Motocross-Gespann-WM

Gespann-WM Gooik: Vanluchene/van den Bogaart feiern

Von - 02.09.2019 07:49

Obwohl zweite Plätze den Tabellenführern Etienne Bax/Kaspars Stupelis in der WM-Schlussphase genügen, ließen sie Marvin Vanluchene/Ben van den Bogaart beim zweiten Belgien-GP 2019 in Gooik nur widerwillig den Vortritt.

Ein auf der grünen Wiese abgesteckter Parcours und eine Infra-Struktur, die eher zu einem Provinz-Rennen passt – Begeisterung kam in Gooik unter diesen Umständen kaum auf. Aktive und Fans sind von belgischen Grands Prix anderes gewohnt, vor allem aber Strecken, deren Schwierigkeitsgrad und deren Umfeld einer WM würdig ist. Es bleibt das Geheimnis der FIM, warum ein derartiger Kurs in den ohnehin schon überfrachteten GP-Kalender gehoben wurde. Wie wäre es unter diesen Maßgaben im nächsten Jahr mit einen dritten Deutschland-GP in Radevormwald als fünfzehntem Rennen? Der Kurs im Bergischen Land birgt immerhin noch einige Tücken.

Abgesehen vom unterdurchschnittlichen Niveau der Wiesenpiste offenbart diese Saison einmal mehr, dass die Zahl der Sidecar-GP eher reduziert als erhöht werden sollte. Wie in der bis fast ins Unendliche ausgedehnten «Formel Eins» stehen die Titelanwärter auch in diesem Jahr bereits fest. Das Starterfeld ist selbst bei den zentral gelegenen Veranstaltungen deutlich geschrumpft, die Spannung hat sich weitgehend verflüchtigt. Die Beherrschung mathematischer Grundlagen genügt, um aus den aktuellen Punkteständen der Top-10 treffsichere Hochrechnungen für den Ausgang dieser WM abzuleiten. Womit sollen die Veranstalter der letzten GP-Runden noch werben, wenn ohnehin schon alles klar ist? Eine subtile Form der Geschäftsschädigung für die Clubs, die am Ende des WM-Kalenders auftauchen...

In der Sidecar-WM müssten nun schon Wunder geschehen, wenn Marvin Vanluchene/Ben van den Bogaart ihren Titel doch noch erfolgreich verteidigen sollten. Etienne Bax/Kaspars Stupelis reisten mit satten 71 Zählern Vorsprung in Gooik an – ein Polster, mit dem sich selbst eine Nullrunde abfedern lässt. Doch soweit sollte es nicht kommen.

Nach einem von Stuart Brown/Josh Chamberlain ausgelösten Massen-Crash beim ersten Start konnte sich Vanluchene zunächst absetzen. Bax nahm die Verfolgung auf und verkürzte den Abstand Runde um Runde. Doch am Ende reichte die Zeit nicht für eine Attacke. Im zweiten Lauf enteilte Vanluchene vor heimischem Publikum uneinholbar zum Doppelsieg.

Damit dürften er und Beifahrer Van den Bogaart fast schon als Vizeweltmeister feststehen. Die Verfolger Koen Hermans/Nicolas Musset scheiterten nämlich einmal mehr an der Technik. In der Qualifikation wurde der amtierende Vize mit defekter Kupplungshydraulik zurückgeworfen und musste wie Kert Varik/Lauris Daiders ins Last Chance. Selbstredend schafften beide Spitzenteams diese Hürde souverän, aber ein Startplatz in der zweiten Reihe ist immer ein Handicap. Im ersten Lauf brach dann wie schon in Markelo der Lenkungsdämpfer am Gespann von Hermans. Ein Produktionsfehler dürfte kaum die Ursache für diesen Defekt sein.

In den Turbulenzen nach dem ersten Start fanden Zeno Compalati/Bastien Chopin ihre Erfolgsspur und fuhren das erste Mal in ihrer Karriere auf das GP-Podium. Gleiches gelang Jake Brown/Joe Millard im zweiten Lauf. Der junge Brite stand bislang meistens im Schatten seines Vaters Stuart, der in Gooik nicht an den Erfolg des Vorwochenendes anknüpfen konnte, aber schon jetzt den fünften WM-Platz so gut wie sicher hat. Mit Aussicht auf Rang vier, wenn Arne Dierckens/Robbie Bax in den verbleibenden beiden Rennen abermals schwächeln.

Daniël Willemsen war zwar in Gooik vor Ort und als technischer Berater vielbeschäftigt. Aber zum Fahren kam er mangels Partner nicht. Andres Haller, der mit ihm erstmals in Roggenburg gestartet war, hatte dieses Wochenende schon vorher reserviert, um seinen letzten Fahrer Valentin Giraud zu besuchen. Was zur weiteren Genesung des folgenschwer verunglückten Franzosen sicher wichtiger ist als sporadische WM-Einsätze.

Die deutschen Teams machten sich in Gooik rar. Lediglich die WM-Dauerstarter Adrian Peter/Miroslav Zatloukal und Sebastian Engelbrecht hatte die Reise in die westliche Brüsseler Peripherie auf sich genommen, letzterer im Boot vom Niederländer Nick Maas unterstützt. Peter laborierte an Undichtigkeiten der Kupplungshydraulik, an Engelbrechts Gespann ging im ersten Lauf der Motor ein. Als Beifahrer half Michael Klooz bei Romaric Chanteloup aus, dessen Bruder mit einem Schlüsselbeinbruch nicht einsatzbereit ist. Zwar schaffte die Notgemeinschaft die Qualifikation auf direktem Weg, doch in den Rennen agierte sie zu verhalten, um in die Punkteränge zu fahren.

Gleich am kommenden Wochenende geht es in Dardon-Gueugnon/F weiter. Hier dürften bereits die Medaillien-Entscheidungen fallen. Aber wer weiß: Vielleicht können die Titelverteidiger Vanluche/van den Bogaart den Spieß doch noch umdrehen.

Resultate Motocross-Gespann-WM Gooik/B:

1. Lauf: 1. Vanluchene/van den Bogaart (B/NL), VMC-Zabel. 2. E.Bax/Stupelis (NL/LV), WSP-Zabel. 3. Compalati/Chopin (I/F), VMC-Zabel. 4. Gert van Werven/van Gaalen (NL), WSP-TM. 5. J.Brown/Millard (GB), WSP-Zabel. 6. Veldman/Janssens (NL/B), WHT-Mega. 7. Cuche/Cuche (CH), VMC-KTM. 8. Dierckens/R.Bax (B/NL), WSP-Zabel. 9. Varik/Daiders (EST/LV), WSP-Husqvarna. 10. Wilkinson/Humphrey (GB), WSP-Zabel. 11. Moulds/Anthony (GB/AUS), VMC-Husqvarna. 12. S.Brown/J. Chamberlain (GB), WHT-Husqvarna. 13. Hamard/Villaines (F), WHT-KTM. 14. Kinge/Gray (GB), VMC-Zabel. 15. I.Kops/de Laat (NL), WSP-Husqvarna. 16. M.Keuben/Horton (NL/GB), VMC-Husqvarna. 17. J.Keuben/A.van de Wiel (NL), VMC-Zabel. 18. Santermans/Beleckas (B/LT), VMC-Zabel. 19. T.van der Lagemaat/van Hal (NL/), VMC-Mega. 20. Wijers/van der Putten (NL), WSP-KTM.

2. Lauf: 1. Vanluchene. 2. E.Bax. 3. J.Brown. 4. Veldman. 5. Wilkinson. 6. Hermans. 7. S.Brown. 8. Dierckens. 9. Varik. 10. Compalati. 11. J.Keuben. 12. Santermans. 13. Cuche.
14. Boussy/Deschacht (B), WSP-Zabel. 15. I.Kops. 16. Moulds. 17. M.Keuben. 18. Hamard. 19. Auvray/Lebreton (F), WSP-Zabel. 20. Engelbrecht/Maas (D/NL), WHT-KTM.

WM-Stand nach 24 von 28 Läufen: 1. E.Bax 533 Punkte. 2. Vanluchene 468. 3. Hermans 387. 4. Dierckens 356. 5. S.Brown 343. 6. Varik 280. 7. Sanders 252. 8. Compalati 251. 9. J.Brown 218. 10. Giraud 185. 10.15. Cuche 141. 19. Heinzer 88. 23. Peter 49. 26. Pozzi. 32. 28. Janecke 24. 34. T.Blank 18. 37. Reimann 13. 51. Hofmann 6. 56. Engelbrecht, H.Müller u. Prümmer je 3. 61. Sieber 2.

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Podium-Premiere: Zeno Compalati/Bastien Chopin © Koenigsbeck Podium-Premiere: Zeno Compalati/Bastien Chopin
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