MotoGP

Honda: Ihre Abhängigkeit von Marc Márquez

Von - 18.08.2018 18:17

Honda dominiert mit Marc Márquez die MotoGP-WM. Dani Pedrosa und Cal Crutchlow liegen weit zurück. Ist Márquez allein für den Honda-Erfolg verantwortlich?

Honda erlebt eine seltsame Dualität mit Marc Márquez. Auf der einen Seite ist er ihre Referenz, das Gesicht der Marke, gewann fünf MotoGP-Titel und brachte ihnen den Konstrukteurstitel 2013, 2014, 2016 und 2017 ein. Diese Resultate zeigen, wie effizient das Duo Marc und Honda ist.

Doch die fast perfekten Zahlen lassen auch eine andere Interpretation zu: Die «Márquez-Abhängigkeit», die HRC erlebt. Eine Abhängigkeit, die immer klarer wird. 2013 war der zweitbeste Honda-Pilot nach Márquez Dani Pedrosa als WM-Dritter. 2014 wurde er noch WM-Vierter. 2016 Gesamtsechster… Marc gewinnt für Honda, aber es ist nicht weniger wahr, dass Márquez Honda wie eine Hypothek belastet.

Beim Brünn-GP fragten wir Takeo Yokoyama, den Kopf des MotoGP-Projekts von HRC, die zwingende Frage, wer den größeren Beitrag zu den Erfolgen von Márquez und Honda leistet. Yokoyama antwortete: «Ich schätze, dass von mir erwartet wird, dass ich Marc sagte, aber das werde ich nicht. Die Rennresultate hängen vom Gesamtpaket ab: Fahrer, Motorrad und Team. Wenn Marc gewinnt, dann gewinnen auch das Bike und das Team.»


Yokoyamas Erklärung war politisch korrekt, aber zur selben Zeit war auch die Antwort enthalten, die er vermieden hatte zu geben. Wenn die Erfolge und Misserfolge zu gleichen Teilen auf den Fahrer, das Bike und das Team verteilt werden, welcher dieser drei Aspekte versagt dann beim Paket Honda und Dani Pedrosa sowie Honda und Cal Crutchlow? Wenn man bedenkt, dass sie alle dasselbe Motorrad fahren, welcher Faktor versagt: Die Fahrer, die Teams oder beides?

Das «Pedrosa-Paket»

Es ist wahr, dass das Team von Dani Pedrosa im nächsten Jahr für Jorge Lorenzo komplett umstrukturiert wird. Das bedeutet, dass es nicht perfekt ist. Aber wir haben keine Informationen über irgendwelche Mängel in Pedrosas aktueller Crew. Und wir haben auch keine Informationen darüber, dass Pedrosas schlechte Ergebnisse eine Folge der Arbeitsweise oder Zusammensetzung des Teams sind. Vor allem nachdem Pedrosas Umgebung vor zwei Jahren komplett umgeformt wurde.

Der Faktor Motorrad kann ausgeschlossen werden, denn es macht das Pedrosa-Paket nicht so unproduktiv. HRC hat genug Ressourcen, um ihren Fahrern ein Bike maßzuschneidern.

Der dritte Faktor des Pakets, der Fahrer, bleibt übrig. Ich denke, wir sind uns alle einig, dass dieser Faktor im Moment das schwächste Glied in der Kette zu sein scheint. Durch seinen angekündigten Rücktritt und Puig, der mittlerweile sein Feind zu sein scheint, in der Box, ist Danis Motivation wahrscheinlich nicht besonders hoch.

Unsere Schlussfolgerung: Die mangelnden Resultate des «Pedrosa-Pakets» können dem Fahrer, seiner Motivation und/oder Einstellung zugeschrieben werden. 


Das «Crutchlow-Paket»

Es ist interessant, das Crutchlow-Paket zu analysieren. Lasst uns dort beginnen, wo die Unterschiede zum «Márquez-Paket» besonders groß sind. Obwohl das Team eine enge Verbindung zu HRC pflegt, ist LCR-Honda noch immer ein Kundenteam mit begrenzten technischen Optionen und Personal. Technisch sind die davon abhängig, was Honda ihnen gibt. Was das Personal betrifft, gibt es keinen Vergleich zu der Anzahl von Ingenieuren und Technikern, die am Bike und mit dem Fahrer arbeiten.

Faktor 2, das Motorrad. Obwohl es ein Werksmotorrad ist, hat Crutchlow nicht dasselbe Bike, das Márquez fährt. Der Brite verriet kürzlich, dass er nicht über die Schwinge aus Karbon verfügt, die Márquez und Pedrosa einsetzen. Aber das ist sicher nicht der einzige Unterschied.

Der Fahrer. Lasst mich sehen, ob ich das erklären kann. Zuerst wissen wir, dass Crutchlow sich nicht in seiner besten Version zeigte. In diesem Fall ist das, soweit wir das beurteilen können, mehr der emotionalen als der technischen Seite geschuldet. Cal befindet sich durch die geringe Zuwendung von Honda in dieser Lage. Cal ist ein harter Kerl, ein Racer, aber wie jeder andere hat er ein Herz. Die Teilnahmslosigkeit von Honda nach seinem Sieg in Argentinien beeinflusste ihn. Dass er unter den HRC-Fahrern die geringste Bedeutung besitzt, wurde zu dem Zeitpunkt unterstrichen, als nach einem Ersatz für Pedrosa im Werksteam gesucht wurde. Es spielten sich Szenen ab, welche die «Zuneigung», die zwischen Fahrer und Arbeitgeber herrschen sollte, völlig untergruben. Sich unterstützt zu fühlen, macht einen Fahrer schneller als ein paar Klicks an der Suspension oder fünf PS mehr. In dieser Hinsicht wird Crutchlow von Honda wie ein Waisenkind behandelt. Hinzukommt die Nachricht, dass sich HRC ein paar Techniker des LCR-Teams einverleiben will, um sich auf Lorenzos Wechsel zu Honda vorzubereiten. Das macht es nicht besser.

Unsere Schlussfolgerung: Dem «Crutchlow-Paket» fehlt es aus drei Gründen an Resultaten: LCR ist ein Privatteam, sie sind technische von Honda abhängig, was das Bike betrifft, aber vor allem die fehlende Anerkennung, die der Fahrer in dieser Situation erfährt.

Das «Márquez-Paket»

Der Team-Faktor. Dies ist einer der Schlüssel zu Marcs Erfolg. Sie sind sein Anker und seine Referenz. Sie arbeiten unaufhörlich und wirken bei ihren Entscheidungen unabhängig. Sie sind echte Profis, wenn es darum geht, mit Technik und mit Menschen zu arbeiten. Márquez vertraut ihnen blind und sie unterstützen ihn auch in schwierigen Zeiten. Ein Beispiel für ihre ständige Suche nach Verbesserungen ist, dass sie die «Erfinder» des Frosch-Sprungs sind, den Márquez (und mittlerweile auch der Rest der Fahrer) nutzt, um bei Flag-to-Flag-Rennen möglichst schnell das Bike zu wechseln. Zudem waren sie die Ersten, die im Q2 auf zwei Stopps und drei Runs setzten. Sie nutzten auch als erstes Team das FP2, um die Reifen zu testen. Márquez’ Team ist nun wie jenes, das Rossi zu seiner besten Zeit hatte. Ich weiß nicht, ob es Márquez war, der entschieden hat, sein Umfeld so zu strukturieren. Ich würde es gerne wissen und werde ihn fragen.

Der Faktor Motorrad. Mir tun die Legionen von Ingenieuren von HRC leid, aber meiner Meinung nach, die viele teilen, ist nicht das Bike der Faktor, der Márquez zu diesem siegenden Biest macht. Natürlich gab es auch Jahre, wie die Saison 2014, in der ihm die RCV es erlaubte, mit einer auf den Rücken gebundenen Hand zehn Rennen in Folge zu gewinnen. Aber es gab andere Jahre, in denen Márquez trotz der Maschine Weltmeister wurde.

Der Faktor Fahrer. Was soll man sagen? Er ist ein Biest und ohne Zweifel der derzeit beste Fahrer. Und das ist kein Zufall. Er arbeitet auf und neben der Strecke intensiv und gibt in den Rennen alles. Wenn es nötig ist, macht er das gut, was dem Bike fehlt. Er fährt strategisch, überlässt nichts dem Zufall und kontrolliert alles. Und nun hat er endlich akzeptiert, dass es Tage gibt, an denen du nicht gewinnen kannst und es mehr Sinn macht, Punkte zu sammeln. Um das zu verstehen, brauchte er viel Zeit.

Unsere Schlussfolgerung: Es tut mir leid für Takeo Yokoyama, aber die Faktoren im Sieg-Paket von Marc Márquez sind nicht zu gleichen Teilen für den Erfolg verantwortlich. Mit Abstand das meiste Ansehen dafür hat der Fahrer verdient. Er macht den Unterschied im Vergleich zu den anderen beiden Honda-Paketen von Pedrosa und Crutchlow. Das Team sorgt dafür, dass Márquez ohne Störungen von außen arbeiten kann. Was das Bike betrifft: Es ist in dieser Kette das schwächste Glied. Und Honda weiß das.

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