MotoGP

Valentino Rossi: Erlebt er seine größte Yamaha-Krise?

Von - 13.08.2018 08:02

Beim Yamaha-Werksteam herrscht Katerstimmung. Es kriselt an allen Ecken und Enden. Die japanischen Ingenieure wirken überfordert. Die Rückstände wachsen.

Es passiert nicht oft, dass sich ein Japaner aus dem Senior Management von Yamaha Factory Racing nach einem MotoGP-Qualifying vor den Medien unterwürfig und devot für die schlechte Performance der Werksmaschinen entschuldigt. Zur Erinnerung: Viñales und Rossi fahren am Sonntag in Spielberg nur von den Plätzen 11 und 14 los. Rossi hat seit Ende Juni in Assen 2017 nicht gewonnen, Viñales seit Le Mans im Mai 2017 nicht.

Und WM-Leader Marc Márquez ist in der WM-Tabelle nach zehn von 19 Rennen um 49 Punkte enteilt. Rossi zittert wegen Ducati sogar um den zweiten WM-Rang. «Den haben wir nur unserer Beständigkeit zu verdanken», ist er sich bewusst.

War das Manöver von Yamaha-Projektleiter Tsuya am Samstag in Spielberg ein Hinweis darauf, dass Yamaha endlich den Ernst der Situation begriffen hat?

«Ja, ich hoffe», seufzte Rossi. «Denn ich rede mit den Japanern seit sehr langer Zeit über dieselben Probleme. Aber nach einem Jahr hat sich nichts geändert. Deshalb hoffe ich, dass sie jetzt das Maximum geben, um die Probleme zu lösen. Ich kann keine Antwort auf die Frage geben, wie lange es dauern wird, bis wir konkurrenzfähiger sind. Wir müssen schauen, was die Zeit bringt. In ein paar Wochen oder Monaten werde ich einen besseren Überblick haben.»

Marc Márquez und die Ducati-Werksfahrer haben im Qualifying sehr ähnliche Zeiten erreicht wie 2017, auch Johann Zarco war gleich schnell wie im Vorjahr.

Rossi hingegen legte nur 1:24,309 min vor. Letztes Jahr schaffte er mit 1:23,982 min den siebten Startplatz. Er fuhr also nach einem Jahr der Entwicklung um 0,327 sec langsamer und fiel um sieben Startplätze zurück.

Bei Maverick Viñales sieht die Situation ähnlich aus.

War die Entwicklung bei Yamaha in den letzten zwölf Monaten also ein Schuss in den Ofen? Geht die Entwicklung nach hinten? Denn Zarco stand mit seiner Gebraucht-Yamaha auf dem sechsten Startplatz!

Rossi: «Es hängt sehr stark von der jeweiligen Piste ab. Denn vor einer Woche in Brünn stand ich in der ersten Startreihe, jetzt war ich in der fünften. Und das passierte ausgerechnet auf einer Piste, auf der es mit dem Hinterreifen kritisch war. Wenn du den Hinterreifen zu stark verschleißt, wirken sich der Fahrstil von Zarco sowie seine Größe und sein Gewicht vorteilhaft aus. Denn er ist kleiner als ich und Maverick. Das hilft ihm sehr.»

Rossi weiter: «Unsere Situation ändert sich von Woche zu Woche, von Strecke zu Strecke. Vor einer Woche in Brünn steckte Zarco in Schwierigkeiten. Hier in Österreich war er im Quali schneller als wir.»

Valentino Rossi bestreitet seine 13. Saison auf der Werks-Yamaha M1. Er hat bei Yamaha vier WM-Titel gewonnen (2004, 2005, 2008 und 2009), dazu hat er auf der M1 immerhin 56 GP-Siege erobert.

Ist das die größte Krise, die Valentino bei diesem japanischen Hersteller seit 2004 miterlebt hat? «Hm. Als ich vor der Saison 2004 zu Yamaha gekommen bin, war Yamaha in einem viel schlimmeren Zustand als jetzt. Aber sie haben innerhalb eines Jahres sehr stark reagiert und alles auf den Kopf gestellt. Sie haben mehr Geld investiert, mehr Manpower zur Verfügung gestellt, sie haben die komplette Organisation geändert. Innerhalb eines Jahres haben wir die 2005-Version der M1 entwickelt. Das war die beste M1, die ich je gefahren bin. Dieses Kunststück müssen wir jetzt wiederholen. Unsere momentane Situation unterscheidet sich nicht von unserer Situation im August oder September 2017. Ich fühle mich ähnlich. Es stimmt zwar, dass wir auf manchen Pisten wie in Brünn oder Mugello weniger leiden. Aber wir sind oft zu weit hinter den Top-3.»

Ducati und Honda haben Fortschritte gemacht. Yamaha ist schlechter als 2017. Hat Yamaha bei der Entwicklung versagt?

Rossi: «2017 hatten unsere Gegner Honda und Ducati eine deutlich schlechtere Performance als im Augenblick. Aber ehrlich gesagt: Ich fühlte mich im Vorjahr mit der mechanischen Seite des Bikes nicht wohl. In diesem Jahr fühlt sich alles besser an, die Gewichtsverteilung ist viel besser. Aber von der Elektronik-Seite haben die Gegner riesige Fortschritte erzielt. Leider ist Yamaha nicht fähig, diese Fortschritte ebenfalls zu machen. Das ist der Schlüssel. Die Ingenieure müssen endlich herausfinden, wie wir auf dem Sektor der Motor-Steuerung wieder aufholen können. Denn der Rest des Motorrads ist in Ordnung.»

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