MotoGP

Michael Bartholemy (VDS) entlassen – oder doch nicht?

Von - 17.05.2018 17:00

Nach rund achteinhalb Jahren wurde der Vertrag von Michael Bartholemy bei Marc VDS gekündigt. Teambesitzer Marc van der Straten meinte, ausreichende Gründe für die Entlassung zu haben. Bartholemy widerspricht.

Eigentlich wollte der Marc VDS-Teamprinzipal Michael Bartholemy heute in Le Mans um 15.30 Uhr eine Pressekonferenz veranstalten, sich dort den Fragen der Journalisten stellen – und seine Unschuld beteuern.

Denn das für Montag um 15.30 Uhr in Genf angesetzte Meeting der Streitparteien unter dem Vorsitz eines Bâtonniers, also des Präsidenten der örtlichen Rechtsanwaltskammer, wurde von Seiten der Anwälte von Teambesitzer und Bier-Milliardär Marc van der Straten am vergangenen Freitag abgesagt.

Michael Bartholemy, der das Team seit 2010 leitet und mit seiner Schweizer Firma MM Performance & Racing AG, Obstmarkt 1, CH-9100 Herisau, die Budgets verwaltet, war nach dem Platzen dieses Meetings («Dort wollten mich meine Gegner hängen») der Überzeugung, Marc VDS habe keine Beweise gegen ihn vorliegen.

Bartholemy steht im Verdacht, in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Es soll um einen siebenstelligen Euro-Betrag gehen. Die Italienerin Marina Rossi, von Bartholemy im Winter nach sieben Jahren entlassen, soll sich als Whistleblowerin betätigt und van der Straten belastende Unterlagen auf den Tisch gelegt haben.

Marina Rossi kam in Begleitung von Marc van der Straten zum Jerez-GP, wo eine Krisensitzung die nächste jagte.

Schon in Jerez war zu hören, der Franzose Gilles Bigot, Crew-Chief von Marc-VDS-Honda-Pilot Tom Lüthi, soll von Marc van der Straten als neuer Teammanager eingesetzt werden.

Die Vertragssituation bei den beiden Marc VDS-Teams sieht folgendermaßen aus: In der Moto2 kann Moto3-Weltmeister Joan Mir nur weggehen, wenn er ein Angebot von einem MotoGP-Werksteam bekommt, wobei Aprilia nicht als Werksteam gilt, weil die Plätze dem Kundenteam von Fausto Gresini gehören. Joan Mir hat also kaum Aussichten, in die MotoGP aufzusteigen. Alex Márquez fährt seine fünfte Moto2-Saison und hat mit Bartholemy mündlich vereinbart, dass er dem Team bis Ende Juni mitteilen darf, ob er 2019 Moto2 oder MotoGP fahren möchte.

In der MotoGP-Klasse hat Moto2-Weltmeister Franco Morbidelli bei Marc VDS einen Vertrag bis Ende 2020, Tom Lüthi nur für 2019. Wenn Alex Márquez aufsteigt, muss sich Lüthi ein anderes Team suchen.

Von dem ganzen Wirbel betroffen ist auch Aprilia-MotoGP-Pilot Scott Redding. Er kämpfte 2013 bei Marc VDS um den Moto2-Weltmeistertitel und hat damals Bartholemy zu seinem persönlichen Manager erkoren.

Auf Ex-Teamchef Bartholemy, der sich zugutehält, zwei Moto2-WM-Titel gewonnen und drei zweite WM-Ränge sichergestellt zu haben, prasselt jetzt viel Spott nieder. «Mit diesem Budget wäre jeder andere auch Weltmeister geworden», wetterte ein ehemaliger Geschäftspartner.

«Ich habe keinen einzigen Fehler gemacht», beteuerte Bartholemy in Jerez gegenüber SPEEDWEEK.com.

Tatsache ist: Die für heute um 15.30 Uhr in Le Mans von Bartholemy einberufene Pressekonferenz wurde um 14.06 Uhr von Communications Manager Ian Wheeler per E-Mail wieder abgesagt. Das kann nur auf Kommando von van der Straten passiert sein.

Jetzt rauchen die Köpfe.

Es ist durchgesickert, dass van der Straten seinen Teammanager unter Aufzählung einiger mutmaßlicher Missetaten schriftlich gekündigt hat, dass Bartholemy aber die Kündigung nicht akzeptiert und entgegnet, er könne alle Entlassungsgründe widerlegen.

Hinter der Marc VDS-Box trafen sich am Donnerstagnachmittag einige namhafte Teammitglieder. Alle räteln und grübeln, auch Sponsorship-Manager Fabrice Werner aus Belgien, und keiner weiß, was die Zukunft bringt. «Ich hoffe, dass es mit dem Team weitergeht», stellte Tom Lüthi fest. «Wichtig ist, dass wir die Saison zu Ende bringen und unsere Arbeit machen können. Ich kann nichts sagen, mir fehlen die Informationen. Ich will auch gar nicht zu viel wissen, ich will mich auf meinen Job konzentrieren. Mein vorrangiges Ziel: Ich will mit dieser Maschine besser und schneller werden.» Und Tom möchte Bigot als Crew-Chief behalten. «Gilles soll für mich schaffen...»

Der Schweiz Daniel M. Epp, jahrelang Teambesitzer in den Klassen 125 ccm, 250 ccm und Moto2 mit Fahrern wie Lüthi, Cortese und Öttl, macht sich Sorgen. Epp: «Wer soll das Team führen, wenn Bartholemy wirklich gehen muss? Gilles Bigot kann das sicher nicht nebenbei machen. Ich mache mir Sorgen um unsere Saison. Ich kann über Michael Bartholemy nichts Negatives sagen. Unser Deal ist über-über-korrekt abgelaufen.»

Ex-GP-Fahrer Stefan Prein, seit vielen Jahren als Riding Coach bei Marc VDS am Werk, will kein Öl ins Feuer gießen. Er verkniff sich einen Kommentar. «Ich kann nur sagen, ich bin seit 35 Jahren im Geschäft. Und ich hätte nie erwartet, dass ein Team, das so aufgestellt ist, in so eine Situation kommen kann und die Geschichte so endet.»

Ob Michael Bartholemy das Team an diesem Wochenende noch führen wird, kann niemand abschätzen. Ist er entlassen oder nicht?

«Wahrscheinlich schon», lautete heute um 16.40 Uhr die Antwort eines hochrangigen MotoGP-Funktionärs.

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