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Bergrennen

Berg-EM: Weit mehr als nur Rennstrecken

Von - 26.05.2011 10:35

Georg Plasa in seiner Kolumne mit Impressionen von den beiden Läufen zur Berg-EM in Portugal und Spanien

Georg Plasa ist einer der erfolgreichsten deutschen Bergpiloten der letzten Jahre. Seit 2010 sorgt er mit seinem 134Judd, einem auf BMW-Karosse mit 3,4 ltr. Judd-Motor speziell für den Bergsport aufgebauten Wagen für Furore. Ab sofort wird er regelmässig für SPEEDWEEK über seine Erlebnisse am Berg und auch abseits der Strecke berichten.

Die Europäische Bergmeisterschaft bietet weit mehr als nur schöne, abwechslungsreiche Strecken. So werde ich im Spanischen Arriondas auf dem Weg zum Rennen von Al Fito von Rindern und Ziegen auf der Landstraße begrüsst. Ganze 1900 km habe ich mit dem Hänger hinter mir. Der Weg führte aus dem Bayrischen über die Schweiz, Frankreich nach Spanien, spätestens hier muss ich feststellen, dass ich weder mit Italienisch, Englisch noch Französisch weiter komme. Am Ehesten noch mit Bayrisch, keine Ahnung warum das funktioniert … Das Abendessen setzt sich aus Rotwein und typischen Speisen aus der Region zusammen, meist in kleinen Berggaststätten, die mir von den Einheimischen empfohlen werden.

Die Rennstrecke führt den Berg Al Fito in engen und schmalen Kurven hinauf, für unsere «Denise» eher nicht das optimale Geläuf. Außerdem passierte, was ich immer am Anfang denke: das lernst du nie… So probierte ich anfangs die «ganzheitliche Methode», das heißt nicht einzelne Einlenkpunkte und spezielle Merkmale mir zu merken, sondern ganze Kurvenkombinationen, etwa wie aus einer Luftansicht. Das ganze mit dem Skoda 1,2 meines slowenischen Freundes Ales Prek, nebenbei der Führende in der Kategorie I auf seinem Mitsu Gruppe N. Später kam unsere Eva mit unserem Leihwagen vom Flugplatz in Oviedo dazu und es ging schon etwas flotter zur Sache… Am Wegesrand immer wieder mal ein Zugang zu den Rinderherden. Der kühle und vernebelte Morgen erinnert eher an die Eifel, der Samstag und somit auch der erste Rennlauf waren verregnet. Getriebeprobleme verhindern den Start zum ersten Trainingslauf. Die Regenreifen auf der teilweise verschmutzten Fahrbahn lieferten nicht die nötige Haftung, sodass ich eher wie auf Schmierseife gefahren bin und einfach nur unversehrt ankommen wollte. Grössere Schäden hätten die Teilnahme am portugiesischen Rennen das darauffolgende Wochenende verhindert.

Erst am Sonntag als die Strecke trocken war konnte ich die Zeit verbessern und wir konnten mit dem Fahrzeug weiter arbeiten. Von Rennen zu Rennen und speziell auf trockener Fahrbahn lernen wir das Auto besser kennen und kommen in der Entwicklung und Abstimmung einen Schritt weiter. Leider beschädigten wir nach einem Schlag auf den Unterboden den Anlasser, verließen Spanien aber mit einem 10. Platz gesamt und einem Klassen- und Gruppensieg, vielleicht auch, weil unser Fahrerlagerplatz direkt ans Spielfeld des örtlichen Fußballvereins «Los Rapidos di Arriondas» angrenzte …

Zusammen mit dem Team verbrachte ich ein paar freie Tage im Nordwesten Spaniens und Portugals bevor es dann direkt weiter ging mit den Vorbereitungen für den portugiesischen Lauf in Al Fito. Immer mit dabei ist mein Mountainbike, mit dem ich gerne die Strecke und Gegend erkunde und über Singletrails eine Auszeit gönne. Da sich die Strecken meist weit weg von jeglichem Badetourismus befinden, lernen wir außerordentlich schöne Ecken des jeweiligen Landes kennen, die eben nicht in einem Reiseführer stehen.

Neben der Europäischen Meisterschaft gingen auch die portugiesische und spanische Meisterschaft an den Start, sowie die Ford Transit Meisterschaft. Für die Zuschauer, die in Scharen anreisten, ein großes Angebot an Motorsport. Geschätzte 150 000 Motorsportbegeisterte reihten sich an der 5,2km langen Strecke hinauf zur Wallfahrtskirche Bom Jesus bei Braga auf. Die Stimmung an der Strecke und die Geselligkeit am Abend und in der Nacht erinnern sehr an das legendäre 24h Rennen am Nürburgring. Die Gastfreundlichkeit ist sehr gross und somit wurde uns von allen Seiten Hilfe angeboten und uns beispielsweise am Samstagabend noch von der örtlichen Feuerwehr die Druckluftflasche wieder gefüllt. Auch Portugal teilte die drei Rennläufe auf zwei Tage auf: der erste am Samstagabend. Die Nacharbeiten und Vorbereitungen zogen sich spät in die Dunkelheit hinein und bereits am frühen Sonntagmorgen ging es mit einem kurzen WarmUp weiter mit den Rennläufen zwei und drei. Die Strecke ist eher breit und sehr schnell, eine ganz andere Übersetzung als in Spanien ist notwendig, wenn es an der schnellsten Stelle bis knapp 240km/h wird.

Auch in Portugal mussten wir auf einen Traingslauf verzichten, nachdem der Motor am Start ausging und das Fahrzeug sich nicht mehr aus eigener Kraft starten ließ. Dieser Regelung fiel auch der eine oder andere Formel 3000 zum Opfer.

Erfreulicherweise bauten die Reifen am Sonntag genug Haftung auf, um im Gesamten in der Feldspitze mitzumischen. Es blieb beim 9. Platz gesamt und einem erneuten Gruppen- und Klassensieg. Das sicherte uns auch die Führung in der Europäischen Meisterschaft (Kategorie II).

Zufrieden und erschöpft mache ich mich wieder auf den 2400km langen Heimweg. In der bayrischen Werkstatt erwarten mich kleinere Reparaturarbeiten und die Vorbereitungen für das nächste Rennen in Trier Anfang Juni. Die langen Anfahrten und der sehr volle Rennkalender lassen leider keine grossen Testläufe zwischendurch zu – eine weitere Herausforderung der EM, so wie auch das ganze Team gefordert wird. Fast jede Nacht ein anderes Hotel oder ein anderer Flugplatz, Arbeitszeiten bei denen deutsche Gewerkschaftler schlicht vom kollektiven Herzinfarkt hinweg gerafft würden und jeden Tag neue Herausforderungen. Als Lohn dafür lachen wir aber auch viel, quatschen mit Freunden aus ganz Europa in allen denkbaren Sprachen und verstehen uns trotz des sich daraus ergebenden Kauderwelsches hervorragend… irgendwie bin ich froh nix «Gscheits» gelernt zu haben und in einem nine to five job geendet zu sein …

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