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Sachsenring-GP: Das Hoffen auf eine Lösung

Von - 11.07.2018 19:02

Erich Homilius, ehemaliger Bürgermeister von Hohenstein-Ernstthal, wünscht sich für den Sachsenring-GP ein Joint Venture zwischen Freistaat, ADAC und SRM. Aber es wurde viel Porzellan zerschlagen.

Ist der 21. Grand Prix seit 1998 auf dem Sachsenring auch der letzte? Nachdem Promoter Sachsenring Rennstrecken GmbH im Jahr 2017 fast 1 Million Euro Verlust erwirtschaftet hat und die vertraglich vereinbarte Bankgarantie über 3,8 Millionen für den Grand Prix 2019 nicht aufgebracht wurde, hat der ADAC e.V. die bis Ende 2021 geplante Vereinbarung mit der SRM im Mai gekündigt.

Jetzt wird ein neuer Veranstalter und womöglich auch ein neuer Schauplatz gesucht. Seither wird in Sachsen gegen den ADAC in München geschossen. Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer wetterte gegen den Autofahrerverband.

Der ADAC reagierte auf die nicht gerade von Diplomatie getragenen Sprüche von Ministerpräsident Kretschmer.

«Wir sind verwundert von den Aussagen von Ministerpräsident Kretschmer zur Vertragsauflösung mit der SRM. Die sächsische Staatskanzlei war über die drohende Vertragskündigung dauerhaft informiert und hätte eingreifen können. Bei unseren Bemühungen, gemeinsam mit der SRM und Vertretern der sächsischen Staatskanzlei eine konstruktive Lösung zu finden, um die Vertragskündigung zu vermeiden, haben wir stets mit offenen Karten gespielt. Unser vorrangiges Ziel ist es weiterhin, die Zukunft des deutschen Motorrad-Grand-Prix über das Jahr 2018 hinaus zu sichern, im Idealfall auf dem Sachsenring», sagte ein ADAC-Sprecher gegenüber SPEEDWEEK.com.

Kurz zur Vorgeschichte: Die Dorna verlangte von 1998 bis inklusive 2011 eine Gebühr von bescheidenen 1,7 Mio US-Dollar, um den deutschen Grand Prix wieder aufzupäppeln, nachdem in Hockenheim und auf dem Nürburgring von 1992 bis 1997 arge Verluste erwirtschaftet worden waren.

Der ADAC Sachsen zog sich nach 2011 als Promoter zurück, weil er bei 3 Mio-Dorna-Gebühr mit Verlusten von 650.000 Euro rechnete.

Die SRM sprang ein und hielt nach drei Jahren bei Verbindlichkeiten von ca. 2 Millionen. Sie machte auch fröhlich weiter, als die Dorna die Gebühr für 2017 und die vier Jahre danach auf die in ganz Europa üblichen 4 Millionen erhöhte.

Die Ticketpreise wurden um mehr als 30 Prozent erhöht, es gab ein Zuschauerfiasko, das drittschlechteste Ergebnis seit 1998 – und einen Verlust von fast 1 Million Euro.

Seither kämpft die SRM ums finanzielle Überleben. Die Vorverkaufssituation sieht 2018 nicht viel besser aus; mehrfach wurden deshalb Tickets in Ramsch-Aktionen auf Schnäppchen-Websites im Internet verschleudert.

«Ich hätte nichts dagegen, wenn der deutsche Grand Prix künftig abwechselnd auf dem Nürburgring und auf dem Sachsenring stattfinden würde», sagt Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta. Er wartet auf Nachrichten des ADAC. Denn der Nürburgring verfügt über keine Grade-A-Homologation der FIM. Die Umbauten würden Millionenkosten verusachen.

Erich Homilius, leidenschaftlicher Motorradfan und Bürgermeister von Hohenstein-Ernstthal von 1994 bis 2012, war an der Rückkehr des Grand Prix 1998 maßgeblich beteiligt. Er hofft jetzt auf eine Kompromisslösung mit dem ADAC und der Dorna.

Herr Homilius, es sieht nicht danach aus, als würden die Sachsen eine diplomatische Lösung für die Zukunft des deutschen Grand Prix suchen. Es wird aus allen Rohren gegen den ADAC geschossen: Aber er hat den Vertrag mit der Dorna bis 2021; ohne ihn gibt es keinen deutschen WM-Lauf.


Ja, hm. Der ADAC hat sich einen Vertrag mit der Dorna gesichert, bei dem die Sachsen jetzt erst mal schlecht aussehen. Ich kenne den Vertragsinhalt nicht, aber angeblich kann der ADAC entscheiden, wo gefahren wird.


Ja, das ist so. Sie haben in einem Interview kürzlich gesagt: «Der ADAC ist so unnötig wie ein Kropf.» Mit solchen Aussagen gießen sie Öl ins Feuer. Dabei sollten Lösungen gesucht werden. Die SRM wurde ja nie gezwungen, den ersten oder den zweiten Vertrag mit dem ADAC zu unterschreiben. Man hat schlecht oder gar nicht verhandelt.


Die SRM ist ins kalte Wasser gesprungen, ja.

Aber freiwillig.


Ja, sicher freiwillig. Diese Veranstaltung hier in Sachsen hat ja auf jeden Fall wirtschaftsfördernde Wirkung. Das ist nachgewiesen.

Das bestreitet niemand. Es bestreitet auch niemand, dass der Sachsenring der beste Standort für den Motorrad-GP ist, das betonen, Dorna, Tomczyk und alle Beteiligten. Aber wenn jedes Jahr 1 Million Verlust rauskommt, muss reagiert werden – wie damals nach 1997 nach dem Nürburgring-GP.


Ich habe auf SPEEDWEEK.com gelesen, dass der ADAC in München eventuell ein Joint Venture mit den Nürburgring-Betreibern plant.

Ein Joint Venture ist eine Übereinkunft, in der man eine bestimmte Aufgabe gemeinsam löst und Gewinne und Verluste in bestimmten Verhältnissen teilt. Warum macht der ADAC das nicht auf dem Sachsenring? Der ADAC e.V. hat dem Sachsenring noch nie einen Cent gegeben.

Der ADAC Sachsen hat hingegen viel investiert.


Ich bin ja wirklich nicht der ADAC-Anwalt. Aber die SRM hat den Vertrag mit dem ADAC unterschrieben und nach 2016 sogar verlängert, obwohl dann 4 statt 3 Millionen an die Dorna bezahlt werden mussten. Niemand hat die SRM zu dieser Partnerschaft gezwungen.


Ein Joint Venture zwischen ADAC, Freistaat Sachsen und den Kommunen vor Ort, das wäre ja eine Lösung gewesen. Das wäre ein richtiges Zeichen gewesen vom ADAC.

Wenn er jetzt den Vertrag kündigt und dann mit dem Nürburgring ein Joint Venture eingeht, wäre das eine Entscheidung, die ich gar nicht nachvollziehen kann.

Denn wie gesagt: Ein Joint Venture wäre ja noch eher hier in Sachsen denkbar.

Sie hören ja, wie die Fans jetzt im Osten reagieren. Jetzt wird wieder diskutiert, Ost-West-Sachen, was mir gar nicht gefällt, man hört von ADAC-Austritten.

Aber solange der ADAC Vertragspartner der Dorna ist, ist er für einen GP-Promoter in Deutschland nicht so überflüssig wie ein Kropf. Die SRM hätte schon vor 2012 hartnäckiger verhandeln sollen. Anderseits waren die Unkosten für den Grand Prix Prix aus vielen Gründen immer zu hoch.


Die Kommunen haben nach 2011 überlegt, ob eine Kooperation mit dem ADAC Sachsen vereinbart werden soll. Aber der ADAC Sachsen hat sich nicht in die Bücher schauen lassen. Deshalb war es für die SRM ein Sprung ins kalte Wasser. Und es gab ja auch Jahre, wo finanziell positiv gewirtschaftet wurde.


Die Mehrzahl ist übertrieben, eines von sechs Jahren wurde kostendeckend abgeschlossen. Und da standen schon erhebliche Verluste aus den Vorjahren zu Buche.


Ja, das war 2015. Ich stecke da jetzt nicht mehr so weit drin. Ich will da auch nicht weiter Öl ins Feuer gießen.


Das ganze Thema wird in Sachsen zu emotional diskutiert. Die neue SRM-Chefin Pohlers sagte im Mai, sie wolle jetzt direkt mit der Dorna verhandeln. Aber wie gesagt: Der Ansprechpartner wäre der ADAC.


Ja, solange der ADAC diesen Vertrag hat, dass er dir Rennen dort veranstalten kann, wo er will, kann die Dorna nicht mit einem neuen Partner etwas anfangen. 


Momentan weiß niemand, wie es weitergeht. Ob der Nürburgring bis 2019 für eine Grad-A-Homologation 2019 umgebaut werden kann, ist ungewiss. In Sachsen gab es Treffen der Staatskanzlei mit dem ADAC und er SRM, aber es gab keine Lösung. Jetzt ist das Klima ziemlich vergiftet. 
Im «worst case» gibt es 2019 gar keinen Deutschland-GP. In der Formel 1 ist das auch passiert.


In so einem Fall könnte die SRM aber mit der Dorna direkt verhandeln.

Die Dorna sucht einen professionellen Promoter, der die Kosten senkt, ein besseres Marketing macht und nicht die Schuld für das Versagen bei allen anderen sucht. Die SRM kommt in diesem Konzepot nicht vor. Und ohne Goodwill des ADAC wird es nicht gehen.


Mein Vorschlag wäre, dass der ADAC die Initiative ergreifen und auf die SRM zugehen soll. Ein Joint Venture wäre sinnvoll. Man könnte dann auch bestimmte Stärken des ADAC, was jetzt Marketing und so weiter betrifft, mit einbringen. Das wäre für die Region hier ein Vorschlag, der dem ADAC gut zu Gesicht stehen würde.
Im Moment wird der der ADAC als Schwarzer Peter gehandelt.


Je nachdem, wie man es betrachtet. Im Osten schon. Aber es ist die SRM, die einen Vertrag unterschrieben und 1 Million Miese gemacht hat. Bei einer Dorna-Gebühr von 4 Mio kann auf dem Sachsenring offenbar ein Grand Prix nicht kostendeckend abgewickelt werden.
 Jetzt sind ADAC und SRM zerstritten. Schuld der bösen kritischen Medien?

Wenn der ADAC als Vertragspartner der Dorna immer sein Geld von der SRM bekommen und es durchgereicht hat, was interessiert es ihn dann, welche wirtschaftlichen Ergebnisse hier der Freistaat oder die Kommunen mit dem Grand Prix haben?

Der ADAC hat meines Erachtens immer das Geld bekommen, das er an die Dorna weitergereicht hat. 


Aber die SRM konnte die Bankbürgschaft für 2019 nicht beibringen. Das lässt auf mangelnde Liquidität schließen und hätte den Grand Prix 2019 sowieso in Frage gestellt.

Der Grund, warum der ADAC den Vertrag gekündigt hat, ist trotzdem für mich nicht schlüssig. Will er die Kommunen oder die SRM vor größerem Schaden bewahren?

Es gibt weder der ADAC noch die SRM Details über die bestehenden Differenzen bekannt. Keiner weiß, warum die Gespräche der SRM mit dem ADAC gescheitert sind.


Der Grund ist die fehlende Bankbürgschaft.

Im Fernsehen habe ich Frau Pohlers gesehen, die SRM-Geschäftsführerin. Sie sagte: «Wir sind allen Zahlungsverpflichtungen nachgekommen.»

Dann fällt bei ihr eine Bankgarantie nicht unter den Begriff Zahlungsverpflichtung.

Es geht also nur um Erfüllung irgendeines Vertragsdetails?


Wenn Sie eine Bankgarantie von 3,8 Mio als Detail betrachten, dann ja.
 Fakt ist: Beim Sachsenring wurden jahrelang betriebswirtschaftliche Fehler gemacht. Und dafür bekommt der ADAC den Schwarzen Peter?

Mir wäre es schon immer lieber gewesen, wenn der Veranstalter direkt einen Vertrag mit der Dorna gehabt hätte. Warum das nicht geht, ist mir nicht klar. Wenn ein weiterer Partner zwischengeschaltet ist, kompliziert das alles.

Vielleicht weil der ADAC für die Dorna ein vertrauenswürdigerer Partner ist als die SRM mit einer Stammeinlage von 200.000 Euro.

Beim ADAC Sachsen, der bis 2011 als Veranstalter auftrat, war auch der ADAC in München zwischengeschaltet.

Die neue Gründstücks GmbH hat auch keinen durchschlagenden Erfolg gebracht?

Sie ist gegründet worden, weil auch vom ADAC immer kritisiert wurde, dass es am Sachsenring zu viele Ansprechpartner gibt, auch was die Grundstücke betrifft. Diese Grundstücke sind dann in eine gemeinsame Firma übergeführt worden. Das hat auch positive Gründe bei Förderungen, wenn sich die Grundstücke in einer Hand befinden.

Mein Vorschlag wäre: Der ADAC soll mit dem Sachsenring und der SRM ein Joint Venture zur Austragung des Grand Prix machen. Dann ist alles okay.

Es wäre doch während des Grand Prix die Gelegenheit, wenn sich die Dorna, der ADAC und der Freistaat Sachsen unterhalten und die Bildung eines Joint Ventures in Erwägung ziehen. Man hört ja hier auch, dass es private Investoren für den Grand Prix geben könnte. Ich weiß nicht, wer das ist.

Ich habe schon vor einem Jahr vorgeschlagen, dass der ADAC Sachsen künftig wieder gemeinsam mit der SRM als GP-Veranstalter auftreten könnte. Es gäbe aus meiner Sicht eine ganze Reihe von Möglichkeiten, den Grand Prix auf dem Sachsenring zu halten.

Im Rahmen so eines Konstrukts könnte eventuell alles so gereglt werden, dass alle Beteiligten damit leben können.

Denn ich habe die Befürchtung, dass ein Motorrad-GP auf dem Nürburgring nach wie vor nicht funktioniert.

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