MotoGP

Brünn-GP: Wieso er nach dieser Saison Geschichte ist

Von - 07.05.2019 12:21

Die Zukunft des GP von Tschechien in Brünn stand schon oft auf der Kippe. Noch nie war die Situation so kritisch wie jetzt. Denn die Regierung bezahlt € 1 Mio weniger als bisher.

Seit 1958 werden in Brünn Motorradrennen gefahren. Ab 1965 konnte man hier schon die weltbesten Fahrer beobachten, der erste Grand Prix fand am 25. Juli 1965 statt. Im 500-ccm-WM-Lauf siegte Mike Hailwood (MV Agusta) mit 65,1 Sekunden Vorsprung vor Giacomo Agostini (MV Agusta) und Jack Ahearn (Norton). Später traten auch deutsche Stars wie Dieter Braun und Toni Mang auf dem Straßenkurs in Mähren an. Die mehr als 8 km lange Naturrennstrecke blieb bis 1982 Schauplatz im WM-Kalender.

Seit 1987 existiert als permanente Rennstrecke der neue Masaryk Ring, auch Automotodrom Brno genannt, ca. 10 km entfernt vom alten GP-Kurs.

Mit Ausnahme von 1992 – damals fand in Brünn kein WM-Lauf statt – wurde seither jedes Jahr ein GP von Tschechien ausgetragen. Die Helden der Neuzeit heißen Valentino Rossi, Jorge Lorenzo, Andrea Dovizioso und Marc Márquez.

Inhaber des Masaryk Rings ist seit Dezember 2005 Karel Abraham senior, der Vater des MotoGP-Piloten Karel Abraham aus dem Reale Avintia Ducati Team.

Abraham senior hat den Brünn-Grand Prix als Promoter bis 2016 selbst veranstaltet. Seit Januar 2016 vermietet Abraham die Strecke dem neuen Promoter «Spolek pro GP ČR». Diese Firma wurde von der Politik zur Austragung des GP der Tschechischen Republik gegründet. Der entsprechende Vertrag wurde am 12. Januar 2016 unterzeichnet, der Grand Prix in Brünn sollte bis inklusive 2020 gerettet sein.

Im Pressezentrum des Automotodroms auf dem Masaryk Ring in Brünn hat Dorna Sports-CEO Carmelo Ezpeleta danach mit den Verantwortlichen von «Spolek pro GP CR» einen Vertrag unterzeichnet. Beteiligt waren Petr Vokral als Bürgermeister von Brünn und Michal Hasek, der Landeshauptmann der Region Südmähren sowie die Geschäftsführerin des Masaryk Rings, Ivana Ulmanova. Laut diesem Vertrag sollte Promoter «Spolek pro GP CR» den GP der Tschechischen Republik in den Jahren 2016 bis 2020 auf dem Masaryk Ring organisieren.

Nach der Unterzeichnung diesen Vertrags betonte Ezpeleta: «Jetzt sind alle Schulden der Vergangenheit bezahlt.»

Nach dem Wissensstand von SPEEDWEEK.com sollte die Austragungsgebühr für die Dorna in diesem Jahr bei ca. 110 Mio CZK liegen, also ca. 4,4 Mio Euro betragen. Die Dorna wollte im Schnitt über fünf Jahre ca. 4,1 Mio Euro im Jahr kassieren.

So sah der Zahlungsplan der Dorna aus:

2016 - 3.600 Mio. Euro
2017 - 3.850 Mio. Euro
2018 - 4.100 Mio. Euro
2019 - 4.350 Mio. Euro
2020 - 4.600 Mio. Euro

Für die Austragung des Grand Prix auf dem Masaryk Ring bekam Abraham als Betreiber des Automotodroms 2016 und jedes weitere Jahr von «Spolek pro GP CR» 28 Mio CZK, also ca. 1,12 Mio Euro.

Staat kürzt Zuschüsse um ca. 1 Mio Euro

Aber am Montag der vorigen Woche wurde in Tschechien offiziell verlautbart, dass die finanziellen Mittel durch die Behörden in Tschechien drastisch gekürzt werden. Ohne staatliche Mittel ist es aber unmöglich, diesen Grand Prix weiter zu veranstalten.

Nur 39 Mio CZK (ca. 1,56 Mio Euro) statt der notwendigen 65 Mio CZK (2,6 Mio Euro) wird «Spolek pro GP CR» künftig an Zuschüssen erhalten.

Und obwohl sich jedes Jahr an den drei Tagen rund 200.000 Zuschauer an  der Strecke tummeln und das Publikum für einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag an Umwegrentablität sorgt, wodurch beträchtliche Steuereinnahmen an den Staat zurückfließen, drehen die Politiker in der Tschechischen Republik jetzt den Geldhahn zu.

Für viele Hotels, Pensionen, Tankstellen, Leihwagenfirmen, Restaurants und Campingplatz-Betreiber in der Region geht dadurch die größte Einnahmequelle des Jahres verloren.

«Wir müssen die Entscheidung der tschechischen Regierung respektieren. Es ist ganz klar, dass die aktuelle Regierung kein Interesse an der Beibehaltung und Fortführung dieses Motorrad Grand Prix auf tschechischem Boden hat», betonte klipp und klar der Landeshauptmann der Region Südmähren, Bohumil Šimek.

Den Superbike-WM-Lauf hat Brünn nach der Saison 2018 auch schon wieder verloren.

Für GP-Promoter Dorna wäre das Traditions-Rennen in Tschechien leicht ersetzbar. In Finnland steht der Kymi-Ring bereit. Auch Portimão möchte einspringen, 2021 kommt Lombok in Indonesien neu in den Kalender, Rio de Janeiro und Mexico City sind weitere Kandidaten.

Laut Simek hat Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta keinen Grund mehr, den Brünn-GP weiter im Kalender zu behalten. Denn die Zahlungsmoral der Tschechen lässt seit Jahren zu wünschen übrig.

«Bisher wissen wir nicht, ob 2020 wieder ein Grand Prix in Brünn zustandekommt», erklärte Carmelo Ezpeleta heute gegenüber SPEEDWEEK.com.

Bisher hat die Dorna einen aufrechten und gültigen Vertrag mit «Spolek pro GP CR» bis inklusive 2020. Und diese Firma hat sich verpflichtet, die vereinbarte Gebühr zu bezahlen...

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Auszug aus Brünn: Gehen die GP-Fans bald für immer? © Da Rin Auszug aus Brünn: Gehen die GP-Fans bald für immer?
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