MotoGP

Lin Jarvis (Yamaha): «Kundenteam 2019? Wir warten ab»

Von - 09.06.2018 09:33

Yamaha hat seit 2015 keinen MotoGP-Titel gewonnen und sieht sich 2019 und 2020 mit einer Honda-Übermacht (Márquez & Lorenzo) konfrontiert. Aber es gibt weitere Sorgen. Lin Jarvis nimmt Stellung.

Bei Yamaha Motor Racing (YMR) in Gerno di Lesmo in Monza läuft es momentan nicht wie am Schnürchen. Rossi hat seit Assen 2017 kein Rennen gewonnen, Viñales seit Le Mans 2017 nicht.

Rossi wirft Yamaha vor, man habe die Weiterentwicklung der Einheits-Elektronik von Magneti Marelli verschlafen und sei deshalb gegenüber Honda und Ducati ins Hintertreffen geraten.

Die japanischen Yamaha-MotoGP-Topmanager Kouichi Tsuji und Kouji Tsuya stehen unter Druck.

Dazu ging das Tech3-Kundenteam verloren. Und als Jorge Lorenzo, auf Yamaha MotoGP-Weltmeister 2010, 2012 und 2015 und dazu auf der M1 mit 44 GP-Siegen gesegnet, wieder auf den Fahrermarkt kam, hatte Movistar-Yamaha längst den Vertrag mit Maverick Viñales (4 MotoGP-Siege) verlängert.

Selbst der WM-Zweite Rossi (dreimal auf Platz 3 in sechs Rennen) glaubt nicht an die Titelchancen 2018. «Dazu müssten wir Rennen gewinnen.»

Wir haben Lin Jarvis, Managing Director von Yamaha Motor Racing (YMR), ein paar Fragen gestellt.

Lin, in Mugello gab es viele Meldungen über ein neues Yamaha-MotoGP-Kundenteam. Petronas und Sepang Circuit wollen zwei Plätze, am liebsten jene von Marc VDS. Auch ein Deal Jorge Martinez kam auf den Tisch. Wie sieht die Situation aus der Warte von Yamaha aus?

Wir warten. Besser kann ich die Situation nicht beschreiben. Nach der Entscheidung von Tech3, Yamaha nach der Saison 2018 zu verlassen, haben wir mit verschiedenen Teams gesprochen.
Am weitesten fortgeschritten waren die Verhandlungen mit dem Marc VDS-Team. Sie sahen wir der vielversprechendste Kandidat für uns aus. Ein High-Quality-Team mit starken Fahrern an Bord.
Aber dann zwischen Jerez und Le Mans kam es bei diesem Plan zu einer Kernschmelze. Die ganze Situation hat sich geändert, es gab Unsicherheiten, die Kontinuität für die Zukunftspläne bei Marc VDS war nicht mehr gewährleistet.

Danach haben wir gewartet. Und wir warten noch immer.
Marc VDS kam nach Mugello. In Le Mans wurde Michael Bartholemy daran gehindert, seine Funktion im Team auszuüben.

Dann ist Marc VDS dem Barcelona-MotoGP-Test ferngeblieben.

Die Frage war nachher: Würde Marc VDS nach Mugello kommen?
Jetzt erwarten wir, dass das Team die restlichen Rennen in dieser Saison bestreitet.

Aber mich interessiert nicht wirklich, was sie 2018 tun. Mich interessiert die Zukunft.

Jetzt hängt alles in der Luft, was MotoGP betrifft. Bevor es bei VDS keine Klarheit gibt, können wir nicht einschätzen, ob sie ein Kandidat für ein Yamaha-Kundenteam sind oder nicht.

Wir alle haben Gerüchte und Namen von potenziellen Sponsoren gehört, mit deren Hilfe sich das Spiel ändern könnte und die das Geld aufbringen könnten.

Sepang Circuit und Petronas sind diese zwei Sponsoren. Aber das sind keine Gerüchte, sondern Tatsachen. Was fehlt, ist ein fixer Teamplatz. Und leider fehlen auch Fahrerkandidaten wie Lorenzo und Iannone, die sich für Repsol-Honda und Aprilia entschieden haben.

Bisher existiert hier kein solider Plan.

Unser Standpunkt: Bevor wir über Fahrer sprechen, brauchen wir ein Team mit zwei Startplätzen.

Außerdem muss dieses Team ein entsprechendes Qualitäts-Niveau haben und gut finanziert sein. Sonst gibt es keine Möglichkeit für uns, sich zu engagieren.

Wenn das Team Wirklichkeit wird, wenn die Organisation stimmt und die Finanzen gesichert sind, können wir ein Agreement treffen.

Erst danach können wir über Fahrer sprechen.

Sepang-Circuit-Chef Razlan Razali hofft auf die beiden VDS-Plätze für 2019 und die Jahre danach. Er sagte mir, Yamaha sei an Franco Morbidelli interessiert. Er gehört ja zur VR46 Riders Academy.

Wir müssen abwarten, wie sich die Situation bei diesem geplanten Kundenteam entwickelt. Ob es das Marc VDS-Team oder ein anderes ist, wird sich zeigen.

Wir würden gerne weiter vier Motorräder auf dem Startplatz haben. Daraus haben wir nie ein Hehl gemacht. Das ist unser Plan. Wenn er sich für 2019 nicht verwirklichen lässt, geht die Welt nicht unter. Dann fahren wir nächstes Jahr mit zwei Bikes und bewerten die Situation in einem Jahr neu.

Gab es Kontakt mit dem Team von Jorge Martinez? Es gab auf jeden Fall am Freitag in Mugello ein Gespräch mit Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta. Er will, dass jedes Werk ein Kundenteam betreibt.

Wir sind von Aspar Martinez nicht angesprochen worden.

Die Dorna versucht, eine Lösung der MarcVDS-Situation zu finden.

Ich bin sicher, Carmelo sucht die beste Lösung für alle Beteiligten.

Bis vergangenen Dienstag war auch Jorge Lorenzo Teil des SIC-Petronas-Yamaha-Plans.

Jorge ist einer der wenigen aktiven Vielfach-Weltmeister in der MotoGP-Meisterschaft. Er hat insgesamt fünf WM-Titel gewinnen.

Deshalb gab es Bestrebungen, ihn im Startfeld zu behalten. Das hat inzwischen geklappt.

Hätte er in einem Yamaha-Kundenteam fahren können? Ganz sicher! Wenn ein Team bereit gewesen wäre, ihn zu verpflichten – warum nicht?

Er ist sicher ein fähiger Pilot.

Wenn wir ein Kundenteam haben, bewerten wir die Qualität des Fahrers zusammen mit dem Team. Bei Jorge hätten wir da nicht lange überlegen müssen.

Petronas war 2008 bis 2010 Co-Sponsor des Yamaha-Werksteams, Fiat war Hauptsponsor.

Ich höre nur, dass Petronas Interesse hat, seine Marke und Produkte in der MotoGP-Championship zu promoten und sich in diesem Sport auf hohem Niveau zu engagieren.

Kommen Sie als Sponsor eines Werksteams oder als Sponsor eines Kundenteams? Das muss Petronas entscheiden.

Petronas hat in der Vergangenheit mit Yamaha zusammengearbeitet. Wir kennen einander gut. Aber bei Petronas sind jetzt andere Leute in der Motorsport Division verantwortlich als vor acht Jahren.

Deshalb haben wir eine neue Situation.

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