Superbike-WM

Exklusiv: Markus Reiterberger über seine BMW-Zukunft

Von - 06.11.2018 11:03

Im April 2017 dachte Markus Reiterberger, sein Traum von der Superbike-WM sei gestorben. Für die Saison 2019 hat der Bayer bessere Voraussetzungen als je zuvor, er wird eine neue Werks-BMW S1000RR pilotieren.

Es war kein gut gehütetes Geheimnis: BMW kehrt für die nächsten drei Jahre werksseitig in die Superbike-WM zurück und verbündet sich dafür mit dem Team des Engländers Shaun Muir. Als Fahrer wurden für 2019 Superstock-Europameister Markus Reiterberger (24) und Ex-Weltmeister Tom Sykes (33) verpflichtet.

Reiti bekommt von BMW eine zweite große Chance, nachdem er bereits 2016 und 2017 einen Zwei-Jahres-Vertrag mit dem italienischen Superbike-WM-Team Althea BMW hatte. Achtmal preschte er damals in 30 Rennen in die Top-10 und glänzte mit Rang 5 in Thailand.

Im zweiten Rennen in Misano brach sich Reiti bei einem Highsider mehrere Wirbel und fiel anschließend drei Monate lang aus. Danach kam er nicht mehr richtig in Schwung. Allerdings weniger wegen seiner Verletzung, sondern weil das Team von Genesio Bevilacqua der Meinung war, der Fahrer müsse sich den Ideen der Ingenieure anpassen und nicht anders herum.

Nach dem Europa-Auftakt 2017 in Aragón entschied sich Reiterberger, seinen Traum von einer Karriere in der Superbike-WM zu begraben. Er hatte die Bedingungen bei Althea satt, kehrte in die IDM zurück und wurde mit dem BMW-Team von Werner Daemen zum dritten Mal Deutscher Meister.

Gemeinsam stiegen sie 2018 in die Superstock-1000-EM auf, welche Reiti mit vier Siegen und sechs Podestplätzen in acht Rennen gewann.

Vor wenigen Minuten gab BMW in Mailand die Zukunftspläne offiziell bekannt, SPEEDWEEK.com führte das erste Interview mit dem Obinger.

Markus, weshalb glaubst du, dass es mit dem Team von Shaun Muir besser laufen wird als damals mit Althea?

Schwierig zu sagen, weil die Voraussetzungen heute ganz anders sind. Jetzt ist eine neue BMW auf dem Markt, wir müssen erst mal schauen und die Erwartungen niedrig halten.

Die damals von Althea eingesetzte BMW war bereits schlagkräftig, sie kam 2015 auf den Markt.

Aber ich bin zuversichtlich, dass wir mit dem neuen Motorrad und im Team von Shaun Muir gute Leistungen zeigen können. Wenn die Technik und die Zusammenarbeit mit dem Werk und dem Team passt, dann werden wir längerfristig bessere Ergebnisse einfahren.

BMW hat ja schon vor längerer Zeit gesagt, dass es deutlich mehr Werksunterstützung geben wird.

Dem Vernehmen nach bist du das neue Motorrad schon gefahren, wie ist dein Eindruck?

Als Serienversion ist es deutlich besser als die letztjährige, das hat mir gut getaugt. BMW hat es geschafft, das Motorrad noch einmal handlicher zu machen, die Serienelektronik ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber der alten. Da hat man von allen Features etwas dabei und kann diese im User-Modus selbst programmieren.

Das Gesamtpaket ist deutlich kompakter, man hat schon in der Serie einiges, was man für den Rennsport nutzen kann. Zum Beispiel den veränderbaren Schwingendrehpunkt.

Wir sollten uns trotzdem nicht zu viel erhoffen, man sieht erst im Wettbewerb, ob man schnell und konstant ist. Und ob das Motorrad von Anfang an besser als das Vorgängermodell ist. Das müssen wir herausfinden.

Ich bin aber positiv überrascht von dem Motorrad und entsprechend zuversichtlich.

Das Projekt ist längerfristig. Dass wir nicht zum ersten Rennen mit dem perfekten Bike kommen, ist klar. Ich vermute, dass wir in Australien und Thailand mit einem Motorrad im relativen Frühstadium fahren werden. Das war ja die letzten Jahre bei Honda auch so, man kann nicht aus dem Nichts ein Rennmotorrad stampfen.

Mit Ausnahme von dir haben alle BMW-Fahrer seit 2014 in der Superbike-WM die Elektronik der S1000RR bemängelt. Wird der Fortschritt mit der neuen Serienelektronik genügen, um mit den Besten in der WM mitzuhalten?

Ich kann das nur aus Fahrersicht bewerten, nicht aus Sicht eines Elektronikers.

Ich hatte mit der Elektronik nie ein Problem, ich bin aber auch nie etwas anderes gefahren. Bis alle anderen darüber geschimpft haben war ich der Überzeugung, dass alles gut ist. Wir konnten sogar mit den Werks-Ducati in der IDM mithalten, die mit Magneti Marelli fuhren.

Bei Althea lag viel am Chassis und am allgemeinen Aufbau des Motorrads und weniger an der Elektronik.

Die neue Elektronik bietet vom Grundaufbau viel mehr Unterstützung, wie man sie in der Superbike- oder MotoGP-WM braucht. Ich bin ja auch die MotoGP-KTM gefahren, die Grundfunktionsweise der neuen Elektronik entspricht jener in SBK oder MotoGP.

Den Jungs, die jetzt in der Motorsport-Abteilung am Werk sind, vertraue ich voll und ganz, die sind richtig fit. Sie haben mir zuversichtlich gesagt, dass sie die Elektronik auf einen guten Stand bringen. Auch auf einen besseren Stand, als sie BMW damals im Werksteam hatte – und Melandri fuhr damals um den WM-Titel. Das war schon eine ganz eine gute Elektronik. Ich glaube, dass wir dorthin kommen, wenn nicht sogar besser.

Darfst du deinen Mechaniker Wolfgang Kampe ins Team mitbringen?

Da sind wir noch dran, wir reden darüber. Das Team hat mehrmals bewiesen, dass sie in der WM aufs Podium fahren können, sie wurden auch Britischer Superbike-Meister. Dass dort gute Leute sind, ist klar.

Laufsieger wie Marco Melandri, Eugene Laverty, Loris Baz und Jordi Torres haben noch keinen Platz für nächstes Jahr, außerdem schnelle Piloten wie Fores und Savadori. Dafür haben wir mit dir und Sandro Cortese zwei Deutsche in SBK.

Das stimmt, da können wir uns glücklich schätzen.

Mit meinem Sieg in der Superstock-EM und den Rundenzeiten haben wir etwas Aufsehen erregt, einige der genannten Fahrer hatten etwas Pech mit ihren Entscheidungen und Resultaten. Das Alter spielt auch eine Rolle, ich bin relativ jung, Melandri ist relativ alt.

Manchmal ist es kurios, deshalb kann ich mich glücklich schätzen, dass ich einen Platz bekommen habe. Natürlich hat auch die lange Verbindung zu BMW geholfen. Shaun Muir hat gesagt, dass er einen Mann mit viel BMW-Erfahrung möchte, das ist gut für mich. Momentan gibt es auch keinen anderen, der so viel Erfahrung mit diesem Motorrad und so eine gute Verbindung zum Werk hat.

Die letzten Jahre haben einige Leute kritisiert, dass du an BMW festhältst. Aber du hattest keine besseren Möglichkeiten und jetzt zahlt sich deine Loyalität aus.

Definitiv. Wenn ich solche Sachen höre oder lese, dann kann ich nur schmunzeln. Im Hintergrund ist enorm viel passiert, ich habe gute Leute um mich und auch mein Management ist gut. Werner Daemen hat immer gesagt, dass wir uns treu bleiben und die Loyalität zu BMW aufrechterhalten. Weil wir gespürt haben, dass etwas im Busch ist. Das war nur eine Frage der Zeit, in einem großen Werk wird immer wieder mal umstrukturiert. Das muss man erwarten oder sich etwas anderes aufbauen.

Für den jetzigen Moment traf ich die richtige Entscheidung, wie es in ein oder zwei Jahren ist, kann man nur vermuten. Jetzt habe ich noch einmal die Chance, in der Superbike-WM zu fahren. Die letzten zwei Jahre habe ich mein Vertrauen und Gefühl für den Rennsport wieder auf einen guten Level gebracht, jetzt kann ich mich auf dem nächsten Level beweisen.

So viel können wir nicht verkehrt gemacht haben. Egal wo man ist, muss man vorne mitfahren. Das haben wir meistens geschafft. Rennsport ist aber nicht nur da, um sich den Unterhalt zu verdienen, sondern auch um Spaß zu haben. Er ist mein Leben.

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