MotoGP

Pit Beirer: Warum KTM gegen Ducati protestiert hat

Von - 11.03.2019 18:05

KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer versichert, Ducati sei von KTM vor dem Rennen informiert worden, dass ein Protest gemacht wird, wenn der umstrittene Flügel im Katar-Rennen eingesetzt wird.

Die gegnerischen Hersteller Honda, Suzuki, KTM und Aprilia wollen sich nicht als schlechte Verlierer darstellen lassen, nachdem sie gegen den umstrittenen Hinterradflügel an den Ducati GP19 nach dem Katar-GP Protest eingelegt haben. «Teammanager Mike Leitner und ich sind am Sonntagnachmittag beim Pit-walk extra zu Tardozzi hin, um ihm zu sagen, dass wir Protest machen werden, wenn sie den Flügel im Rennen verwenden und wir uns in dieser Sache wahrscheinlich nicht einig werden», betonte KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Er hat gelächelt und gemeint, sie sind überzeugt, dass das Teil dem Reglement entspricht. Wir haben ihm erklärt, vier Hersteller sehen das anders. Deshalb wird der Protest passieren.»

«Dieser Protest ist eine logische Konsequenz», ergänzte Beirer. «Uns wird jetzt vorgeworfen, wir hätten schon beim Katar-Test etwas dazu sagen können. Aber da siehst du 1000 neue Teile bei allen möglichen Herstellern, und dann schaust du dir so ein Teil einmal genauer an und machst dir darüber Gedanken, was da fabriziert wurde und was es bedeutet. Wir haben uns jetzt beim Katar-GP mit den anderen Herstellern getroffen und über dieses Teil gesprochen. Wir sind der Ansicht, dass dieser Flügel nicht dem entspricht, was wir vom Reifenkühlen oder von Aerodynamik verstehen. Es sind vier Hersteller davon ausgegangen, dass dieses Teil aerodynamisch doch einen Unterschied ausmacht. Das haben wir dem Technical Director Danny Aldridge mitgeteilt und ihn gebeten, auch Ducati darüber zu informieren. Wir wollten nicht, dass mit diesem Teil gefahren wird. Der Standpunkt von Ducati war aber klar: Sie sind überzeugt, dass sie sich damit innerhalb des Reglements bewegen. Die anderen Hersteller bestreiten das. Einen Protest kann man aber erst beim Rennen machen, nicht bei einem Test oder im Trauning. Also haben wir das getan.»

«Ducati war sich bewusst, bevor der Samstag vorbei war, dass sie mit einem Protest rechnen müssen», hält Pit Beirer fest. «Sie sind trotzdem am Sonntag mit diesem Teil gefahren. Man darf uns aber nicht vorwerfen, es hätte keiner etwas gesagt, wir hätten Ducati ins offene Messer laufen lassen. Es geht uns nicht darum, dass Ducati der Sieg von Dovi aberkannt wird. Hoffentlich verliert Dovi diesen Sieg nicht, denn er hat verdient gewonnen – und Ducati mit ihrer technischen Leistung genau so. Aber wir wollen Klarheit für die Zukunft. Sonst kommt als Nächstes der Heckflügel auf dem Höcker... Es geht uns darum, dass solche aerodynamischen Auswüchse in Zukunft eingedämmt werden. Das ist das, was die vier Hersteller wollen. Keiner von uns hat Interesse daran, dass Dovi dieser wohlverdiente Sieg aberkannt wird. Dieser Sieg ist sicher nicht entstanden, weil da unten jetzt ein neues Plastikteil an der Schwinge hängt.»

Beirer: «Ducati darf uns jedoch nicht vorwerfen, sie seien nicht vorgewarnt worden. Sie möchte es so darstellen, als hätten alle den Mund gehalten, dann Ducati gewinnen lassen und nachher Protest gemacht. So war es nicht. Wir haben vorher klar gesagt: Wenn ihr mit dem Teil fährt, werden wir den Protest machen, um zu klären, ob das legal ist. Diese Zone im Reglement muss geklärt werden. Dann können in jedem Werk fünf Leute aufhören, sich über das nächste Aerodynamikteil Gedanken zu machen. Das ufert langsam ein bisschen aus. Dieser aerodynamische Wahnsinn muss ein bisschen unterbunden werden.»

«Es war definitiv nicht so, dass Mike Leitner am Sonntag zuerst gesagt hat, wir sind nicht gegen dieses Teil», betont Pit Beirer. «Wir waren von Anfang an dagegen und haben auf eine Klärung gepocht.»

Die Ingenieure von Honda, Suzuki, KTM und Aprilia sind überzeugt, dass der beanstandete Flügel oder Regenabweiser unerlaubterweise Downforce oder Abtrieb erzeugt, also ein aerodynamisches Hilfsmittel ist und nicht zur Kühlung des Reifens dient.

Beirer: «Man muss so etwas nur in ein Rechenmodell eingeben, dann kann man schauen, wo der Wind vorbeipfeift. Wenn der Wind dabei Druckflächen nach unten erzeugen kann, hast du Downforce, keine Frage. Die ganzen Flügel, die jetzt seitlich an der Verkleidung hängen, verursachen ja auch etwas, obwohl es nur kleine Plastikteile sind. Schau' dir mal einen Formel-1-Frontflügel an, aus wie vielen Einzelteilen der besteht, die alle einen Einfluss haben. Da wollen wir aber eigentlich nicht hin.»

Yamaha-Techniker Ramon Forcada versicherte, bei Yamaha habe man in Valencia so einen ähnlichen Abweise nur im Regen montiert, um Spritzwasser vom Hinterreifen fernzuhalten.

«Da sind sind alle vier Hersteller einig, dass der Yamaha-Flügel auch so funktioniert war und alle nur für das gedacht war», sagt Beirer. «Das Yamaha-Teil hat nur dafür gesorgt, das Wasser vom Reifen wegzukriegen. Deshalb kann man die beiden Flügel nicht vergleichen. Aber von mir aus sollen sie so ein Teil im Regen auch verbieten. Diesen ganzen Schnickschnack braucht kein Mensch auf einem Rennmotorrad. Wir wollen rausfinden, wer der beste Motorradfahrer ist und nicht, wer die besten Flügel baut.»

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Andrea Dovizioso: Umstrittener Flügel unten vor dem Hinterrad © Fitti Weisse Andrea Dovizioso: Umstrittener Flügel unten vor dem Hinterrad
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