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Markus Reiterberger: «Hab mich nicht dumm angestellt»

Von - 14.09.2017 11:06

Superbike-Ass Markus Reiterberger hat mit seiner Leistung beim Sandbahnrennen in Pfarrkirchen viel Eindruck hinterlassen. Wer glaubt, dass der Bayer die Gegner aus dem Stegreif aufgemischt hat, irrt gewaltig.

So viele Fans wie um die Box von Markus Reiterberger sieht man normal bei keinem B-Lizenz-Fahrer. Doch wenn ein dreifacher Deutscher Superbike-Meister mit Topplatzierungen in der WM sein erstes Bahnrennen fährt und auch noch schnell ist, dann hinterlässt das Eindruck.

Reiti hat sich auf seine Premiere in Pfarrkirchen hervorragend vorbereitet. Sein Motorrad stammt vom ehemaligen Vizeweltmeister Richard Speiser, den GM-Motor hat Joachim Kugelmann vorbereitet, um die Öhlins-Federelemente kümmerte sich sein Fahrwerksmann aus der IDM. In den Tagen vor den Rennen überarbeitete der Obinger gemeinsam mit Markus Eibl noch das Getriebe, das Design des Motorrads ist an jenes von Reiterbergers IDM-Team Van Zon Remeha BMW angelehnt.

Dass er für die B-Lizenz schnell genug sein würde, wusste der 23-Jährige nach diversen Trainings. Lediglich die Starts machten ihm Kopfzerbrechen, also legte er in der Woche vor Pfarrkirchen ein Extra-Training mit Eibl ein.

Wie umfangreich sich der Superbike-Pilot auf sein erstes Bahnrennen vorbereitet hat, erzählte er SPEEDWEEK.com im Exklusiv-Interview.

Markus, bevor wegen deines zweiten Platzes jemand auf die Idee kommt, dass die Sandbahnfahrer nichts können: Wann hast du angefangen mit Speedway-Training?

Zum ersten Mal fuhr ich mit acht oder neun Jahren auf meinem Pa seinem alten Weslake in Landshut, aber das war nur ein bisschen rumrutschen.

2014 bin ich in Landshut zum ersten Mal gescheit Motorrad gefahren mit einem Bike von Martin Smolinski, und habe danach eines gekauft. Seither fuhr ich fünf- oder sechsmal im Jahr zum Training, immer nur Speedway.

Dieses Jahr im April bin ich zum ersten Mal mit einer Dirt-Track-Maschine in Pfarrkirchen gefahren und habe jeweils für vier Runden die Langbahn-Maschinen von Manfred Knappe und Markus Eibl probiert. Da war mir klar: So etwas brauche ich auch.

Der Speed hat mir gut gefallen, man ist schnell auf der Sandbahn. Die Kurven sind zum Glück so lang, dass man da keine Riesendrifts fahren muss. Im Gegenteil, man darf den Schwung in den Kurven nicht verlieren. Für mich ist das viel geiler als Speedway.

Mir hat auch das Starten Riesenspaß gemacht. Da kriegst ein richtiges Gefühl für die Kupplung und das ganze Bike. Das Motorrad ist elastisch wie eine Schlange, da muss man sich erst mal drauf einstellen.

Ich habe mir in Pfarrkichen angesehen, wie die anderen Jungs fahren, Martin Smolinski, Markus Eibl und Markus Venus gaben mir Tipps. Ich habe dann gleich gemerkt, dass ich zu sehr den Straßenstil fahre. Am Schluss fuhr ich dann mehr wie ein Bahnfahrer, habe das Moped mehr umgelegt und dafür den Oberkörper gerader. Dann fiel es mir gleich viel einfacher.

Wenn die Bahn frisch präpariert war, war ich richtig schnell. Wenn sie dann bucklig oder rutschig wurde, bekam ich Probleme. Weil ich nicht weiß, wo ich dann fahren und wie ich übersetzen muss. Da fehlt mir die Erfahrung.

Nach Speedway und Sandbahn fehlt dir nur noch die Grasbahn.

Genau, mal schauen.

Das war brutal viel Arbeit für Pfarrkirchen, aber es hat sich auf alle Fälle gelohnt. Am Montag habe ich den ganzen Tag alles gewaschen und hergerichtet, auf der Straße ist das einfacher. Da wischt du kurz drüber mit dem Lappen und das war’s.

Mir hat aber auch das Auf- und Umbauen des Mopeds viel Spaß gemacht, so richtig schrauben, bis tief in die Nacht.

Wir waren in der Box zu viert, Rücken an Rücken, auf engstem Raum eingepfercht, alle waren beieinander. Die Langbahnwelt ist familiär und super, da hilft jeder dem anderen. Bis auf ein paar wenige sind alle auf dem Boden geblieben, das macht den Sport aus.

Du hast dir so viel Arbeit mit dem Motorrad gemacht, es wäre schade, wenn das jetzt nur noch in der Werkstatt herumsteht. Du solltest es öfter benützen.

Klar, das Moped wird auf alle Fälle weiterhin bewegt. Wenigstens fürs Training. Für Rennen muss ich sehen, wie das läuft, wo ich fahre und wie das vertraglich ist. Fakt ist, dass mein Hauptberuf als Straßenrennfahrer Vorrang hat, Speedway und Sandbahn sind mein Hobby und Training. Mich würde es freuen, wenn ich ab und zu ein paar Rennen mitfahren könnte.

Du hattest Teile deiner normalen IDM-Crew als Mechaniker dabei. Wie hat es denen beim Sandbahnrennen gefallen?

Mein Pa und mein Chef-Mechaniker Wolfgang waren als Mechaniker dabei. Mein Pa fuhr früher selbst Sandbahn, er war jahrelang in dieser Szene, dann aber auch lange nicht mehr. Die Zeiten haben sich schon geändert, vom Grundaufbau am Motorrad blieb aber alles ziemlich gleich.

Manfred Knappe stand mir als dritter Mechaniker und Berater zur Seite. Er hat viel Erfahrung und mich unterstützt. Richard Speiser war auch da und hat ein bisschen mitgeholfen an seinem alten Moped. Eibl, Venus, alle waren da. Auch Karl Maier, Robert Barth, Alois Wiesböck, alle haben mir gut zugeredet und waren recht begeistert.

Wolfgang hat es richtig gut gefallen, dann kam auch noch mein Reifen-Mann Peter spontan vorbei und hat mich überrascht. Mein Fahrwerksmann war da, denen hat es allen gut gefallen. Es waren auch viele Freunde, Sponsoren und der Fanclub da, die waren alle total begeistert.

Ich war selber überrascht, dass ich gleich so gut zurechtgekommen bin. Bei uns war permanent die Box voll mit Leuten, die wollten alle Autogramme. Es war echt schön, dass einer von der Straße so angenommen wird, und dass die Leute so offen waren.

Am Schluss durftest du sogar noch im Sonderlauf gegen die vier Besten aus der I-Lizenz mitfahren.

Das war geil. Ich durfte direkt neben Smolinski starten, da geht es schon rund am Start und in der ersten Kurve. Ich habe gleich einen dicken Sandstrahl gekriegt. Das war eine schöne Erfahrung wenn man merkt, wie sich ein Dreifach-Strahl auswirkt – das war der Hammer.

Am Start selbst war ich Vierter oder Fünfter. Ich sah am Start, dass es mir eine Hinterradspeiche abgerissen hatte, die stand raus. Ich habe versucht, sie mit der linken Hand rein zu biegen, dann musste ich Kupplung und Gas halten, damit der Karren nicht ausgeht. Da war ich ein bisschen überfordert am Start und konnte keine richtige Rille suchen. Ich war zu nervös und habe den Start verpasst.

Die richtigen Cracks – Smolinski ließ die Kupplung schon los, da hatte sich das Band kaum bewegt. Die schauen alle nach innen auf die Haken des Startbands, ich stand in der Mitte und habe vor mich hin geschaut, was ein Riesenfehler ist. Vor lauter Nervosität habe ich das nicht geblickt. Nächstes Mal weiß ich, dass man nach außen schaut. Dann komme ich bei den Starts besser zurecht. Das mit den Rillen muss ich auch probieren, das weiß ich einfach noch nicht.

Am Schluss fuhren wir noch ein paar Ehrenrunden mit Wheelies. Das war schön, bei den I-Lizenz-Fahrern dabei zu sein.

Würdest du es dir nach einer kompletten Saison in der B-Lizenz zutrauen international zu fahren?

Ich müsste halt mal viel fahren und Erfahrung sammeln. Ich denke, für den Anfang war ich ganz gut dabei und habe mich nicht so dumm angestellt. Wir haben für ein paar staunende Gesichter gesorgt. Wenn ich mehr trainieren würde, könnte ich auch irgendwann in der I-Lizenz fahren.

Das Material dazu hätte ich. Wir müssten halt mehr testen und das Material besser abstimmen – und ich müsste mich fahrerisch stark verbessern.

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Markus Reiterberger in Pfarrkirchen © Manfred Hirsch Markus Reiterberger in Pfarrkirchen Markus Reiterberger (li.) bekam Instruktionen von Richard Speiser © Reiterberger Markus Reiterberger (li.) bekam Instruktionen von Richard Speiser SPEEDWEEK-Redakteur Ivo Schützbach im Gespräch mit Markus Reiterberger © Gold & Goose SPEEDWEEK-Redakteur Ivo Schützbach im Gespräch mit Markus Reiterberger
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