Superbike-WM

Marco Melandri packt aus: Seit 1.1. ohne Maulkorb

Von - 01.01.2019 02:09

Bis zum Jahresende 2018 war es Marco Melandri von Ducati nicht erlaubt, über seinen diesjährigen Arbeitgeber Yamaha zu reden. SPEEDWEEK.com bekam vom Italiener das erste Interview.

Mitte August erfuhr Marco Melandri von Ducati, dass sein Vertrag für 2019 nicht verlängert wird und er im Aruba-Werksteam Alvaro Bautista Platz machen muss – trotz zwei Siegen, zehn Podestplätzen und WM-Rang 5 in der vergangenen Saison.

Monatelang bangte Melandri um seine sportliche Zukunft, erst Anfang November kam es zu einer Einigung mit Yamaha. Der 36-Jährige aus Ravenna startet dieses Jahr gemeinsam mit Supersport-Weltmeister Sandro Cortese im Yamaha-Satelliten-Team von Mirko Giansanti (GRT), wo sie das identische Material zur Verfügung haben werden wie Michael van der Mark und Alex Lowes im Pata-Werksteam.

Am 26./27. November testete Melandri die Yamaha R1 zwei Tage lang in Jerez, sein Vertrag mit Ducati verbat es ihm aber bis zum Jahresende 2018 über Yamaha zu reden.

Sein erstes Interview über seinen diesjährigen Arbeitgeber gab Marco Melandri SPEEDWEEK.com.

Marco, als GRT letzten Mai erstmals davon sprach in die Superbike-WM aufzusteigen, wurdest du als Fahrer genannt. Mit Voranschreiten der Pläne kristallisierte sich das Team zwischenzeitlich als Nachwuchsprogramm von Yamaha heraus und du warst bis Anfang November außen vor. Wie kam das?

Das kann ich dir nicht genau sagen, ich war nicht in alle Details involviert. Erst sagten sie mir ja und ich war glücklich; dann sagten sie mir nein und ich war sehr enttäuscht. Genau können dir das nur das Team und Yamaha beantworten.

Es war in den Anfängen also nicht so, dass GRT auf dich zukam und dir vorschlug, dass du mit ihnen Superbike-WM fahren sollst?

Nein, ich sprach immer nur mit Andrea Dosoli, ich habe einen Vertrag mit Yamaha. Gemeinsam sprachen wir dann mit GRT. Ich kann dir nicht sagen, was zwischenzeitlich das Problem war.

Bei Ducati ist zu hören, dass du deinen Job bei ihnen verloren hast, weil du versucht haben sollst Hauptsponsor Aruba von Ducati zu Yamaha zu transferieren?

So war das nicht. Aruba sprach mit Yamaha, davon wusste ich aber nichts. Einen Tag nach dem Gespräch ging Aruba zu Ducati und der Vertrag wurde augenblicklich von einem Jahr auf zwei Jahre verlängert. Aruba hat Yamaha dafür benutzt, um von Ducati bessere Vertragsbedingungen zu erhalten.

Davide Tardozzi (MotoGP-Teammanager von Ducati – der Autor) erzählte mir in Misano, dass es mich einige Privilegien kosten würde, dass ich versucht habe den Sponsor von Ducati wegzulocken. Ich wusste nicht, wovon er sprach. Erst in der darauffolgenden Nacht erzählte mir Aruba-Chef Cecconi, dass er mit Yamaha gesprochen hatte.

Nach diesen Vorkommnissen war mir klar, dass ich bei Ducati raus bin. Sie haben meinen Namen als Entschuldigung benutzt, letztlich ging es für Aruba nur darum Geld zu sparen.

Deine Aussage wird dadurch untermauert, dass es bis Anfang November dauerte, bis dich Yamaha bestätigte. Obwohl Mitte August klar war, dass du bei Ducati raus bist. Zu diesem Zeitpunkt war nicht sicher, dass du bei Yamaha unterkommen wirst?

Nein, nichts war sicher. Mein größter Fehler war, dass ich sehr geradlinig agierte. Ich habe Cecconi über meine Gespräche jederzeit auf dem Laufenden gehalten. Ich sagte ihm immer, dass ich fair bleiben will. Dass er alles von mir wissen, und es nicht von Dritten hören soll. Sie verhielten sich mir gegenüber aber anders.

Hätte sich Lucas Mahias nicht dafür entschieden von Yamaha zu Kawasaki Puccetti zu gehen, hättest du den Vertrag trotzdem bekommen? Oder würden wir sonst 2019 das Duo Mahias/Cortese bei GRT sehen?

Ohne Mahias’ Wechsel zu Kawasaki hätte es für mich keinen Platz gegeben, das ist sicher. Manchmal musst du auch Glück haben.

Ich war überrascht, dass sich Promoter Dorna nicht mehr für dich eingesetzt hat. Zumindest nicht öffentlich. Weltweit gesehen bist du der bekannteste aktive Superbike-Pilot.

Ich weiß nicht, was hinter den Kulissen lief, da weißt du sicher mehr als ich. Ich vermute, dass es für die Dorna wichtig ist einen italienischen Fahrer mit einem recht bekannten Namen zu haben. Ob sie sich aber für mich stark gemacht oder das Projekt in einer Form unterstützt haben, entzieht sich meiner Kenntnis.

Wäre der Vertrag mit GRT nicht zustande gekommen, hättest du Alternativen in der Superbike-WM gehabt?

Nein. Ich wäre nicht gefahren, nur um dabei zu sein. Ich bin nach wie vor sehr fit. Wenn ich Rennen fahre, dann möchte ich die Chance haben zu gewinnen. Dafür braucht es ein gutes Team und ein gutes Motorrad.

Abgesehen von Ducati ist das die bestmögliche Situation für mich. Der Charakter der Yamaha sagt mir mehr zu als von jedem anderen Motorrad.

Bei Honda und BMW warst du nie auf der Liste?

Wir haben geredet, aber nicht sehr tiefgründig

Einige Wochen lang hatte es den Anschein, als würdest du zu Attack Yamaha in die MotoAmerica-Serie gehen. Wie nahe warst du der Unterschrift?

Sehr nahe. Hätte ich nicht bei GRT unterschrieben, wäre ich in die USA gegangen. MotoAmerica war für mich schon immer reizvoll, ich mag das Land, die Menschen und die Atmosphäre. Attack ist kein Werksteam, aber sie sind ein starkes Privatteam mit guter Unterstützung von Yamaha. Das wäre eine gute Lösung für mich gewesen. Viele Leute in MotoAmerica setzten sich für mich ein und hätten mich gerne dort gesehen.

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Marco Melandri ist glücklich, bei Yamaha gelandet zu sein © Gold & Goose Marco Melandri ist glücklich, bei Yamaha gelandet zu sein Den ersten Yamaha-Test absolvierte Marco Melandri in Jerez © Gold & Goose Den ersten Yamaha-Test absolvierte Marco Melandri in Jerez GRT-Manager Filippo Conti (li.) mit Marco Melandri © Gold & Goose GRT-Manager Filippo Conti (li.) mit Marco Melandri
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