14. in Brünn, dann 13. in Spielberg, 10. in Silverstone, 16. in Misano und 18. in Aragón.

Das war nicht mehr jener Jonas Folger, der im Frühjahr alle Erwartungen haushoch übertroffen hat und die MotoGP-Klasse im Sturm eroberte.

Teamchef Hervé Poncharal liess bereits in Silverstone Kritik anklingen, als Folger im Warm-up in der Out-Lap mit fast 300 km/h stürzte, weil er ein Bremsversagen vermutete. Dieser heftige Einschlag hat Folger sicher auch viel Energie geraubt.

Nach dem enttäuschenden 16. Platz in Aragón grübelte Poncharal: «Wir sehen in letzter Zeit definitiv nicht jenen Jonas Folger, den wir bis zum Sachsenring gesehen haben. Jonas hat mir in Spielberg und Silverstone gesagt, dass er sich krank fühlt...»

Folger selbst erwähnte nach dem Aragón-GP, er sei froh über die zwei rennfreien Wochenenden, er müsse in der dreiwöchigen Rennpause bis zum Japan-GP Energie tanken. Keine alltägliche Aussage für einen 24-jährigen Weltklassefahrer.

Man erinnerte sich plötzlich an den Le Mans-GP 2011, wo Jonas Folger im Red Bull Ajo-Team wegen eine Chlamydien-Infektion außer Gefecht war und an den Brünn-GP 2011, wo er am Donnerstag beim Rundgang um die Strecke zusammenklappte.

Folger wurde dann in der Clinica Mobile untersucht, er bekam Startverbot für die drei Brünn-Tage. Die Umstände blieben mysteriös, eine medizinische Ursache wurde nie bekanntgegeben.

Auch im Moto3-Team bei Jorge Martinez wurde in der zweiten Saisonhälfte 2012 und dann 2013 über rätselhafte Formschwankungen diskutiert – und eine Immunschwäche vermutet.

Später wurde Jonas in der Moto2-WM von seltsamen Durchhängern und mysteriöschen Misserfolgsphasen heimgesucht. Oft wurde die Ursache auf das Set-up geschoben, wie zuletzt auch mehrmals in der MotoGP-Klasse bei Tech3.

2014 glänzte der fünffache GP-Sieger auf der AGR-Kalex in Jerez, Le Mans und Mugello mit zwei dritten und einem sechsten Rang.

Doch danach eroberte er in acht WM-Läufen nur einen Punkt. 2015 sah es bei AGR besser aus: Aber nach den Siegen in Katar und Jerez dauerte es elf Rennen, ehe der Bayer wieder einen Podestplatz schaffte.

2016 im Dynavolt Intact GP-Team erkämpfte Jonas Folger in 16 von 18 Rennen Punkte, aber nach der Verlautbarung des MotoGP-Vertrags mit dem Tech3-Yamaha- in Le Mans blieb der Bayer monatelang weit hinter den Erwartungen. Nur bei den Regenrennen in Sachsen (Platz 2) und Brünn (Sieg) brauste er nach hoffnungslosen Startplätzen nach vorne. Aber der siebte WM-Rang entsprach nicht dem Saisonziel. Folger und sein Team wollten um den Titel fighten.

«Wir hoffen, dass Jonas als Moto2-Weltmeister zu uns kommt», hatte Poncharal im Mai 2016 versichert.

Im Vorjahr war im Intact-Team im Zusammenhang mit Jonas Folger erstmals von einer schwer heilbaren Infektionskrankheit zu hören – vom Epstein Barr Virus (EBV) und vom Pfeiffer’schen Drüsenfieber.

Inzwischen darf man vermuten: Diese wiederkehrende heimtückische Infektionskrankheit hat Jonas Folger in den letzten Jahren mehrmals daran gehindert, sein wahres Können und Talent zu entfalten.

Hervé Poncharal ist sichtlich enttäuscht, weil ihm sein Fahrer diese widrigen Umstände verschwiegen hat. Anderseits ist er froh, dass endlich eine Erklärumg für das schwache Abschneiden seit August gefunden wurde.

Trotzdem muss sich das Team und Folger samt seinem Umfeld die Frage stellen, ob man die zweieinhalb Wochen seit Aragón (25. September) nicht besser hätte nützen können – mit einem sorgfältigen medizinischen Check und gezielter Behandlung.

Besonders bei Leistungsportlern lässt sich schwer vorhersagen, wie rasch diese EBV-Symptome wieder verschwinden.

Jetzt bleibt zu hoffen, dass sich Jonas Folger zumindest bis zum Valencia-GP (10. bis 12. November) erholt, mit neuer Energie zurückkommt und dass diese Hiobsbotschaft keine langfristigen Nachwirkungen hat.

Deutschland braucht einen gesunden Topfahrer in der MotoGP-Weltmeisterschaft – für die Fans, für die TV-Quoten, für die Rennen auf dem Sachsenring und in Spielberg.

Aber die Mediziner können bei EBV wenig Hoffnung ist auf eine Wunderheilung machen – bei Rossis Schien-und Wadenbeinbruch war das anders.

Jonas Folger befindet sich an einem schwierigen Punkt seiner Karriere. Aber er hat dank seiner Leidenschaft für den Motorradsport schon andere Rückschläge (Entlassung bei MZ im Februar 2012, dann das Desaster mit der Moto3-Emir des Ioda-Teams) bravourös gemeistert.

Folger hat sich 2017 als Rookie mit der M1-Yamaha beachtlich aus der Affäre gezogen und manchmal sogar Rossi und Viñales besiegt. Sein Vertrag für 2018 wurde deshalb frühzeitig verlängert.

Und jetzt dieser Tiefschlag. Nun ist vieles in Frage gestellt. Es wird wohl einige Zeit dauern, bis eine verlässliche medizinische Prognose gestellt werden kann.Fakt ist: Die MotoGP-WM stellt mental und körperlich deutlich höhere Ansprüche als die Moto3 oder Moto2.

Die Königsklasse macht für einen Fahrer selbst bei einem begnadeten Naturtalent wie Jonas Folger nur Sinn, wenn er im Vollbesitz seiner Kräfte ist.

Jonas Folger gilt seit Jahren als größtes deutsches Motorradtalent seit Toni Mang. Er gewann schon mit 13 Jahren ein IDM-125-Rennen auf dem Salzburgring und fuhr in diesem Alter in der inernationalen spanischen 125-ccm-CEV-Meisterschaft aufs Podest.

Jetzt bleibt nichts anderes übrig, als auf die Kunst der Ärzte zu hoffen.

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