MotoGP

Silverstone: Rechtsstreit und trotzdem neuer Asphalt

Von - 10.06.2019 17:47

Weil der neue Asphaltbelag 2018 die Anforderungen nicht erfüllte, wird ab heute in Silverstone wieder neu asphaltiert. Der MotoGP-Event könnte 2022 nach Donington abwandern.

Der Silverstone Circuit wird in den zwei Wochen von 10. bis 30. Juni zum zweiten Mal innerhalb von knapp 16 Monaten neu asphaltiert. Die Aufbringung der neuen Belagsschicht für den British Motorcycle Grand Prix wird rund 5 Millionen Pfund kosten. Stuart Pringle, Managing Director der Silverstone Circuit Ltd., muss diese Investitionen in Kauf nehmen. Sonst wäre der Motorrad-GP 2019 womöglich einer Absage zum Opfer gefallen. Zur Erinnerung: In Silverstone konnte 2018 am Sonntag wegen des Regens und der offenbar wasserdichten Asphaltschicht kein Rennen durchgeführt werden. Im FP4 am Samstag kam es auf nasser Fahrbahn wegen Aquaplanings zu etlichen Stürzen. Tito Rabat fiel danach ein halbes Jahr aus.

Der Asphalt im Februar 2018 war durch die Firma Aggregate Industries aufgebracht worden. Aber sogar die Form3l-1-Fahrer beklagten. der neue Belag sei schlechter als der alte,. Und selbst bei leichtem Regen blieben sofort gefährliche Pfützen stehen. Es waren schwerwiegende Drainage-Probleme zu erkennen.

«Die Leute, die für den neuen Belag zuständig waren, haben den schlechtesten Job gemacht, den man sich vorstellen kann», wetterte Formel-1-Star Lewis Hamilton beim Grand Prix 2018. «Ich bin noch nie auf so einer holprigen Piste gefahren.»

Stuart Pringle konnte sich ein Weiterwursteln unter diesen Umständen nicht leisten. «Nach der Absage des Motorrad-GP 2018 hat die Fédération Internationale de Motocyclisme unserer Strecke die Grade-A-Homologation entzogen», stellte Pringle fest. «Wir bekommen sie nur zurück, wenn wir die Rennstrecke komplett neu asphaltieren. Ohne den neuen Belag hätten wir den MotoGP-Event 2019 nicht abwickeln können.»

Während von Aggregate Industries anfangs eine Bereitschaft für eine kulante Abwicklung signalisiert wurde, bahnt sich jetzt ein Gerichtsstreit an. Aggregate zeigt sich uneinsichtig und wollte den neuen Belag offenbar nicht als Garantiefall neu aufbringen. Silverstone hat Gutachten eingeholt, jetzt wird vor Gericht geklärt, wer den Schaden bezahlen muss.

Gleichzeitig wurde die Firma «Tarmac» für die Neuasphaltierung verpflichtet. Die Dorna hat den Silverstone-MotoGP-Vertrag auf drei Jahre ausgedehnt bis inklusive 2021, um die Investitionen zu rechtfertigen für den Fall, dass Aggregate Industries nicht für die Versäumnisse zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Stuart Pringle will sich angesichts des schwebenden Verfahrens nicht äußern. Er sagt über den neuen Vertragspartner nur: «Wir wollten nicht zweimal denselben Fehler machen.»

Silverstone hat jetzt auch einen Vertrag mit der italienischen Firma Dromo abgeschlossen, die zum Beispiel auch den Circuit Termas de Río Hondo neu gebaut hat. «Dromo hat eine Asphaltmischung gemacht, die sechsmal stärker ist als die letztjährige», sagt Pringle. «Sie wird wirklich widerstandsfähig sein. Es besteht keine Gefahr, dass sie durch die Formel 1 in Mitleidenschaft gezogen wird. Dabei ist die Formel 1 die ultimative Belastungsprobe für jede Strecke.»

Von 12. bis 14. Juli wird in Silverstone der Formel-1-GP stattfinden. Nach 20 Arbeitstagen sollen die Arbeiten an der Strecke bis 30. Juni abgeschlossen sein. Bis zum Formel-1-Training wird die Piste dann gesperrt bleiben.

Die Dorna hat mit dem British Motorcycle Grand Prix in den letzten Jahren viel Ärger erlebt. In Silverstone wurde 2010 erstmals wieder gefahren, doch der neue «Silverstone Wing» wurde von den Teams nicht akzeptiert. Nachher sollte der Event 2015 auf dem Circuit of Wales stattfinden, der nie gebaut wurde, für 2018 kam Donington ins Gespräch.

Silverstone muss sich in den nächsten drei Jahren als GP-Schauplatz bewähren. Sonst könnte der British Grand Prix nach Donington zurückkehren, wo er zuletzt 2009 stattfand. In Donington Park wird unter Eigentümer Jonathan Palmer jedes Jahr Geld investiert; der Ex-Formel-1-GP will den MotoGP-Event in die Midlands zurückholen.

LCR-Honda-Pilot Cal Crutchlow plädierte schon im Herbst 2017 für die Rückkehr nach Donington. «Ich persönlich bin enttäuscht», klagte er damals nach der Entscheidung der Dorna zugunsten von Silverstone. «Warum fahren wir nicht in Donington? Ich glaube, den Rennfahrerkollegen gefällt Donington auch. Ich habe mit Jonathan Palmer und Stuart Higgs gesprochen, aber offensichtlich hat es nicht geklappt. Ich habe nichts gegen Silverstone, aber eine Veränderung wäre schön gewesen.»

Donington Park gehört zur MSV-Group und wird von Promoter MotorSport Vision Racing (MSVR) betrieben. Neben Donington kümmert sich diese Organisation auch um namhafte und traditionelle Rennstrecken wie Brands Hatch, Oulton Park, Snetterton, Cadwell Park, Thruxton, Knockhill und das Bedford Autodrome. MSVR ist unter Stuart Higgs auch Veranstalter der Britischen Superbike-Meisterschaft (BSB).

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