MotoGP

Cal Crutchlow: «Im Moment fahre ich die Honda»

Von - 16.05.2018 19:34

Cal Crutchlow machte beim Jerez-GP widersprüchliche Bemerkungen. Erst sprach er von anderen Angeboten – trotz eines HRC-Vertrags für 2019. Dann ruderte er zurück.

Für LCR-Honda-Pilot Cal Crutchlow lagen beim GP von Spanien in Jerez Licht und Schatten nahe beieinander. Bestzeit am Freitag, Bestzeit im Qualifying, aber dann zwei Stürze im Rennen, zweites Rennen in Serie ohne Punkte – und innerhalb von zwei Rennen vom ersten auf den siebten Platz zurückgefallen.

Aber das britische Stehaufmännchen erzielte am Montag wieder die zweitbeste Testzeit!

Bei Cal Crutchlow kommen ja nach Situation und Laune unterschiedliche Statement über seine Behandlung durch Honda und den technischen Zustand seiner Honda RC213V.

Nach dem Rennen am vorletzten Sonntag sagte er: «Dani und Marc haben auf der ganzen Rennstrecke nirgends schwarze Striche hinterlassen. So einfach ist das. Sie hatten besseren Grip. Ich musste deshalb mehr riskierten, ich musste beim Bremsen Zeit wettmachen und habe dadurch den Vorderreifen überhitzt – wie im letzten Jahr.»

Das habe zum ersten Sturz geführt, als er an vierter Stelle lag, ließ Cal durchblicken.

Zur Erklärung: Cal Crutchlow stehen nur Hinterradschwingen aus Aluminium zur Verfügung, das Repsol-Team experimentiert mit Karbonschwingen und setzt sie immer häufiger ein.

«Ich habe die Datenaufzeichnungen und mir jedes Video von Austin und Jerez genau angeschaut», betonte Cal. «Am Freitag haben sie überall schwarze Linien hinterlassen. Am Samstag haben sie manchmal schwarze Striche hingezaubert. Es hängt davon ab, auf welchem Motorrad sie unterwegs sind, und sie fahren nur spazieren. Marc war am Sonntag absolut auf einer Spazierfahrt.»

Naja, darüber lässt sich streiten, denn der WM-Leader und Jerez-Sieger stürzte in Jerez am Freitag, am Samstag, und am Sonntag im Warm-up.

Fakt ist aber: Das Repsol-Team fuhr im Qualifying und im Rennen mit der Karbonschwinge. Márquez spricht von geringfügigen Vorteilen. «Am Freitag bin ich meine beste Zeit mit der Aluschwinge gefahren.»

Crutchlow gab zu bedenken: «Man konnte sehen, ich hatte in Jerez das ganze Wochenende hindurch die nötige Pace. Aber wenn der Grip weniger wurde, hatten wir nicht mehr den nötigen Speed, weil wir nicht dasselbe Equipment haben. Aber ich dachte, ich könnte trotzdem gute Arbeit leisten – und machte den Fehler.»

Cal Crutchlow darf laut HRC-Vertrag keine technischen Geheimnisse und Einzelheiten ausplaudern. Deshalb äussert er sich kryptischer als in der Vergangenheit. «Es ist mir nicht erlaubt, detailliert über gewisse Teile zu sprechen. Mein Motorrad ist sehr gut. Trotzdem glaube ich, Marc hätte auf meinem Motorrad am Sonntag in Jerez nicht so leicht und überlegen gewonnen. Das ist meine Meinung. Aber er hätte dennoch einen Angriff auf den Sieg gestartet. Vielleicht sagen sie, das Teil sei nicht besser. Aber warum steckt es dann auf dem Motorrad? Wie gesagt: Mein Team und mein Hersteller haben mir ein gutes Motorrad gebaut, damit ich konkurrenzfähig sein kann. Und das war ich. Aber ich habe die Arbeit in Jerez nicht zu Ende gebracht. Und dieser Job lautete – auf das Podest fahren.»

Auch Weltmeister und WM-Leader Marc Márquez meldete sich zum Thema Hinterradschwinge zu Wort. Er sagte zum Unterschied von der Karbon- zur Aluschwinge: «Wir wissen das noch nicht exakt. Wir können noch nicht abschätzen, ob der Unterschied wirklich ein oder zwei Zehntel ausmacht. Es geht mehr um das Gefühl auf dem Motorrad. Mit der Karbonschwinge spürst du das Limit vielleicht besser. Du musst damit den Fahrstil etwas ändern. Wenn du schlau bist und weißt, wie du fahren musst, bist du damit schneller. Aber wenn du den Fahrstil nicht anpasst, ändert sich bei der Rundenzeit nichts. Trotzdem sieht es so aus, als sei die Karbonschwinge der Weg für die Zukunft. Beim Montag-Test habe ich auch wieder Vergleiche mit der Aluschwinge gemacht. Solche Vergleiche sind immer wieder wertvoll. Wir benutzen jetzt den ersten Prototyp. Honda beschäftigt sich zum ersten Mal mit Karbonfiber. Und es sieht so aus, als sei das ein guter Weg.»

Cal Crutchlow: «Verträge sind nur das Papiert wert»

Cal Crutchlow verblüffte in Jerez schon am Donnerstag vor dem ersten Training die Medien mit kryptischen Bemerkungen.

Der Honda-Pilot über seine Vertragssituation: «Verträge sind nur das Papier wert, auf dem sie geschrieben sind. Man kann Geld bezahlen und sich freikaufen. So einfach ist das.»

Wollte der Argentinien-GP-Sieger damit sagen, er habe keinen gültigen Vertrag? Es wurde doch verlautbart, er habe für 2018 und 2019 einen HRC-Vertrag unterzeichnet?

«Ja, ich würde mich als ‚free agent’ bezeichnen  – nur nicht in Bezug auf meinen Heiratsstatus... Ich muss abschätzen, was bei Honda vor sich geht. Ich bin hier happy und glücklich mit der Art und Weise, wie alles läuft. Aber es haben sich definitiv Möglichkeiten ergeben, die interessant für mich sein könnten. Ich werde sehen, ob ich wechseln will oder nicht. Es hängt davon ab, was bei Honda passiert. Wie ich schon oft erwähnt habe: Der Support ist 2018 besser als in anderen Jahren, ich bin sehr happy damit, aber das bedeutet nicht, dass sich die Dinge nicht ändern könnten. Wenn du sehr, sehr gute Resultate lieferst und nicht dafür belohnt wirst, dann musst du…»

Was Crutchlow nicht ausspricht: Er fühlt sich wohl als rechtmässiger Anweärter für den zweiten Platz im Repsol-Team und wundert sich, warum dieser Johann Zarco angeboten wurde.

Crutchlow weiter: «Ich muss meine eigenen Interessen verfolgen und mir die besten Optionen anschauen, die auf dem Tisch liegen. Es ist absolut kein Geheimnis, dass ich bin Honda glücklich bin. Aber du musst für deine Anstrengungen auch eine Belohnung bekommen, für deine Position in der WM zum Beispiel. Es läuft gut. Aber wenn andere Dinge auf dem Tisch landen, musst du dir darüber Gedanken machen, wenn du dein Potenzial beim Hersteller nicht wachsen siehst. So einfach ist das.»

Bei HRC besteht ein Vertrag für 2018 mit Option für 2019? «Nein, es ist ein Zwei-Jahres-Vertrag.» Wie damals bei Ducati, als du nach einem Jahr weggegangen bist? «Alles ist verhandelbar. Das LCR-Team leistet großartige Arbeit. Honda unterstützt mich gut. Die Zeit der Entscheidung wird kommen, sobald sie mir geben können, was ich will und was ich brauche. Danach werde ich einen Entschluß treffen», kündigte der Engländer an.

Was wünschte sich Crutchlow von HRC vor dem Jerez-GP? «Wo ist der Unterschied bei den Motorrädern? Am Ende will ich einfach erleben, dass ein paar Dinge passieren. Mein Plan ist es, bei Honda zu bleiben, und zwar für lange Zeit. Und irgendwann wechsle ich nachher vielleicht in die MotoAmerica-Serie.»

Kam das Interesse von anderen Teams überraschend für Cal, zumal er ja einen Vertrag für 2019 hat? «Nein, weil sie genau so viel wissen wie ich. Wenn du etwas tun willst, kannst du es mit der Hilfe eines Herstellers oder des WM-Organisators durchsetzen. Honda leistet gute Arbeit. Takeo Yokoyama und Tetsuhiro Kuwata – ausgezeichnete Manager. Und Yoshishige Nomura, der neue HRC-Präsident und Oberchef, er hat mich immer tadellos unterstützt – er hat meinen Vertrag unterzeichnet. Wir haben ein erstklassiges Arbeitsverhältnis. Es sieht positiv aus.»

Nach diesen widersprüchlichen Aussagen vom Donnerstag dürften die HRC-Manager ein paar Klarstellungen getroffen haben. Auch LCR-Teambesitzer Lucio Cecchinello können diese Bemerkungen nicht gefallen haben, schließlich rechnen seine Sponsoren auch für 2019 mit den Fahrkünsten des dreifachen MotoGP-Siegers Cal Crutchlow.

Am Samstag wollte Crutchlow in Jerez jedenfalls nicht mehr konkret über andere Angebote und Möglichkeiten oder gar einen Ausstieg aus dem HRC-Vertrag sprechen.

Der Honda-Pilot ließ durchblicken, er wolle sich auf die nächsten Aufgaben konzentrieren und Jagd auf den zweiten Saisonsieg machen. «Ich muss alle Optionen prüfen, die meine Karriere und mein Leben betreffen und wie ich behandelt werde», stellte er nur noch fest. «Im Moment fahre ich die Honda. Im Augenblick denke ich nur an den nächsten Grand Prix.»

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Cal Crutchlow nach dem zweiten Rennsturz in Jerez © Gold & Goose Cal Crutchlow nach dem zweiten Rennsturz in Jerez
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